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Null-Prozent-Finanzierung: Alles gratis oder was?

23.06.2015 - 15:35

Neue Möbel, größerer Fernseher, High-Tech-Elektrogeräte: Mit einer Null-Prozent-Finanzierung vom Händler kann sich jeder alles leisten – so das Versprechen. Nicht selten entpuppt sich die vermeintliche Gratisfinanzierung jedoch als Kostenfalle.

Möbel- und Elektrohändler werben oft aggressiv für ihre Finanzierungsangebote: Früher als Sonderangebot nur für einen kurzen Zeitraum angepriesen, bieten viele Händler und Hersteller ihre Produkte mittlerweile ganz selbstverständlich inklusive einer Null-Prozent-Finanzierung an. Mit einer solchen Finanzierung kann jeder jederzeit alles kaufen, wonach ihm der Sinn steht, lautet die Werbebotschaft. Doch für Verbraucher kann die scheinbare Schnäppchen-Finanzierung schnell teuer werden.  

Lockangebot und mehr Absatz für Händler: Wem nützen die null Prozent?

Warnhinweis Vorsicht Falle
Nicht in die Falle tappen: Eine Null-Prozent-Finanzierung ist kein Geschenk an den Kunden.
Für die Händler sind eigene Finanzierungsangebote, wie die Null-Prozent-Finanzierung, eine Möglichkeit, Kunden anzulocken und ihre Umsätze zu steigern. Einer Analyse des Bankenfachverbands zufolge stimmten zwei Drittel der Autohändler, ein Drittel der Elektrohändler und noch 29 Prozent der Möbelhändler der Aussage zu, dass sie ihre Umsätze durch Finanzierungen signifikant gesteigert hätten. Damit sind Händlerfinanzierungen ein beliebtes Marketinginstrument – ein Geschenk an den Kunden sind diese Angebote meist jedoch nicht.

Was viele Verbraucher nicht wissen: Wer eine Händlerfinanzierung abschließt, nimmt tatsächlich einen Kredit bei einer Bank auf, die mit dem Händler kooperiert. Auch für eine Null-Prozent-Finanzierung werden Zinsen fällig, die dann – zumindest für einen gewissen Zeitraum – vom Händler übernommen werden. Nicht selten holt der sich das Geld jedoch an anderer Stelle zurück.

Versteckte Kosten: Null Prozent ist nicht gleich null Prozent

Hinter einer Null-Prozent-Finanzierung verbirgt sich nicht immer ein zinsfreies, günstiges Darlehen. Verbraucherschützer warnen vor versteckten Kosten wie beispielsweise Gebühren für die Kontoführung des Darlehenskontos. Eine Reportage, die kürzlich im ZDF ausgestrahlt wurde, zeigt, dass Händler häufig gemeinsam mit der Null-Prozent-Finanzierung eine teure Restschuldversicherung verkaufen, ohne den Käufer ausreichend darüber aufzuklären. In einem solchen Fall zahlt der Kunde je nach Kreditsumme bis zu mehrere tausend Euro für die Zusatzversicherung. So wird aus der vermeintlichen Gratisfinanzierung ein teurer Ratenkredit.

Oft gelten Null-Prozent-Finanzierungen nur für kurze Laufzeiten zwischen sechs und zwölf Monaten. Zahlen Verbraucher die Ware in diesem Zeitraum nicht vollständig zurück, fallen für den Restbetrag zum Teil Kreditzinsen zwischen zehn und 15 Prozent an – so hohe Zinsen verlangen die Banken meist noch nicht einmal für den teuren Dispokredit. Verbraucherschützer weisen außerdem darauf hin, dass ein mit einer Null-Prozent-Finanzierung erworbenes Produkt nicht unbedingt besonders günstig sein muss. Die niedrigen Raten lenken vom tatsächlichen Kaufpreis ab – der kann sogar unter Umständen deutlich höher liegen als bei anderen Anbietern.

Mehr ist manchmal weniger: Ratenkredit vs. Händlerfinanzierung

Können Sie eine Anschaffung innerhalb weniger Monate abbezahlen, kann eine Null-Prozent-Finanzierung die günstigste Finanzierungsmöglichkeit sein – vorausgesetzt es fallen keine zusätzlichen Kosten und Gebühren an. Lassen Sie sich nicht zu einer Unterschrift drängen, sondern schauen Sie sich den Vertrag in Ruhe zuhause an und bestehen Sie darauf, dass mögliche Erweiterungen, wie eine zusätzliche Versicherung oder Kreditkarte, aus dem Vertrag gestrichen werden. Allerdings müssen Sie, um Ihren Einkauf schnell abbezahlt zu haben, unter Umständen recht hohe monatliche Summen aufbringen. Prüfen Sie vorher mithilfe einer Haushaltsrechnung, ob Sie diesen Betrag auch wirklich bezahlen können.

Wichtig: Wenn Sie die vereinbarten Raten nicht jeden Monat ohne Probleme aufbringen können, nützt Ihnen auch die Null-Prozent-Finanzierung wenig. Denn muss für die Rückzahlung der teure Dispokredit in Anspruch genommen werden, ist der Zinsvorteil der Gratisfinanzierung dahin. Verbraucher, die regelmäßig ihr Konto überziehen, laufen zudem Gefahr, die Kosten für die Rückzahlung des Dispos zu unterschätzen und in eine Schuldenspirale zu geraten.

Wie hoch die monatliche Belastung durch Raten ausfallen kann, wenn Verbraucher eine Null-Prozent-Finanzierung abschließen, zeigt unser Rechenbeispiel: Wollen Kunden beispielweise einen Fernseher oder Laptop für 2.000 Euro über zehn Monate finanzieren, fallen monatlich Kosten von 200 Euro an. Nicht jeder kann eine solche Summe jeden Monat aufbringen. Entscheiden Sie sich für eine längere Laufzeit, fallen bei einigen Händlern hohe Zinsen an. Unser Beispiel in der Tabelle zeigt die Konditionen eines großen Elektrohändlers. Eine Null-Prozent-Finanzierung erhält der Kunde hier nur, wenn er die Ware innerhalb von zehn Monaten abbezahlt. Bei längeren Laufzeiten werden fast zehn Prozent Zinsen fällig. Wählen Sie eine Monatsrate von knapp über 60 Euro werden bei einer Laufzeit der Händlerfinanzierung von drei Jahren über 300 Euro Zinsen fällig.

Finanzierungen im Vergleich

  Null-Prozent-Finanzierung Händlerfinanzierung Ratenkredit
Kaufpreis des Produktes 2.000 Euro 2.000 Euro 2.000 Euro
Laufzeit der Finanzierung 10 Monate 36 Monate 36 Monate
Monatliche Rate 200 Euro 64,04 Euro 58,12 Euro
Effektiver Jahreszins 0 % 9,90 % 2,99 %
Gesamtkosten 2.000 Euro 2.305,61 Euro 2.092,25 Euro
Zinsen und Gebühren 0 Euro 305,61 Euro 92,25 Euro
In Zeiten niedriger Kreditzinsen gibt es keinen Grund, eine solche teure Händlerfinanzierung in Anspruch zu nehmen. In der Regel erhalten Sie einen Ratenkredit bei einer Bank zu deutlich besseren Konditionen. Bei einem Effektivzins von 2,99 Prozent bezahlen Sie für denselben Darlehensbetrag in drei Jahren nur knapp über 92 Euro Zinsen – eine Ersparnis von über 200 Euro. Monatlich werden bei diesem Beispiel knapp 60 Euro für die Rückzahlung fällig.

Lieber zweimal überlegen: Vorsicht vor Spontankäufen

Lassen Sie sich von Lockangeboten wie Null-Prozent-Finanzierungen nicht zu Spontankäufen überreden. Wie unser Beispiel zeigt, kann aus der Null-Prozent-Finanzierung schnell ein teurer Kredit werden, wenn Sie beispielsweise eine längere Laufzeit für die Rückzahlung wählen. Auch zusätzliche Kosten, beispielsweise wenn zu der Finanzierung eine Restschuldversicherung abgeschlossen wird, können den Zinsvorteil zunichtemachen.
 
Null Prozent in goldener Schrift
Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Eine Null-Prozent-Finanzierung ist häufig nicht die günstigste Wahl.
Wie die Verbraucherzentralen bemängeln, werden Kunden von Verkäufern und Händlern oft nur unzureichend über die Besonderheiten und Risiken einer Kreditaufnahme aufgeklärt. Mitarbeiter von Möbel- oder Elektrohändlern sind keine Bankmitarbeiter und wissen oft nur rudimentär über die Finanzierungsangebote Bescheid. Kunden lesen sich die mehrseitigen Kreditverträge vor der Unterschrift nicht immer genau durch und tappen damit schnell in eine Kostenfalle. Nehmen Sie sich deshalb unbedingt Zeit für die Entscheidung und lassen Sie sich nicht drängen, einen solchen Vertrag direkt zu unterzeichnen.

Verbraucher sollten sich darüber im Klaren sein, dass Sie mit einer Finanzierung, egal ob über den Händler oder einen Kredit bei der Bank, immer eine finanzielle Verpflichtung eingehen. Ist die Waschmaschine oder das Auto, auf das Sie angewiesen sind, kaputt und die Ersparnisse reichen nicht aus um für Ersatz zu sorgen, kann es sinnvoll sein mithilfe einer Kreditfinanzierung den finanziellen Engpass zu überbrücken. Wird der Konsum auf Pump aber zum Regelfall, birgt das die Gefahr, sich finanziell zu übernehmen und in eine Schuldenspirale zu geraten.

Tipps: Die günstigste Finanzierung finden

Fallen Sie nicht auf die Lockangebote der Händler rein: Mit dem Kauf auf Raten wollen Mitarbeiter von Elektro- oder Möbelhäusern Ihnen keinen selbstlosen Gefallen tun, sondern ihre Absatzziele erreichen. Lassen Sie sich deshalb nicht von niedrigen Raten ablenken, sondern überlegen Sie sich immer genau, ob Sie ein Produkt wirklich sofort kaufen möchten. In der Regel ist es sinnvoll, nicht beim ersten Anbieter zuzuschlagen, sondern vor dem Kauf die Preise für Elektrogeräte oder Möbel bei verschiedenen Anbietern zu vergleichen. Fragen Sie außerdem nach Rabattmöglichkeiten – bei einigen Anschaffungen sind Rabatte durchaus üblich.

Entscheiden Sie sich für eine Finanzierung, lohnt es sich auch hier unterschiedliche Optionen durchzurechnen. Ist die Null-Prozent-Finanzierung beim Händler tatsächlich die günstigste Wahl oder fallen womöglich hohe Zusatzkosten an? Auch hier spart der Vergleich mit anderen Finanzierungsmöglichkeiten Ihnen viel Geld. Der Aufwand muss dabei noch nicht einmal hoch sein: Unverbindliche Angebote für Ratenkredite können Sie sich beispielsweise einfach und schnell im Internet über einen kostenlosen Kreditvergleich einholen. Wichtig ist, immer auf den effektiven Jahreszins zu achten, der die Gesamtkosten eines Kredites anzeigt.

So tappen Sie nicht in die Kostenfalle Null-Prozent-Finanzierung

- Lockangeboten widerstehen: Ob ein als unwiderstehlich günstig angepriesenes Angebot wirklich so günstig ist, erfahren Sie nur, wenn Sie sich Vergleichsangebote einholen. Die Händler wollen natürlich, dass Sie alles sofort kaufen – lassen Sie sich nicht zum Kauf drängen.

- Kleingedrucktes lesen und Zusatzprodukte streichen lassen: Es ist mühsam, aber wenn Sie nicht in die Kostenfalle Null-Prozent-Finanzierung tappen möchten, kommen Sie kaum darum herum, das Kleingedruckte im Kreditvertrag aufmerksam zu lesen. Hier verstecken sich oft Zusatzkosten, beispielsweise durch zusätzliche Versicherungen oder Kreditkarten, die gemeinsam mit der Null-Prozent-Finanzierung verkauft werden. Lassen Sie unerwünschte Zusatzprodukte aus dem Vertrag streichen.

- Vertrag hinterfragen: Fragen Sie nach, wenn Sie Passagen im Kreditvertrag nicht verstehen und lassen Sie sich nicht mit einsilbigen Antworten abspeisen. Bleiben Sie hartnäckig, wenn Sie das Gefühl haben, Sie erhalten keine ausreichende Antwort.

- Raten nachrechnen: In den Medien kursieren einige Fälle von Verbrauchern, die eine vermeintliche Null-Prozent-Finanzierung bei Elektrohändlern abgeschlossen haben. Nach den zinsfreien zehn Monaten war jedoch nur ein kleiner Teil der Summe abbezahlt, für den restlichen Kreditbetrag fielen dann hohe Zinsen von bis zu 15 Prozent an. Deshalb: Lesen Sie im Vertrag genau nach, wie lange keine Zinsen anfallen und rechnen Sie nach, ob der Kaufpreis nach den vereinbarten zinsfreien Monaten wirklich abbezahlt ist.

- Alternative Finanzierungsmöglichkeiten prüfen: Wie der Vergleich gezeigt hat, ist eine Null-Prozent-Finanzierung nicht automatisch die beste und günstigste Wahl. Das gilt schon gar nicht für eine gewöhnliche Händlerfinanzierung, die viel teurer sein kann als ein Ratenkredit bei einer Bank. Im Zweifel lohnt es sich, verschiedene Angebote einzuholen, um nicht unnötig Kreditzinsen auf Disponiveau zu bezahlen.

- Nicht zu viel auf Pump kaufen: Vermeiden Sie, zu viel auf Pump zu kaufen. Auch kleine monatliche Raten belasten die Haushaltskasse. Wer viele Verträge abgeschlossen hat, kann leicht den Überblick über seine Finanzen verlieren. Mehrere Raten für unterschiedliche Finanzierungen können sich zu einem größeren Betrag summieren, den Sie irgendwann nicht mehr aufbringen können.

(hd)

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