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Unbegrenzt Schmökern zum Fixpreis - E-Book-Flatrates auf dem Vormarsch

20.10.2015 - 14:56

Evolution statt Revolution: So lässt sich die aktuelle Entwicklung auf dem E-Reader-Markt beschreiben. Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse präsentierten große Hersteller wie Amazon, Tolino und Kobo nur wenig Spektakuläres. Neue E-Book-Flatrates mischen den Büchermarkt auf und lassen Verlage ihre Lizenzpolitik überdenken.

Frankfurter Buchmesse: E-Book-Reader in High Definition

Kobo-Glo
Bei aktuellen E-Readern wie dem Kobo Glo gehören integrierte Beleuchtung und HD-Auflösung zur Grundausstattung. (Bild: Kobo)
Die HD-Auflösung ist jetzt auch bei Mittelklasse-Modellen zum Standard geworden. Das zeigen bereits E-Book-Reader wie der Kindle Paperwhite 3 und der Kobo Glo HD, die seit einigen Monaten auf dem Markt sind – beide besitzen ein 300ppi-Panel. Auf der Frankfurter Buchmesse bekam das Publikum die neuen Modelle von Tolino zu sehen: das Shine 2HD und das Vision 3HD. Beide Geräte verfügen ebenfalls über ein beleuchtetes HD-Panel. Der Tolino Vision 3HD bietet dabei die bessere Beleuchtung und besitzt ein wasserdichtes Gehäuse, das sogar ein kurzes Eintauchen in die Badewanne verzeiht. Amazon hat seinem Bestseller Kindle Paperwhite ein Update sowie ein höher auflösendes Display spendiert – der Paperwhite 3 ist bereits seit einigen Monaten zu haben.

Der Anreiz zum Kauf eines neuen E-Book-Readers hält sich nach der Frankfurter Buchmesse in Grenzen: Wer bereits ein Modell mit integrierter Beleuchtung besitzt muss sich nicht zwingend ein neues Gerät anschaffen. Wohin sich der Markt entwickelt, ist indes noch nicht abzusehen. Am Horizont zeichnen sich erste Sättigungserscheinungen ab. Angesichts stagnierender Verkaufszahlen ist der Markt übersichtlicher geworden; Anbieter wie Trekstor und Sony haben sich sogar ganz zurückgezogen.

Dicke Einsparung oder nur flache Angebote? E-Book-Flatrates im Vergleich

Bei den E-Books tut sich hingegen einiges: Die Beliebtheit von Flatrates wie sie beim Musik- und Video-Streaming längst Standard ist, erreicht nun auch den Markt der digitalen Bücher. Dies haben auch die großen Verlage erkannt und rücken langsam von ihrer strengen Lizenzpolitik ab. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK anlässlich der Frankfurter Buchmesse nutzen nämlich bereits 1,4 Millionen Deutsche digitale Bezahl-Abonnements für Bücher. Unbegrenzt lesen zu einem monatlichen Fixpreis? Die Idee klingt in der Theorie sehr attraktiv, in der Praxis erschweren technische Restriktionen die Umsetzung. Abstriche müssen Nutzer auch bei der Auswahl des Lesestoffs machen. Vielleicht auch deswegen kauften der Studie zufolge im ersten Halbjahr 2015 2,9 Millionen Deutsche ab 10 Jahren noch einzelne E-Books.

Onleihe – Die Stadtbibliothek im Internet

Hinter dem Angebot von Onleihe stehen die öffentlichen Stadtbibliotheken, die über 15.000 digitale Bücher und Hörbücher zur Ausleihe bereitstellen. Wie bei der Ausleihe eines „normalen“ Buchs ist eine Mitgliedschaft die Voraussetzung. Diese kostet im Jahr durchschnittlich zwischen 10 und 30 Euro. Je nach Titel und Sortiment der Bibliotheken kann es jedoch zu Wartezeiten kommen, vor allem, wenn man es auf einen aktuellen Bestseller abgesehen hat. Und: Titel bestimmter Verlage wie Knaur und Rowohlt bekommt man auf diesem Wege gar nicht, da sie mit den Stadtbibliotheken im Clinch liegen. Die ausgeliehenen E-Books sind mit einem Kopierschutz versehen, nach 14 Tagen „gibt“ sich das Buch automatisch zurück. Da die Dateien im epub-Format kommen, ist man bei der Wahl des Lesegeräts weitgehend frei: Neben Smartphones und Tablets kommen dafür auch E-Books mit epub-Unterstützung in Frage, das gilt für fast alle Modelle außer der Kindle-Reihe von Amazon.

Skoobe – Ein Gemeinschaftsprojekt deutscher Verlage

Skoobe-E-Book-Flatrate
Skoobe ist ein Gemeinschaftsprojekt deutscher Verlage. Es bietet E-Book-Flatrates für Tablets und bestimmte E-Reader. (Bild: Skoobe)
Mit Skoobe wollen einige der großen deutschen Verlage auf dem E-Book-Markt mitmischen. An Bord sind die Verlagshäuser Holtzbrink und Bertelsmann. Die meisten angebotenen Titel stammen aus diesen beiden Häusern, jedoch sind auch viele Bücher anderer Verlage dabei. Der Homepage zufolge sind es insgesamt über 140.000 Titel. Zwischen 10 und 20 Euro kostet hier die Eintrittskarte in die Welt des digitalen Bücherlesens als Flatrate. Die Auswahl umfasst verschiedene Kategorien wie Belletristik, Sachbücher, Ratgeber sowie Bücher für Kinder und Jugendliche. Rückgabefristen oder Wartezeiten gibt es hier nicht. Mit seinem Sortiment hat der Dienst deutschlandweit die Nase vorn. Die entsprechende App ist für Android- und iOS-Geräte verfügbar. So weit so gut, doch wer Skoobe auf seinem E-Reader nutzen möchte, wird vermutlich enttäuscht: Die App funktioniert nämlich nur auf offenen Android-E-Readern wie dem Icarus Illumina.

Amazon Unlimited – Bestseller sind die Ausnahme

Mit der Bücher-Flatrate Unlimited verspricht Amazon mehr als 850.000 E-Books. Das hört sich für den Anfang schon mal nicht schlecht an, jedoch fällt der Anteil deutscher Titel dabei jedoch vergleichsweise klein aus. Denn die deutschen Verleger unterstützen das bereits erwähnte Skoobe-Projekt. Hinzu kommt, dass viele der E-Books, die bei Unlimited erhältlich sind, von unbekannten „Indie-Autoren“ stammen. Außerdem können Leser nicht alle Bücher, die Amazon als digitale Variante anbietet, gleichzeitig in der Flatrate nutzen. Welche Bücher in das Angebot fallen, erkennen Nutzer am „Unlimited“-Logo. Für das Unbegrenzt-Angebot werden monatlich 9,95 Euro fällig. Die dazugehörige App steht für Tablets mit iOS- und Android-Betriebssystem sowie für die E-Reader der Kindle-Familie bereit.

Kopierschutz weicht auf

Besonders Verlagen ist die Entwicklung auf dem E-Book-Markt natürlich ein Dorn im Auge. Um die Weiterverbreitung von E-Books einzuschränken, versehen sie diese mit einem Kopierschutz. Dabei unterscheidet man zwischen einem harten und einem weichen Kopierschutz. Bei der strikten Variante kann der Nutzer das E-Book nur auf registrierten Geräten lesen. Seit Sommer 2015 verzichten einige deutschsprachige Verlage wie die Holtzbrinck Publishing Group und die Verlagsgruppe Bonnier auf den harten Adobe DRM (Digital Rights Management) und setzen stattdessen auf weichen Kopierschutz in Form von Wasserzeichen. Das für den Leser meist unsichtbare Wasserzeichen lässt sich auf den Käufer zurückführen. Dadurch sollen Leser vom Tauschen der E-Books abgehalten werden. Nach wie vor ist der harte Kopierschutz jedoch die gängige Variante.

Fazit

E-Books sind die praktischste Möglichkeit, überall und zu allen Tageszeiten Bücher zu lesen. Wer auf ein unbegrenztes Angebot zugreifen möchte, hat die Wahl zwischen verschiedenen Abo-Modellen. E-Book-Flatrates wie Skoobe oder Amazon Unlimited lohnen sich aber nur für Vielleser. Wichtig ist, dass das Format des E-Books mit dem E-Reader kompatibel sein muss. Wer Amazon Unlimited nutzen möchte, kommt um einen Kindle kaum herum.

(aha)

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