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Digitalradio: Warum der Abschied von UKW schwer fällt

13.05.2016 - 14:24

Mehr Sender in besserer Qualität und das flächendeckend – die Vorzüge von DAB beziehungsweise dem Nachfolgestandard DAB+ sprechen für sich. Wieso floppt er trotzdem? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Die Vorteile des digitalen Übertragungsstandards DAB+

Die Abkürzung DAB steht für „Digital Audio Broadcasting“ und meint die digitale Verbreitung von Audiosignalen über
Die Umstellung von UKW auf DAB+ bietet viele Vorteile, ist aber auch langwierig und teuer.
Antenne. Bei DAB+ handelt es sich um eine Weiterentwicklung des Standards. Der wesentliche Unterschied ist, dass unterschiedliche Verfahren zur Aufbereitung der Daten zum Einsatz kommen. DAB+ nutzt eine effizientere Audiokomprimierung als DAB. Beide Standards bieten eine deutlich bessere Klangqualität als UKW. Rauschen und andere Störgeräusche, wie man sie von analogem Radioempfang gewohnt ist, gibt es bei dem digitalen Standard nicht. Zudem stehen dem Nutzer Zusatzinformationen auf dem Display zur Verfügung wie Wetterkarten und Verkehrsdaten. Als drittes Argument für digitalen Radioempfang wird oft die größere Sendervielfalt genannt, wobei der letzte Punkt teilweise nur in der Theorie existiert. Doch dazu später mehr.

Was muss man beim Kauf eines Empfangsgeräts beachten?

Empfängt Radio über UKW, DAB und DAB: das Technisat Digitradio. (Bild: Technisat)
Um DAB bzw. DAB+ empfangen zu können, ist ein entsprechendes Empfangsgerät notwendig. Kompatible Radios sind mit einem DAB- bzw. DAB+-Symbol oft direkt am Gehäuse oder auf der Verpackung gekennzeichnet. Die Geräte empfangen digitale Radiosignale über eine Dach-, Stab- oder Wurfantenne. In der Regel ist UKW-Empfang standardmäßig ebenfalls an Bord. Das bedeutet, dass man mit einem DAB-Radio auch analoge Sender hören kann. Andersherum empfängt ein UKW-Radio aber keine DAB-Signale.

Bei älteren DAB-Radios sollte man ebenfalls die Augen offenhalten. Denn diese können keine DAB+-Programme wiedergeben. Preislich liegen neue DAB-Geräte recht weit gestreut zwischen 30 Euro für einfache und 200 Euro für hochwertige Modelle.

Ein recht günstiges Modell ist zum Beispiel das Technisat Digitradio 210 (ca. 45 Euro). Das Gerät bietet DAB+-Empfang und besitzt ein zweizeiliges Display, auf dem Zusatzinformationen angezeigt werden. Im schicken Retrostil kommt dagegen das etwas teurere Sony XDR-S60 (ca. 90 Euro) daher. Dieses Modell ist mit einem vierzeiligen Display ausgestattet, das sich durchscrollen lässt.

Umstellung: Planung und Realität

Beim terrestrischen Fernsehen ist die Umstellung auf den digitalen Übertragungsstandard DVB-T längst erfolgt. Das Radio hingegen hinkt hier noch hinterher, obwohl ursprünglich die Umstellung von UKW auf DAB bereits bis 2010 abgeschlossen sein sollte. Da viele Radiostationen weiterhin auf UKW senden, wurde die Frist bis 2025 verlängert. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) rechnet jedoch nicht mit einer Abschaltung von UKW vor 2028.

Auch wenn der Zeitpunkt für die Umstellung noch bezweifelt wird, eines steht fest: In der Zwischenzeit ist der Parallelbetrieb von UKW und DAB+ (Simulcast) die Regel. Und der ist richtig teuer. Allein den privaten Rundfunk könnte ein Parallelbetrieb über zehn Jahre rund 500 Millionen Euro kosten, rechnet die KEF aus. Die öffentlichen Gesamtkosten des Umstiegs schätzt die Kommission bei einer UKW-Abschaltung 2025 auf ebenfalls 585 Millionen Euro. Damit würden sich die Kosten zusammengenommen auf über eine Milliarde Euro belaufen. Und dabei ist noch nicht einmal klar, ob die Nutzer den digitalen Radiostandard überhaupt annehmen werden.
 
Die Zahl von Haushalten mit DAB+ steigt aber nur langsam. (Quelle: TNS Infratest)
 

UKW verteidigt seine Stellung in den Haushalten

Der Markterfolg von DAB+ ist bisher – vorsichtig ausgedrückt – übersichtlich. Laut KEF besitzen lediglich zehn Prozent der Haushalte einen DAB+-Empfänger. Immerhin kann sich die Flächenabdeckung sehen lassen: So erreichen die Programme von Deutschlandradio mit DAB+ eine höhere Flächenabdeckung als mit UKW. Dennoch erfreut sich der weniger moderne Empfang über UKW weiterhin großer Beliebtheit bei den Ottonormal-Hörern. Vielen Personen, die Radio vornehmlich als „Hintergrundbeschallung“ nutzen, reicht die Qualität des analogen Radios offenbar noch.  

Größere Sendervielfalt – wirklich?

DAB+ kann mehr Daten auf einer Frequenz unterbringen und bietet daher theoretisch eine größere Auswahl an Sendern. Das stimmt aber nur dann, wenn die Sender diese Möglichkeit auch nutzen. Und das tun sie bisher nur bedingt. Vor allem regionale und lokale Radios können sich nur schwer mit der digitalen Übertragung anfreunden. Denn der Nutzen für sie hält sich in Grenzen, da nur ein recht geringer Anteil der Hörer bisher überhaupt in der Lage ist, DAB+ zu empfangen.
Hinzu kommt, dass der terrestrische Standard mit dem Internet konkurriert. Heutzutage ist es vor allem das Netz, das die Vielfalt im Radiobereich erhöht. Da kann die terrestrische Übertragung, auch wenn sie noch so digital ist, nur schwer mithalten.

(aha)

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