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Angekündigtes Fehlen rechtfertigt keine fristlose Entlassung

15.07.2013 - 18:18

Kündigt ein Arbeitnehmer an, am folgenden Arbeitstag wegen einer sich anbahnenden Erkrankung eventuell nicht zur Arbeit kommen zu können, und geht es ihm tatsächlich nicht gut, darf er zwar abgemahnt, aber nicht entlassen werden. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg hervor.

Im konkreten Fall fühlte sich ein Angestellter an einem Freitag bedingt durch den großen Arbeitsstress körperlich so angeschlagen, dass er gegenüber Kollegen äußerte, dringend mindestens eine Woche Urlaub zu benötigen. Allerdings wollte er nicht zum Arzt gehen, um sich krankschreiben zu lassen und arbeitete anschließend trotzdem bis zum Feierabend weiter.

Als der Arbeitnehmer am Montag unentschuldigt nicht in der Arbeit erschien, setzten seine Kollegen den Arbeitgeber über dessen Äußerung aus der Vorwoche in Kenntnis. Die Folge: eine fristlose Kündigung. Die Begründung: die Erkrankung mit Ansage.

Arbeitnehmer reicht Kündigungsschutzklage ein

Die schriftliche Kündigung erhielt der Angestellte am Dienstag. An diesem Tag wurde er auch nach einem Arztbesuch rückwirkend ab Montag krankgeschrieben. Wegen der fristlosen Kündigung zog er zudem gegen seinen Arbeitgeber vor Gericht.

 

Der Kläger gab an, dass er bereits am Freitag arbeitsunfähig gewesen sei und nur aus Anstand noch bis zum Feierabend durchgehalten habe. Daher könne von einer angekündigten Erkrankung keine Rede sein.

Der beklagte Arbeitgeber hingegen argumentierte, dass gerade das Durcharbeiten am Freitag den Schluss zulasse, dass der Angestellte eben nicht arbeitsunfähig erkrankt gewesen sei. Vielmehr habe er die Erkrankung nur vorgeschoben, da zuvor sein Urlaubsantrag nicht bewilligt worden war. Der Kläger bestritt jedoch, Urlaub beantragt zu haben.

Recht auf fristlose Kündigung hängt vom Einzelfall ab

Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg gab – ebenso wie die Vorinstanz – dem Arbeitnehmer recht. Die Begründung der Richter: Zwar könne ein angekündigtes Fehlen aus Krankheitsgründen grundsätzlich ein Kündigungsgrund sein.

 

Jedoch sei bei einer solchen Ankündigung zu prüfen, ob der Betroffene nur Urlaub machen wolle oder sich tatsächlich krank fühle. Denn bloß weil ein Arbeitgeber in der Arbeit anwesend sei, sei er nicht automatisch auch arbeitsfähig.

Bei Erkrankungsanzeichen ist nur eine Abmahnung drin

Zudem hätte ein Arbeitgeber den betreffenden Angestellten vor einer Kündigung fragen sollen, wie seine Äußerung aufzufassen sei – das sei im vorliegenden Fall jedoch nicht geschehen. Ferner habe der Firmenchef nicht nachweisen können, dass der Kläger vor dem Wochenende kerngesund gewesen war.

 

Ist das angekündigte Fehlen nicht bloß als Drohung zu verstehen, sondern gibt es tatsächlich Hinweise auf eine Erkrankung, kann der Arbeitgeber höchstens eine Abmahnung erteilen, so das Gericht weiter.

Daher befanden beide gerichtlichen Instanzen die fristlose Kündigung für ungültig – der Beklagte musste rückwirkend bis zum Ablauf der regulären Kündigungsfrist zum Quartalsende die Lohnzahlungen fortsetzen.

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(kro)

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