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Restschuldversicherung - sinnvoll oder überflüssig?

22.07.2013 - 18:00

Es klingt im Prinzip nach einer guten Sache - sollte der Kreditnehmer unverschuldet nicht mehr in der Lage sein, ein Darlehen selbst zu tilgen, springt eine Versicherung ein und übernimmt die Restschuld für den Verbraucher. Damit soll vor allem verhindert werden, dass Familie und Angehörige für die Schulden einspringen müssen. Soweit - so gut. Oder?

Eine Restschuldversicherung (RSV) ist eine Medaille mit zwei Seiten: Einerseits kann sie dem Schuldner in einer problematischen Situation helfen, seine Verbindlichkeiten übernehmen und so die Angehörigen entlasten. Oftmals ist der Abschluss einer RSV jedoch gar nicht notwendig und erhöht lediglich die monatliche Belastung des Kreditnehmers.

Der Abschluss der RSV erhöht die Kreditkosten enorm

Die Kosten für die RSV bemessen sich zum einen nach dem Umfang der Versicherung, zum anderen aber auch an der Höhe und Restlaufzeit des Darlehens. Beim Abschluss der Versicherung  kann der Verbraucher zwischen drei verschiedenen Optionen wählen: Bei einer Komplettversicherung  greift die RSV sowohl bei Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit und beim Tod des Kreditnehmers. Für den Verbraucher besteht jedoch zudem die Möglichkeit, sich nur gegen Arbeitsunfähigkeit und Tod zu versichern. Des Weiteren kann der Schuldner eine RSV abschließen, die nur im Todesfall greift.

Bei den verschiedenen Versicherungsumfängen sollten Schuldner bedenken, dass die Versicherung die Tilgung der Darlehensraten bei Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit nur für einen bestimmten Zeitraum übernimmt – dann muss der Schuldner die Raten wieder selbst übernehmen. Zudem greifen die meisten Versicherungen beispielsweise nicht, wenn die Arbeitslosigkeit durch eine Kündigung selbstverschuldet ist. Bei Arbeitsunfähigkeit und Tod zahlen viele Versicherungen die fälligen Raten nur, wenn der Versicherungsfall mindestens zwei Jahre nach Abschluss der Versicherung eintritt.

Vor dem Abschluss einer RSV sollten Verbraucher zudem bedenken, dass die Kosten für die Versicherung auf den Kreditbetrag aufgeschlagen werden – somit steigt in die Summe, die sich der Kunde von der Bank leiht. Im Schnitt verlangen die Banken pro 100 Euro Kredit, fünf Euro Versicherungsbeitrag. Durch die höhere Kreditsumme werden bei der Bank natürlich auch höhere Darlehenszinsen fällig. Diesen Zinsanstieg muss die Bank jedoch nicht veröffentlichen.

Eine Studie des Verbrauchermagazins „Ökotest“ vom Januar dieses Jahres ergab: Für einen Autokredit über 17.500 Euro ohne RSV wird aktuell bei der Bank für einen effektiven Zinssatz von 3,14 Prozent angeboten – schließt der Kunde zusätzlich eine RSV ab, steigt der Zins auf 7,04 Prozent. Ein derartiger Anstieg der Kreditzinsen erhöht die gesamte Kreditsumme bei einer Laufzeit von sechs Jahren um 2.300 Euro!

Bei Baufinanzierungen ist die RSV meist sinnvoll

In einigen Fällen ergibt der Abschluss einer RSV jedoch durchaus Sinn – bei einer Baufinanzierung beispielsweise nimmt der Kreditnehmer eine sehr hohe Summe Geld bei der Bank auf. Dadurch wird die Tilgungsphase für dieses Darlehen entsprechend lang. Sollte der Kreditnehmer nicht mehr in der Lage sein, den Immobilienkredit selbst zu tilgen, würde die verbleibende Restschuld auf dessen Familie und Angehörige übergehen – eine Verbindlichkeit die viele Bürger nicht einfach so tragen können. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der abgesicherten Fälle während einer Tilgungsphase von 40 Jahren eintritt, ist um einiges höher als bei einem normalen Ratenkredit mit einer kurzen Laufzeit wie im obigen Beispiel.

Laut einer Erklärung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sollte die Bank dem Verbraucher beim Abschluss einer Restschuldversicherung freie Wahl lassen. Grundlegend verlangen seriöse Banken nicht mal bei einer Baufinanzierung, dass der Schuldner sich gegen Zahlungsausfälle wie Tod, Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit absichert. Verbraucher sollten das Kleingedruckte im Kreditvertrag vor der Unterschrift immer ganz genau durchlesen, denn einige Kreditvermittler versuchen, ihren Kunden die RSV obligatorisch zusammen mit dem Kreditvertrag unterschreiben – vor diesen Angeboten sollte dringend Abstand genommen werden.

Unser Tipp: Verfügen Sie bereits über eine Unfall-, Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherung? Dann ist der Abschluss einer RSV in den meisten Fällen überflüssig. Zudem sind diese Versicherungen in der Regel deutlich günstiger als RSV.

(as)

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