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Pixel-Smartphones & Co. - Google präsentiert neue Hardware

06.10.2016 - 12:11

Mit neuen Geräten positioniert sich der Internetkonzern vor allem im vernetzten Zuhause. Google-Smartphones hören auf einen neuen Namen und konkurrieren nicht nur technisch mit Apple-Produkten. Welche weiteren Neuigkeiten Google am Dienstag in San Francisco enthüllte, verraten wir Ihnen in unserer Event-Zusammenfassung.
 

Goodbye Nexus, hello Pixel: Googles neues Smartphone-Duo

Seit 2010 bekamen von Google in Auftrag gegebene Smartphones den Namen Nexus verpasst. Von verschiedenen Produzenten gefertigt, zeichneten sich Nexus-Geräte durch starke Hardware und ein von Herstellern unberührtes Betriebssystem („Vanilla Android“) aus. Ohne Anpassungen der Nutzeroberfläche, wurden Nexus-Smartphones und -Tablets bevorzugt über einen längeren Zeitraum mit der jeweils neuesten Android-Version versorgt.
Google Pixel Smartphones
Googles Pixel-Smartphones erscheinen in schlichtem Design. (Bild: Google)


Die neuen Google-Smartphones hören auf den Namen Pixel und Pixel XL. Der Unterschied zwischen den beiden Geräten liegt lediglich in der Bildschirmgröße und -auflösung sowie in der Akkukapazität. Beim Pixel ist das AMOLED-Display 5 Zoll groß und löst in Full-HD auf, das des Pixel XL misst 5,5 Zoll und löst in Quad-HD auf. Die Akkus haben eine Kapazität von 2.770 beziehungsweise 3.450 Milliamperestunden. Alle anderen Werte teilen sich die Smartphones. Beide Geräte sind aus Aluminium und Gorilla Glass 4 gefertigt, wobei das Glas auch gut ein Drittel der Rückseite einnimmt.

Die Hauptkamera löst mit 12 Megapixeln auf, die Größe eines Bildpunktes beträgt dabei 1,55 Mikrometer. Zum Vergleich: Die Pixelgröße der hochgelobten Kamera des Samsung Galaxy S7 beträgt 1,12 Mikrometer. So rühmt sich Google mit dem Höchstwert von 89 Punkten für eine Smartphone-Kamera im renommierten Foto-Benchmark-Test DxOMark das iPhone 7 erreicht drei Zähler weniger. Unabhängige Tests werden zeigen, wie sehenswert die Kameraaufnahmen der Pixel-Phones tatsächlich ausfallen.

Angetrieben werden beide Smartphones von einem neuen Quadcore-Prozessor von Qualcomm, dem Snapdragon 821, unterstützt von vier Gigabyte Arbeitsspeicher. Über eine USB-C-Schnittstelle ist schnelles Aufladen möglich. Auf der Rückseite ist ein gestenfähiger Fingerabdrucksensor verbaut. Als Betriebssystem kommt die neueste Android-Version 7.1 Nougat zum Einsatz, samt dem neuen, mit künstlicher Intelligenz arbeitenden Google Assistant. Weitere Infos zur Software lesen Sie in unserem Bericht zur Entwicklerkonferenz Google I/O.
 

Mehr Einfluss, höhere Preise

Mit den neuen Bezeichnungen Pixel und Pixel XL ändert Google auch die strategische Ausrichtung seiner Smartphones. Erstmals ist die Marke des Auftragsfertigers nicht auf dem Gehäuse aufgedruckt – mehrere Quellen sprechen aber von HTC. Google soll dieses Mal stärkeren Einfluss auf die Konstruktion gehabt haben als noch bei den Nexus-Geräten. Zudem sind die Pixel-Smartphones bei Netzbetreibern mit Vertrag erhältlich und werden stärker beworben als die bisherigen Google-Geräte, die trotz Spitzentechnik, Top-Testergebnissen und treuer Fan-Basis, ihr Dasein als Nischenprodukte fristeten.

Endgültig vorbei sind die Zeiten, in denen Google-Smartphones als Preis-Leistungs-Schlager bekannt waren. Das 5-Zoll-Pixel kostet in der 32-GB-Variante 760 Euro und in der 128-GB-Ausführung 870 Euro, das größere Pixel XL kostet 900 beziehungsweise 1010 Euro – das sind Preise auf iPhone-Niveau. In den Farben Silber und Anthrazit sind die neuen Smartphones ab sofort vorbestellbar und sollen noch im Oktober versandt werden.

 
Google Chromecast Ultra
Der Chromecast Ultra streamt 4K-Inhalte. (Bild: Google)

Streaming-Stick für 4K-Inhalte: Chromecast Ultra

Teurer wird auch das Streaming-Gerät Chromecast. Sind die aktuellen Modelle zu Preisen von rund 35 Euro noch echte Mitnahmeartikel, kostet der neue Chromecast Ultra schon 80 Euro. Dafür kann die neue Version etwas mehr. Neben Performance-Verbesserungen hat Google dem runden HDMI-Abspielgerät 4K-Auflösung und High-Dynamic-Range-Darstellung verpasst. Streaming ist über WLAN und nun zusätzlich per Ethernet-Kabel möglich. Ab November soll Chromecast Ultra in Deutschland zu kaufen sein.
 


Sanfter, virtueller Tagtraum: Daydream View

Google Daydream View
Googles weich staffierte VR-Brille Daydream View. (Bild: Google)
In Sachen Virtual Reality (VR) unternimmt Google einen weiteren Schritt. Unter der Bezeichnung Daydream definiert der Internetkonzern Standards für Display-Auflösungen und benötigte Sensoren. Als neue Referenz für VR-Headsets soll die Daydream View herhalten. Die VR-Brille ist quasi eine Weiterentwicklung des Google Cardboards aus Pappe und ähnelt der Gear VR von Samsung. Neu bei der Daydream View ist die dazugehörige Fernbedienung, die eine Steuerung per Touchpad, Tasten und Gesten – ähnlich wie bei Nintendos Wii-Remote – ermöglicht.

Google legt bei der Daydream View zudem ein Augenmerk auf die Ergonomie: So ist die Augenpartie mit weichem Stoff ausgepolstert und das Gehäuse mit Mikrofaser-Gewebe überzogen. Daydream View soll ab November für 70 Euro in Deutschland erhältlich sein.
 

Google Home: Der Sprachassistent für Zuhause

Google Home Lautsprecher
Bald erhältlich: Der Google Home Lautsprecher mit Sprachassistent. (Bild: Google)
Bereits auf der Google I/O im Mai bekam die Öffentlichkeit einen Prototyp des intelligenten Lautsprechers Google Home zu Gesicht. Der in die vasenförmige Box integrierte Google Assistant hört auf Sprachbefehle und gibt Antworten auf Kontext-Fragen. Per Stimmbefehl kann der Nutzer außerdem Musik verschiedener Streaming-Anbieter abspielen, Videos an Cast-fähige Fernseher schicken oder weitere Smarthome-Geräte für Licht und Heizung steuern.

Die wechselbare Lautsprecherabdeckung ist in sieben Farben erhältlich. Google Home kommt im November zunächst in den USA für 130 US-Dollar auf den Handel. Ein Starttermin und ein Verkaufspreis für Deutschland sind noch unbekannt. Vom Mitbewerber Amazon sind bereits die Echo-Lautsprecher mit dem Sprachassistenten Alexa erhältlich.
 

Immer besten Empfang mit Google Wi-Fi-Routern

Ebenfalls noch keinen Starttermin haben die Google Wi-Fi-Router. Hierbei handelt es sich um ein Trio aus kleinen Zylindern, die über die ganze Wohnung verteilt besten WLAN-Empfang gewährleisten sollen. In den USA kommen sie im November für 130 US-Dollar pro Stück oder im Dreierpack für 300 US-Dollar in den Handel. Der Verkauf der WLAN-Router hierzulande gilt als wahrscheinlich, da Google bereits eine deutschsprachige Produktseite aufbereitet hat.
 

Unsere Einschätzung: Mäßige Hardware, mächtige Software

Google wagt im hart umkämpften Smartphone-Markt einen Schritt in höchste Preisgefilde. Die Pixel-Smartphones sind äußerlich wie technisch jedoch kaum aufregend. Das sind die neuen iPhones zwar ebenfalls nicht, jedoch prangt auf diesen der immer noch sehr prestigeträchtige angebissene Apfel. Das Samsung Galaxy S7, an dem sich dieses Jahr alle Top-Smartphones messen müssen, kostet 220 Euro weniger. Sowohl Apple als auch Samsung haben ihre jeweiligen Spitzengeräte über Jahre etabliert und reifen lassen - Google jedoch startet mit den Pixel-Smartphones neu in dieses Segment. Käufer werden daher eher vorsichtig bis skeptisch auf die Google-Handys zugehen.

Dem Pixel und Pixel XL fehlen zudem der Schutz vor Wasser und Staub sowie ein optischer Bildstabilisator – bei 2016er-Flaggschiffen schon fast standardmäßige Eigenschaften. Wir zweifeln daher an, dass Käufer sich angesichts der Auswahl im Premium-Segment und Preis-Leistungs-Alternativen in der 400-Euro-Preisklasse für Googles neue Smartphones entscheiden. Daran wird verstärkte Werbung und Exklusivpartnerschaften mit Netzbetreibern wenig ändern können.

Virtual Reality kommt langsam aber sicher ins Rollen und Google liefert mit Daydream und YouTube-Inhalten eine niedrige Schwelle für den Einstieg in die VR-Welt. Dass definierte Standards für diesen Markt auch eine gewisse Kontrolle über ihn bedeuten, ist ein anderer Aspekt. Ebenfalls interessant ist der neue Chromecast Ultra. Ultra-HD-Fernseher finden immer weitere Verbreitung und Inhalte von Streaming-Diensten wie Netflix sind bereits in Ultra-HD-Auflösung verfügbar.

Offensichtlich ist aber auch, dass Google mit seinem Chromecast Ultra und mit Google Home seinen Konkurrenten hinterherhinkt. Sie haben bereits seit einiger Zeit Hardware mit ähnlichem Leistungsumfang auf dem Markt gebracht. Als Trumpf hält der Internet-Riese aus Mountain View jedoch den bald allgegenwärtigen Google Assistant in seinen Händen. Die künstliche Intelligenz wird mit gewaltigen Datenmengen aus allen Google-Diensten gefüttert – auf diese Ressourcen kann kein anderer Mitbewerber zurückgreifen.

(ksc)

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