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Geplante Obsoleszenz - kaputt nach Plan

10.12.2014 - 08:00

Für das Ableben eines Elektrogeräts gibt es nie einen passenden Zeitpunkt. Allerdings gibt es besonders unpassende: Wenn die Waschmaschine just ein paar Tage nach Ablauf der Garantie den Keller unter Wasser setzt oder das Notebook ebenso pünktlich über den Jordan geht, dann sind Wutausbrüche vorprogrammiert. Manch einer mag sogar ein großangelegtes Komplott wittern.

Doch sind Otto-Normalverbraucher nicht die einzigen Verschwörungstheoretiker – selbst Wissenschaftler haben mittlerweile den Verdacht, dass es bei den Gebrechen der Technik nicht immer mit rechten Dingen zugeht. Sogar einen Begriff gibt es dafür – die geplante Obsoleszenz.

Schweres Wort – einfacher Trick

Wow, was für ein Wort. Dabei bezeichnet der kryptische Begriff letztlich einen ebenso simplen wie perfiden Sachverhalt – den sogenannten geplanten Verschleiß. Abgeleitet vom lateinischen Verb obsolescere, das so viel bedeutet wie „sich abnutzen“, steht die geplante Obsoleszenz für einen nach einigen Jahren der Nutzung herbeigeführten Schaden, der bereits bei der Produktion einkalkuliert wurde.

Im Klartext unterstellt der Begriff, dass Hersteller in ihre Geräte gezielte Schwachstellen einbauen lassen, die das Produkt im Laufe der Zeit schneller alt werden lassen. Dadurch wird die Lebensdauer des Geräts bewusst reduziert, um einen früheren Neukauf anzuregen. Eine schwere Anschuldigung, die ohne entsprechende Studien nicht haltbar wäre. Doch mittlerweile gibt es tatsächlich die ersten Erkenntnisse, die einen näheren Blick wert sind.

Problemfall Waschmaschine – müdes Material, müde Ausreden

Bereits im vergangenen Jahr stellte die Bundestagsfraktion der Grünen eine Studie zum Thema vor, die einige interessante Erkenntnisse zutage förderte. Besonders hart traf es die Waschmaschinen-Hersteller: Gleich an mehreren Stellen weisen viele der großen Haushaltsgeräte heikle Schwachstellen auf, die laut der Studie eigentlich nicht sein müssten. Materialermüdung ist demnach einer der häufigsten Schäden an der Maschine: Lagerschäden etwa ließen sich durch hochwertigere Kugellager vermeiden – und die wären gar nicht mal besonders teuer. Durch die minderwertigen Teile hingegen endet die Waschmaschine im schlimmsten Fall mit einem Wasserschaden oder mit Lagerfetten in der Trommel.

Gleiches gilt für die Heizstäbe, die immer häufiger der Grund für Reparaturfälle sind. Der Studie zufolge ließe sich das Problem mit einer widerstandsfähigeren Beschichtung umgehen. Überhaupt scheinen die Hersteller vermehrt am Material zu sparen: War der Laugenbehälter der Geräte früher noch aus Edelstahl, kommt mittlerweile Kunststoff zum Einsatz. Sollte dieser irgendwann nicht mehr standhalten, wird es besonders teuer. Ärgerlich ist auch die Ersatzteil-Politik mancher Hersteller: Wem etwa der Haken an der Waschmaschinentür abbricht, der kann häufig nicht das Einzelteil für ein paar Euro nachbestellen, sondern darf gleich das ganze Bullauge austauschen – und ist dann locker das Zehnfache los.

Technik mit Tücken – Wackelkandidaten und Sperrzonen

Doch das sind längst nicht die einzigen Probleme, die das Studienteam kritisiert. So sind kritische Stellen wie die Kabeleinfassung an Steckern von Kopfhörern oft deutlich dünner verarbeitet als nötig. Das Ergebnis: Selbst bei vorsichtiger Handhabung und durchschnittlicher Nutzung kann das Kabel abbrechen und dem Kopfhörer den Todesstoß versetzen. Ein anderes Manko findet sich beim Verbrauchsmaterial von Druckern: In den Geräten haben die Hersteller einen Zähler verbaut, der nach einer bestimmten Anzahl Seiten warnt, dass Tinte oder Toner zur Neige gehen. Dumm nur, wenn diese Zähler viel zu früh greifen und eigentlich noch mindestens doppelt so viele Seiten möglich wären.

Eine weitere Unart, in die immer mehr Hersteller verfallen, ist die Unzugänglichkeit wichtiger Komponenten. Da wird das Gehäuse bei Notebooks oder Smartphones einfach verklebt, anstatt Akku und Co. auswechselbar zu machen. Auch in elektrischen Zahnbürsten ist die Batterie oft so massiv befestigt, dass ein Austausch nur unter erschwerten Umständen möglich ist. Im Zweifel werden dann Spezialschrauben oder andere Befestigungsmethoden verwendet, die sich nur mit Spezialwerkzeug lösen lassen. Dann ist auch eine Reparatur durch Fachpersonal nicht mehr gegeben – nur noch zertifizierte Partner mit den passenden Werkzeugen können dann einen Austausch vornehmen. Schön für den Hersteller, schlecht für den Nutzer.

Neue Erkenntnisse – der Trend setzt sich fort

Auch das Umweltbundesamt beschäftigt sich mittlerweile mit der geplanten Obsoleszenz: Vor zwei Wochen erschien das Zwischenergebnis einer Langzeitstudie, die genaue Auskunft über die Entwicklung mehrerer Jahre geben soll. Der Zwischenstand ist ernüchternd: Demnach ist der Anteil der großen Haushaltsgeräte, die bereits innerhalb der ersten fünf Jahre das Zeitliche segnen, seit 2012 immer stärker angestiegen.

Keine Aussage wollen die Forscher allerdings über Smartphones und Fernseher treffen. Letztere werden in der Regel nicht wegen eines Defekts ausgetauscht, sondern weil der Nutzer sich freiwillig für ein neueres Modell entscheidet. Bei den Smartphones dagegen bestimmen Trends und Vertragslaufzeiten die Nutzungsdauer des Geräts – laut einer Umfrage von Stiftung Warentest tauschen 42 Prozent der Befragten ihr Smartphone innerhalb von zwei Jahren aus. Allerdings werden wir erst 2015 wirklich mehr wissen – dann nämlich soll die Studie des Umweltbundesamts abgeschlossen sein.

(tki)

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