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Die Megapixel-Affäre - wenn das Smartphone nicht mehr Smartphone sein darf

05.08.2013 - 16:00

Quad-Core-Prozessor, Full-HD-Bildschirm, Edel-Gehäuse: Wer heute ein aktuelles High-End-Smartphone kauft, muss sich eigentlich nur noch anhand von persönlichen Marken-Präferenzen entscheiden. Die Spitzenmodelle der bekannten Hersteller von Samsung bis HTC ähneln sich immer mehr - bis auf das Design sind die Unterschiede meist ziemlich marginal. Viele der „Innovationen“, mit denen die Platzhirsche der Branche ihre Flaggschiffe bewerben, gehen mit viel Wohlwollen als nette Spielereien durch, sind aber eigentlich recht überflüssig.

Was also tun, wenn die Alleinstellungsmerkmale Schritt für Schritt in der Versenkung verschwinden? Nokia hat die Lösung – oder glaubt es zumindest. Die Antwort ist hier ausnahmsweise nicht 42, sondern 41: So viele Megapixel bringen die Finnen nämlich in der Kamera des kommenden Nokia 1020 unter, das im September dieses Jahres zum Preis von stattlichen 700 Euro am deutschen Markt aufschlagen soll.

Pixel bis zum Abwinken – Nokia und die Millionen

Ein Rückblick: Schon im vergangenen Jahr hatten die Entwickler von Nokia die ebenso richtungsweisende wie seltsame Idee, ein Smartphone nur über die herausragenden Qualitäten der integrierten Kamera zu vermarkten. Das Ergebnis war das Nokia 808 Pureview – das erste Smartphone mit einer 41-Megapixel-Kamera. Millionen Pixel gegen millionenschwere Schulden, könnte man meinen. Denn zum Veröffentlichungszeitpunkt des Pureview 808 lag Nokia rund eine Milliarde Euro in den roten Zahlen.

Letztlich blieb das Kamera-Monster der Finnen jedoch nichts weiter als ein Kuriosum. Das lag zum einen am seltsam „verbeulten“ Gehäuse des Pureview 808: Die Kamera-Technik machte das Smartphone nicht nur ziemlich unhandlich und klobig, sondern auch aus optischen Gesichtspunkten wenig attraktiv. Nokia hatte sich den Fiat Multipla unter den Smartphones herangezogen – funktionsseitig interessant, schön jedoch eher nicht.

Hinzu kam das altbackene Betriebssystem Symbian, das Nokia zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon zu Grabe getragen hatte. Damit lief das Nokia Pureview 808 mehr schlecht als recht und erwies sich in den Tests als ziemlich träge. Kein Wunder, dass niemand ein Gerät haben wollte, das weder Fisch noch Fleisch, weder Kamera noch Smartphone war.

Alte Idee, neue Umsetzung – schmale Kacheln

Anlauf missglückt – weg damit, her mit neuen Ideen. So könnte die logische Schlussfolgerung aus dem Pureview-Desaster lauten, doch Nokia sieht das anders. Mit dem Lumia 1020 startet der einstige Marktführer einen weiteren Versuch, den 41-Megapixel-Irrsinn am Markt zu etablieren. Doch diesmal soll das Smartphone abseits der Kamera ein überzeugendes Gesamtpaket liefern – inklusive LTE-Unterstützung, Dual-Core-Prozessor und Windows Phone 8. Auch die kleidsame Beule ist verschwunden, das Gehäuse des Lumia 1020 zeigt sich angenehm schlank.

Doch die eigentliche Frage bleibt: Wer braucht eine Auflösung von 41 Megapixeln in einem Telefon? Aus gutem Grund fotografieren andere aktuelle Smartphones nur mit einer Auflösung bis zu 13 Megapixeln. Denn eigentlich sind die 41 Megapixel kaum mehr als Augenwischerei: Für den Upload ins Netz und viele andere Dienste sind die Fotos deutlich überdimensioniert, weshalb auch das Lumia 1020 zu jedem Foto eine zusätzliche Version mit lediglich fünf Megapixeln aufnimmt.

Ist diese Funktion bereits das Eingeständnis, dass die 41 Megapixel lediglich als Marketing-Kennzahl dienen? Natürlich dürfte es Einsatzbereiche geben, in denen solche Werte von Nutzen sein können – viele werden es aber wohl nicht sein. Und schon hat sich Nokia wieder in eine Nische manövriert, zumal die Konkurrenz weiterhin mehr Leistung für weniger Geld bietet. So dürfte das Nokia Lumia 1020 einen schweren Stand haben – als Smartphone, das nicht mehr Smartphone sein darf.

(tki)

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