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Fitness-Tracker im Praxistest - Gedanken eines Skeptikers

08.01.2015 - 16:34

Kaum ein Technik-Spielzeug erhielt zu Weihnachten eine ähnliche Aufmerksamkeit wie der Fitness-Tracker. Eigentlich handelt es sich dabei um einen besseren und reichlich teuren Schrittzähler mit allerlei zusätzlichen Spielereien. Lange Zeit hat mir die erhältliche Tracker-Garde nur ein Schulterzucken entlockt – doch letztlich war die Neugier doch zu groß.

Irgendeinen Reiz müssen die Gadgets ja haben, wenn alle Welt sie zu Weihnachten verschenkt. Mein Testobjekt: das Jawbone UP24, eines der wenigen Armbänder mit modischem Design, die auch im Alltag nicht vollkommen deplatziert wirken. Das Band ist derzeit in drei Größen für 120 bis 130 Euro bei CHECK24 Elektronik & Haushalt erhältlich – ein stolzer Preis für ein Stück Gummi mit etwas Elektronik.

Tag 1: der erste Eindruck

Das Jawbone UP24 ist für ein Fitnessarmband ungewohnt schick. (Bild: Jawbone)
Da ist sie also, meine elektronische Fußfessel fürs Handgelenk. Die Verpackung wirkt auf den ersten Blick reichlich unscheinbar – und viel verbirgt sie auch nicht. Hinter dem transparenten Plastik sitzen das Band selbst, der Ladeadapter mit USB-Anschluss und eine Kurzanleitung, die ihren Namen kaum verdient. Zunächst das Band an die Steckdose gehängt: Mit einem USB-Netzteil, wie es bei den meisten aktuellen Smartphones mitgeliefert wird, ist kein PC nötig. Rund 80 Minuten braucht das Jawbone UP24 für eine vollständige Ladung, Zeit genug, um herauszufinden, was das kleine Ding eigentlich alles kann.

Bis auf eine kleine Signalleuchte hat das Band kein Display – alle Infos und Darstellungen laufen deshalb über das Smartphone. Die UP-App ist für iOS und Android erhältlich und benötigt ein Smartphone mit Bluetooth 4.0, um mit dem UP24 kommunizieren zu können. Binnen Sekunden ist der Tracker gekoppelt, und es kann losgehen. Ab sofort misst das Band jeden Schritt, den ich tagsüber tue, zeigt die zugehörigen Kalorien an, die dadurch verbrannt werden und mault mich per Vibration an, wenn ich mich längere Zeit am Stück nicht bewege. Mit einem langen Druck auf den einzigen Knopf des Armbands wechselt das Gerät in den Nachtmodus. Dann zeichnet das Jawbone UP24 den Schlaf auf, unterscheidet zwischen Wachphasen, leichtem Schlaf und Tiefschlafphasen. Das verspricht spannend zu werden.

Tag 2: Der Bewegungsschock

Ein Fitness-Armband soll motivieren – doch beim ersten Einsatz auf der Arbeit zeigt es mir zunächst gnadenlos, wie wenig man sich im Büroalltag eigentlich bewegt. Von der empfohlenen Schrittzahl bin ich kilometerweit entfernt, selbst für den durchschnittlichen Wert aller UP-Nutzer reicht es nicht. Und nein, das Band war leider nicht kaputt, die Zahlen meines Wegs zur Arbeit und zurück sogar erstaunlich akkurat. Und plötzlich schleicht sich doch der Ehrgeiz ein: Der Weg zum Mittagessen wird mal nicht per Aufzug, sondern über die Treppe zurückgelegt. Auch zu Hause wirkt der Fahrstuhl plötzlich wie der größte Feind der Fitness – Ziel erreicht, Jawbone, die Motivation ist da.

Nacht 1: mysteriöses Erwachen

Auch in der Nacht bekommt der Activity-Tracker seine Chance: Vor dem Schlafengehen lang aufs Knöpfchen gedrückt, und schon wird aufgezeichnet. Die Befürchtungen, das Band könnte beim Schlafen stören, erweisen sich als unbegründet. Ein Blick auf die Statistik am nächsten Morgen zeigt jedoch, dass einem Fitness-Armband doch einiges fehlt, um den Schlaf wirklich korrekt aufzuzeichnen. So verzeichnet das Nachtverlauf einige Wachphasen, die es so nie gegeben hat – allerdings kann das Armband auch nur Bewegungen messen. Nett, aber eigentlich überflüssig.

Tag 3: Herausforderungen und mehr Schritte

Da fordert mich mein Smartphone doch wirklich zu einer Wette heraus: Die UP-App möchte, dass ich heute eine vorgegebene Anzahl Schritte laufe. Ok, Herausforderung angenommen. Gleich mal früh Treppe statt Aufzug – und schon sind einige Schritte mehr auf dem Konto, bis zum Abend ist das gesteckte Ziel erreicht. Weitere Tipps erscheinen in der App, sei es zu Ernährung, Wasserzufuhr oder Bewegung. Schön gemacht, aber eigentlich auch nichts Neues.

Neben dem Schrittzähler lässt die App auch Lebensmittel tracken. Die Datenbank ist erstaunlich umfangreich, zu jeder Mahlzeit findet sich ein passender Eintrag. Anschließend verrechnet das Smartphone die verbrannten Kalorien mit den aufgenommenen – und warnt, wenn die Grenze erreicht wird. Der Nachteil: Jede einzelne Mahlzeit über die Datenbank einzuloggen, ist verflucht nervig, langwierig und anstrengend. Zu leicht vergisst man die Aufzeichnung oder hat schlicht keine Zeit dafür. Nur für ganz motivierte Nutzer.

Fazit: Spielzeug bleibt Spielzeug

Unterm Strich bleibt das Jawbone UP24 ein Gadget – wie auch sämtliche anderen Fitness-Tracker. Wer sich wissenschaftliche Genauigkeit oder tiefere Einblicke in Kalorienaufnahme und Schlafrhythmen erwartet, ist bei den Armbändern falsch. Für detailliertere Infos fehlt ein Herzfrequenzmesser, der in der nächsten Generation von Jawbone und Fitbit wohl enthalten sein wird. Technikinteressierte auf der Suche nach einer Motivation für mehr Bewegung, die einfach einen besseren Überblick über ihre alltäglichen Tagesabläufe gewinnen möchten, können zugreifen –Wunderdinge sind allerdings nicht zu erwarten.

(tki)

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