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Missverständnis 3D, Teil 2 - alte Erkenntnisse in neuem Gewand

08.03.2013 - 16:28

Alles beginnt mit Avatar. Das mit viel Bombast inszenierte 3D-Spektakel von James Cameron machte die dritte Dimension schlagartig zum wichtigsten Thema der Technikwelt. Gut drei Jahre nach dem Kinostart herrscht jedoch Katerstimmung: 3D hat die (zu) hohen Erwartungen bisher nicht erfüllen können. PricewaterhouseCoopers (PwC) veröffentlicht nun eine Untersuchung über den Status quo des 3D-Trends, die schonungslos aufdeckt, was viele schon längst wussten.

Die Entwicklung im 3D-Bereich stagniert, PwC nennt es in der Studie „Waiting for the next wave“. Wartet die 3D-Sparte tatsächlich darauf, dass irgendetwas passiert? Oder provokativ ausgedrückt: dass ein Wunder geschieht? Dabei sind die Probleme, die künftige Entwicklungen ausbremsen, doch längst bekannt.

Die Kinowelt ist eine Scheibe

Avatar hat gezeigt, wie 3D im Kino funktionieren kann. Und dennoch sank der Umsatz mit dreidimensionalen Kinofilmen in den USA zwischen 2010 und 2011 um satte 18 Prozent. Wahrscheinlich sind es die Trittbrettfahrer, die mit ihrer vordergründigen Effekthascherei keinen Cineasten mehr hinter dem Ofen hervorholen konnten. Die hochwertigen Kinogeschichten in 3D lassen sich derzeit an einer Hand abzählen. Darin sieht PwC den Hauptgrund für das abnehmende Interesse an 3D – und trifft den Nagel auf den Kopf.

Unbeeindruckt vom weiterhin knappen 3D-Material zeigen sich die Verkaufszahlen für aktuelle 3D-Fernseher. Laut PwC sind knapp 20 Prozent der verkauften Neugeräte in Westeuropa 3D-fähig. Die dritte Dimension hat sich damit so schnell auf dem Unterhaltungselektronik-Markt etabliert wie kaum ein anderes Produkt der jüngeren Vergangenheit. Glückwunsch – doch die wirklich entscheidenden Probleme löst das nicht. PwC zählt in ganz Europa mickrige vier Fernsehsender, die in 3D ausstrahlen. Auch in den USA, selbsternanntes Epizentrum der Technikwelt, sind es gerade einmal sechs Kanäle.

Silberstreifen am Horizont oder Fata Morgana?

Doch die Studie weckt Hoffnung, dass andere Gerätesparten den Trend abfedern und die nächste Welle einleiten könnten. Spielekonsolen, Smartphones und Kameras mit 3D-Technik sollen den nächsten Wachstumsschub bewirken. Eine sehr optimistische Sichtweise, insbesondere im Hinblick auf die bisherigen „Erfolge“: Die wenigen Smartphones mit 3D-Display sind allesamt wieder von der Bildfläche verschwunden, während Nintendo mit seinem 3DS nur durch massive Preissenkungen eine Bruchlandung verhindern konnte.

Und im Foto-Sektor? Viele hochwertige Kompaktkameras bieten zwar eine Spezialfunktion, um 3D-Bilder aufzunehmen. Dass aber gerade dieses – wenn auch nette – Gimmick als Heilsbringer für die gesamte 3D-Welt herhalten soll, ist schwer nachvollziehbar. Zusätzlich würde der 3D-Markt massiv von großen Bildschirmen profitieren, die ohne Brille auskommen, heißt es in der Pressemitteilung von PwC. Das würde er definitiv – wenn es denn eine Technologie gäbe, mit der 3D ohne Brille im Wohnzimmer mit Kinoqualität realisierbar wäre. Die kennt momentan jedoch niemand.

Letztlich führt die Studie trotz aller neuen Zahlen und Ansätze zum selben Schluss wie bisher: Es muss mehr 3D-Material her, damit sich die Investition ins räumliche Heimkino lohnt. Es fehlt schlicht an Quantität und Qualität des Angebots – und täglich grüßt das Murmeltier...

(tki)

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