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Privatkredit: Der Peer-to-Peer-Kredit als Alternative zum klassischen Ratenkredit?

28.05.2015 - 10:00

Eine notwendige Anschaffung steht ins Haus, doch die eigenen Ersparnisse genügen nicht, um die Kosten zu decken und die Bank bewilligt keinen Kredit – was tun? Viele Verbraucher entscheiden sich in einer solchen Situation für einen „Kredit von Privat“. Doch lohnt sich diese Alternative wirklich und wie empfehlenswert ist es für private Investoren, sich finanziell an derlei Kreditvorhaben zu beteiligen? Wir haben dem sogenannten Peer-to-Peer-Kredit – dem Kredit von Privatpersonen für Privatpersonen – einmal auf den Zahn gefühlt und für Sie die wichtigsten Informationen zusammengetragen.

Vorab: Unter einem Privatkredit können im Grunde zweierlei Darlehen verstanden werden. Zum einen kann es sich hierbei um einen klassischen Ratenkredit einer Bank handeln, der aufgrund der Zielgruppe als Privatkredit bezeichnet wird. Gleichwohl kann mit diesem Begriff aber auch ein Darlehen gemeint sein, das von einer oder mehreren Privatpersonen vergeben wird. Handelt es sich in diesem Falle auch beim Kreditnehmer um eine Privatperson, findet die Darlehensvergabe zwischen Kollegen (engl. peer) statt und man spricht daher von einem sogenannten Peer-to-Peer-Kredit, kurz auch P2P-Kredit genannt.

Aufgrund des Namens kann bei dieser Art der Finanzierung der Eindruck entstehen, dass die Kreditvergabe vollkommen ohne Bank erfolgt und daher insbesondere für Verbraucher mit schlechtem SCHUFA-Score oder einem Negativeintrag interessant ist. Dieser Eindruck trügt allerdings, wie unsere Recherche ergeben hat, denn: Die führenden deutschen Vermittlungsportale setzen für die Abwicklung der Darlehen nach wie vor auf ein Kreditinstitut, welches für einen ordnungsgemäßen rechtlichen Ablauf sorgen soll. Das hat unter anderem den Hintergrund, dass es für die gewerbliche Kreditvergabe in Deutschland gemäß §32 KWG einer Erlaubnis durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, bedarf.

Peer-to-Peer-Kredite auf dem Vormarsch

Privatkredit: Eine Privatperson leiht einer anderen Geld.
Peer-to-Peer-Kredite werden immer bekannter. Sowohl für Kreditnehmer als auch Kreditgeber lauern hier jedoch einige Gefahren.
Die Finanzierung eines privaten Vorhabens durch private Geldgeber ist in einigen Ländern inzwischen weit verbreitet. Wie eine von der Onlineausgabe des Handelsblatts zitierte Untersuchung der US-Investmentbank Morgan Stanley ergab, hat in den USA knapp jeder Dritte im Alter von 18 bis 34 Jahren in der Vergangenheit bereits einen solchen Privatkredit in Anspruch genommen. Gut der Hälfte der Befragten dieser Altersgruppe war der Peer-to-Peer-Kredit zumindest ein Begriff. Neben den Vereinigten Staaten ist die Kreditvergabe von privat vor allem in China sowie in Großbritannien sehr beliebt, wie die Untersuchung gezeigt hat. Entsprechend viele Internetplattformen, die Kreditnehmer und Kreditgeber zusammenbringen sollen, sprießen dort inzwischen aus dem Boden.

Auch in Deutschland sind P2P-Kredite und entsprechende Plattformen im Internet auf dem Vormarsch, wie die TV-Werbung zeigt. Dort werden derlei Privatkredite als lohnenswerte Alternative zum klassischen Ratenkredit beworben, ganz gleich, welches Vorhaben mit dem Kredit finanziert werden soll. Noch aber stehen die meisten Verbraucher der privaten Finanzierung äußerst skeptisch gegenüber. So hat eine repräsentative Umfrage der CreditPlus Bank kürzlich ergeben, dass 88 Prozent aller Bundesbürger es ablehnen, über ein entsprechendes Onlineportal einen Kredit von Privatpersonen zu nutzen oder in ein Kreditvorhaben eines anderen zu investieren. Lediglich zwei Prozent aller Umfrageteilnehmer gaben an, bereits eine solche Plattform aktiv genutzt zu haben. Ein Grund für die Unbeliebtheit dieser Portale: das mangelnde Vertrauen auf Seiten der Verbraucher.

Eine Alternative zum klassischen Ratenkredit?

Attraktiv erscheint der Privatkredit vor allem für all jene, deren Kreditwunsch nicht von einer Bank bewilligt wird. Vor allem Selbstständige und Freiberufler, deren oftmals schwankende Einnahmen aus Sicht der Banken als zu unsicher eingestuft werden, haben es meist schwerer, ein Darlehen für ihre privaten Vorhaben zu erhalten. Auch Berufseinsteiger werden von den Banken häufig als Kreditnehmer abgelehnt.

Oft werden Peer-to-Peer-Kredite zudem von Personen in Anspruch genommen, deren Bonität für eine Kreditaufnahme bei einem Kreditinstitut nicht genügt. Zwar wird auch bei den Vermittlungsportalen für Privatkredite eine Bonitätsprüfung durchgeführt, für welche unter anderem Informationen von den verschiedenen Auskunfteien eingeholt werden und anhand derer oftmals bereits eine Vorauswahl der potentiellen Kreditnehmer erfolgt, jedoch sind hier die Annahmerichtlinien in der Regel weitaus weniger streng als bei einer Bank. Die Entscheidung, ob ein Kreditnehmer mit schlechterer Bonität letztlich das gewünschte Darlehen erhält oder nicht, liegt am Ende oft bei den Investoren selbst.

Kreditnehmer, deren Kreditantrag womöglich bereits von der Bank abgelehnt wurde, sollten sich jedoch stets die Frage stellen, warum das Finanzinstitut diese Entscheidung getroffen hat. Geht die Bank etwa aufgrund eines schlechten SCHUFA-Scores davon aus, dass der Darlehensnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen künftig nicht vereinbarungsgemäß nachkommen kann, so hat sie in der Regel berechtigte Gründe für ihre Zweifel. Hier gilt es zu bedenken, dass Privatkredite über die Onlinevermittler für gewöhnlich zu bonitätsunabhängigen Zinsen vergeben werden, die je nach Einstufung entsprechend höher ausfallen. Durch diese höheren Zinsen sowie durch die Vermittlungsprovisionen von in der Regel zwei bis drei Prozent des Kreditbetrages kommen auf den Darlehensnehmer zusätzliche Kosten zu, welche die Tilgung der Finanzierung nochmals erschweren.

Dem Kreditnehmer sollte die Entscheidung der Bank daher in jedem Falle zu denken geben, denn: Eine Bonitätsprüfung dient nicht nur zum Schutze des jeweiligen Kreditinstitutes, sondern auch dazu, den Verbraucher vor einer Überschuldung zu bewahren.

Ein weiterer Nachteil des Peer-to-Peer-Kredites gegenüber dem klassischen Ratenkredit bei der Bank besteht in der geringeren Flexibilität. So können Kreditnehmer bei der Aufnahme eines Privatkredites die gewünschte Laufzeit meist nicht so frei wählen, wie bei einem Darlehen von der Bank. Auch die Möglichkeit kostenloser Sondertilgungen wird nicht von jedem Vermittlungsportal angeboten, sodass auf den Schuldner hier weitere Kosten in Form einer Vorfälligkeitsentschädigung zukommen, wenn er seinen Kredit später schneller zurückzahlen möchte.

Eine lohnenswerte Investitionschance?

Hinter einem Peer-to-Peer-Kredit stehen meist ein oder mehrere private Darlehensgeber, die sich nach Angaben der Vermittlungsportale oft hohe Renditen sichern können. Gerade im Vergleich zum Sparbuch oder zum Tagesgeldkonto erscheint eine solche Investition angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase in der Eurozone durchaus attraktiv. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, denn je höher die Rendite, desto höher ist auch das Risiko, das der Geldgeber eingeht.
Eine der wichtigsten Fragen bei einem solchen Privatkredit ist somit die nach den Sicherheiten, die dem Kreditgeber geboten werden. Hierunter zählt einerseits die Bonitätsprüfung, die durch die Vermittlungsportale und die Partnerbanken durchgeführt wird. Zu diesem Zweck wird neben Einkommensnachweisen auch eine SCHUFA-Auskunft der potentiellen Kreditnehmer eingefordert, anhand derer in manchen Fällen bereits eine Vorauswahl der Kunden erfolgt.

Nichtsdestotrotz sind die Annahmerichtlinien hier in der Regel weitaus lockerer als bei der Bank. Aus diesem Grunde finden sich auf den Vermittlungswebsites auch zahlreiche Kreditnehmer, die aufgrund ihrer schlechteren Bonität keinen Kredit von einer Bank bewilligt bekommen haben oder würden und aus gleichem Grund bei den Onlineportalen zumeist sehr hohe Zinsen zahlen müssen. Investoren sollten sich in diesen Fällen stets die Frage stellen, ob sie bereit sind, womöglich sogar ein Risiko einzugehen, das eine Bank nicht eingehen würde – auch, wenn hier die höchste Rendite winken könnte.

Kommt es auf Seiten des Kreditnehmers zu einem Zahlungsausfall, so ist der Anleger oftmals nicht ausreichend geschützt. Zwar wird ihm in der Regel eine bestmögliche Diversifikation empfohlen – das heißt, dass er sein Geld auf möglichst viele Kreditprojekte möglichst unterschiedlicher Risikoklassen verteilen sollte, um das Verlustrisiko zu mindern –, jedoch bleibt stets ein Restrisiko.

Fazit: Auch, wenn Online-Vermittlungsportale für Peer-to-Peer-Kredite auf den ersten Blick eine lohnenswerte Alternative zum klassischen Ratenkredit und eine attraktive Investmentgelegenheit zu sein scheinen, sind sie doch mit einigen Nachteilen verbunden. Für Kreditnehmer mit einer schlechteren Bonität bedeutet ein solches privates Darlehen in der Regel weitaus höhere Zinsen und damit ein größeres Risiko, sich zu überschulden. Auf der Anlegerseite stellen vor allem die mangelnden Sicherheiten ein großes Problem dar. Sowohl die Kreditaufnahme als auch der Geldverleih über eine Peer-to-Peer-Kreditplattform sollten daher stets wohl überlegt sein.
 
(fh)

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