0800 - 24 24 123 Hilfe und Kontakt
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Falsche Facebook-Freunde = kein Kredit?

24.02.2014 - 10:00

Überlegen Sie künftig ganz genau, welches Foto Sie auf Facebook posten oder welche Freundschaftsanfrage Sie annehmen - ob und zu welchen Konditionen Sie einen Kredit von der Bank gewährt bekommen, könnte entscheidend davon abhängen. Klingt absurd, oder? Nicht für amerikanische Verbraucher, denn in den USA wird die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern seit längerem anhand der Aktivität auf sozialen Netzwerken oder der Anzahl der virtuellen Freunde ermittelt. Getreu dem Sprichwort „Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist“, beeinflussen Twitter- oder Facebook-Posts und Kontakte in Business-Netzwerken wie xing und linkedin die Bonitätsbewertung eines Verbrauchers.

Verschiedene amerikanische Kreditgeber argumentieren diese Art der Bonitätsbewertung damit, dass sich nur durch die Berücksichtigung der sozialen Aktivitäten ein komplettes Bild des potentiellen Kreditnehmers zeichnen lässt. Verschiedene Verbraucherschützer hingegen befürchten, dass viele Verbraucher durch diese Methode der Bonitätsbewertung gar keinen oder nur einen sehr teuren Kredit erhalten werden. Denn, seien wir mal ehrlich: Würden Sie jeden Ihrer Facebook- oder Xing-Kontakte als Nachweis für Ihre eigene Zuverlässigkeit zu einem Bankgespräch mitnehmen?

Bonitätsbewertung über soziale Netzwerke in Deutschland unwahrscheinlich

In den USA können die falschen Online- Freunde eine Kreditvergabe verhindern.
Ein Verbraucher, der sich beispielsweise viele Rechtschreibfehler in seinen Statusmeldungen erlaubt oder Freunde hat, die ständig knapp bei Kasse sind, wird es bei dieser Art der Bonitätsbewertung schwer haben, einen günstigen Ratenkredit gewährt zu bekommen. Was bisher nur über dem „großen Teich“ gang und gäbe war, wird seit zwei Jahren auch von einem Unternehmen in Deutschland praktiziert. Ein Hamburger Start-up übernimmt die amerikanische Methode der Bonitätsbewertung – bisher jedoch nur bei der Kreditvergabe an Verbraucher aus Osteuropa, Russland und Südamerika.

Ein Unternehmen, an dem bei der Kreditvergabe in Deutschland kein Weg vorbei führt, hat vor zwei Jahren ebenfalls mit dem Gedanken gespielt, Informationen aus sozialen Netzwerken in die Bonitätsbewertung deutscher Verbraucher einfließen zu lassen – die Schufa. Die Wirtschaftsauskunftei, die nach eigenen Angaben bei der Bonitätsbewertung für Banken einen Marktanteil von 90 Prozent hat, hatte zunächst lediglich angekündigt, in Zusammenarbeit mit dem Hasso-Plattner-Institut prüfen zu wollen, inwiefern Daten aus sozialen Netzwerken für die Bonitätsbewertung von Verbrauchern verwendet werden könnten.

Die alleinige Ankündigung dieses Planes rief jedoch bei Datenschützern und Politikern in Deutschland heftige Kritik hervor. Obwohl Schufa-Vorstandsmitglied Peter Villa gegenüber einer großen Wochenzeitung betonte, dass Freunde und Status keine Auskunft über die Bonität eines Verbrauchers geben würden, wurde die geplante Datensammlung im Netz zeitnah abgesagt.

Juristen bezweifeln Rechtmäßigkeit der Bewertungsmethode

Rein rechtlich wäre die Schufa mit der Sammlung der Daten in sozialen Netzwerken prinzipiell auf der sicheren Seite, betont IT-Fachanwalt Thomas Stadler: Die Nutzung öffentlich zugänglicher Daten kann laut Bundesdatenschutzgesetz (§28b, 29 BDSG) durchaus gesammelt und für die Bewertung der Bonität eines Verbrauchers verwendet werden. Daher können Informationen von Banken, Mobilfunkanbietern, Schuldnerverzeichnissen aber beispielsweise auch Daten zu der Freundesliste oder Postings in sozialen Netzwerken in das Scoring einbezogen werden.

Einen entscheidenden Haken gibt es jedoch,  bei der Bonitätsbewertung anhand von Informationen aus sozialen Netzwerken: Um diese Daten in die Bewertung der Kreditwürdigkeit einfließen zu lassen, müsste die Auskunftei die Echtheit und Glaubwürdigkeit dieser Informationen beweisen können. Aus diesem Grund geht Manfred Ilgenfritz, vom Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA),  davon aus, dass eine Bonitätsbewertung anhand von Informationen aus sozialen Netzwerken in Deutschland künftig aus rechtlicher Sicht äußerst unwahrscheinlich ist. Auskunfteien ist es seiner Meinung nach nicht möglich, die Herkunft und Inhalte dieser Informationen in dem Maße zu sichern, dass die für die Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers hinzugezogen werden können.

Unabhängig davon, ob Ihre Kreditwürdigkeit künftig auch anhand von Informationen aus sozialen Netzwerken ermittelt wird – eine gewisse Vorsicht sollten Sie immer an den Tag legen, wenn Sie in sozialen Medien Informationen über sich selbst preisgeben.

(as)

Weitere Artikel: