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Das Energielabel - Hersteller-Tricks und Aussagekraft

20.11.2013 - 20:00

In leuchtenden Farben prangt es auf jedem größeren Haushaltsgerät: Das EU-Energielabel gibt dem Kaufinteressenten detaillierte Informationen, wie sparsam das gewünschte Modell arbeitet. Mittlerweile müssen sogar Fernseher die Energiekennzeichnung tragen - Stromfresser werden dadurch gnadenlos als solche entlarvt.

Die Geräte werden dabei in Energieeffizienzklassen eingeteilt und mit einer Ampel-Skala von rot bis grün abgebildet – plakativ, einfach, unmissverständlich. Sollte man zumindest meinen. Doch die Klassifizierung bietet noch immer Schlupflöcher, die einige Hersteller zu nutzen verstehen. CHECK24 erklärt, was die Energieeffizienzklasse wirklich aussagt – und wo die Aussagekraft durch Hersteller-Tricks verwässert wird.

Die Waschmaschinen-Affäre

60-Grad-Energiesparprogramm – das klingt doch nach einer umweltfreundlichen Alternative zum Normalwaschgang. Allerdings scheint so mancher Hersteller einen gewichtigen Teil des Programmtitels nicht verstanden zu haben. Denn von 60 Grad kann bei vielen Waschmaschinen keine Rede sein: Von den zwölf Modellen bei Stiftung Warentest (11/2013) etwa erreichte kein einziges tatsächlich die angegebene Temperatur. Einer der Testkandidaten etwa brachte es gerade einmal auf 35,4 Grad Celsius – was mit den restlichen 24,6 Grad geschehen ist, bleibt ein Geheimnis.

Ähnliche Schwankungen registrierten die Warentester auch bei den Standardprogrammen. Das spart eine nicht unerhebliche Menge an Energie – schließlich muss das Wasser weniger stark erhitzt werden. Irgendwie muss die Maschine jedoch die gewünschte Reinigungswirkung erzielen, wenn schon nicht durch die Temperatur. Ein Großteil der aktuellen Waschmaschinen-Generation wäscht deshalb kurzerhand länger. Bei einigen Modellen geht das so weit, dass der Besitzer nach dem Einschalten fast einen Halbtagsausflug planen kann. Eine Maschine von LG outete sich bei Stiftung Warentest als die Königin der Langsamkeit und benötigte im regulären 40-Grad-Programm stattliche drei Stunden und zehn Minuten.

Und genau hier versteckt sich ein Haken der Energiekennzeichnung: Wer die Zeit für einen Waschgang reduzieren möchte, muss zum Schnellprogramm greifen – und das verbraucht wesentlich mehr Strom. Die Messungen für die Klassifizierungen finden mit einer vorgegebenen Einstellung statt, die nicht zwangsläufig den späteren Nutzungsgewohnheiten entsprechen muss. Als Orientierungshilfe ist das Energielabel dennoch geeignet, wenn auch mit Einschränkungen.

Die Fernseher-Dunkelkammer

Das Label für Fernsehgeräte ist die jüngste Kennzeichnung, die von der Europäischen Union vorgeschrieben wird. Seit Ende 2011 müssen aktuelle Fernseher zwingend geprüft und in eine Energieeffizienzklasse eingeteilt werden. Doch auch hier bleibt etwas Spielraum: Der Fernseher soll sich bei der Messung im Heim-Modus befinden und mindestens auf 65 Prozent der maximalen Helligkeit eingestellt sein.

Ob diese Einstellungen dann jedoch in der Praxis auch eine ordentliche Bildqualität ermöglichen, interessiert zunächst niemanden. Noch problematischer: Die maximale Helligkeit des Geräts ist ebenfalls von keiner Stelle vorgegeben. Reduziert der Hersteller die maximale Leuchtkraft seines Geräts, lassen sich dadurch teils deutlich niedrigere Verbrauchswerte bei der Messung für das Energielabel erzielen. Damit der Nutzer später jedoch eine ansprechende Darstellung erzielt, muss er die Helligkeit und den Kontrast in vielen Fällen manuell anpassen. Das wiederum verbraucht mehr Energie. Auch besondere Bildmodi wie 3D-Darstellung sind dabei nicht berücksichtigt, obwohl gerade diese Funktionen immer wichtiger werden. Deshalb gilt auch im Fernseher-Bereich: Als erster Anhaltspunkt ist das Energielabel sehr hilfreich – mehr aber auch nicht.

(tki)

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