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Der BlackBerry-Hilferuf - stoppt das neue Z10 den Abwärtstrend?

02.04.2013 - 20:00

Es ist ein beispielloser Absturz im Smartphone-Sektor: Noch vor einigen Jahren galten die Geräte von BlackBerry – damals noch unter dem Firmennamen Research in Motion (RIM) – als die optimalen Business-Maschinen. Das sind sie auch heute noch, aber eben auch nicht viel mehr. Über die Jahre bröckelte der Marktanteil der Geräte mit BlackBerry OS langsam dahin: Lag er Ende 2011 noch bei knapp neun Prozent, registrierten die Marktforscher von Gartner im vierten Quartal 2012 nur noch mickrige 3,5 Prozent.

Seit einigen Wochen rumort es in den Untiefen der Smartphone-Welt. Samsung will mit dem Galaxy S4 erneut alle Rekorde brechen, während der taiwanesische Frontalangriff auf den Namen HTC One hört. In diesem Haifischbecken positioniert sich auch BlackBerry mit dem neuen Z10 – und bereits auf den ersten Blick hat sich vieles geändert. Der letzte, verzweifelte Hilferuf eines angeschlagenen Riesen? Oder doch der frische Wind, der alles zum Besseren wendet?

Bedienung: Jäger der verlorenen Tasten

Beim Anblick des Z10 dürften sich eingefleischte BlackBerry-Anhänger zunächst reichlich verloren vorkommen. Wo ist die mechanische Tastatur, die das Erscheinungsbild nahezu aller bisherigen BlackBerry-Smartphones geprägt hat? Die einfache Antwort: Sie ist weg. Die Zeiten wilder Tipperei sind damit vorbei – BlackBerry passt sich dem gängigen Bedienkonzept per Touchscreen an.

Zwar waren auch schon frühere Modelle mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm ausgestattet – allerdings gerieten exakte Eingaben auf der gefühlten Fläche einer Briefmarke häufig zur Glückssache. Das BlackBerry Z10 bietet mit seiner Bildschirmdiagonale von 4,2 Zoll dagegen ausreichend Platz, selbst für Grobmotoriker. Ganz will sich BlackBerry dann aber doch nicht in eine Schublade mit Google, Apple und Co. stecken lassen: Alle Apps lassen sich einfach und direkt über ein interessantes Wischgesten-Schema ansteuern, zumindest mit etwas Übung.

Keine mechanische Tastatur also – kann das BlackBerry Z10 da überhaupt seine Stärken im Office-Bereich ausspielen? Die ersten Tests bestätigen: ja, es kann. Denn die virtuelle Tastatur lässt sich noch komfortabler bedienen als die der Konkurrenz und reduziert dabei Fehleingaben auf ein absolutes Minimum. Auch die Worterkennung überzeugt und registriert einen Wechsel der Sprache, ohne vorher sinnlose Begriffe vorzuschlagen.

Leistung: No fast, no furious

Eine Rennmaschine ist das BlackBerry Z10 allerdings nicht. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist zwar ordentlich, kann aber mit den Boliden der Konkurrenz nicht ganz mithalten. Der Browser dagegen arbeitet mit vorbildlichem Tempo und ist deutlich komfortabler als etwa der Standard-Browser von Android.

Die Akkulaufzeit war stets ein großes Plus der BlackBerry-Reihe. Während andere aktuelle Smartphones einen Arbeitstag häufig nur mit Mühe überstehen, erwiesen sich die Modelle von BlackBerry als wahre Dauerläufer über mehrere Tage. Dieser Vorsprung ist mittlerweile dahin: Der Akku des Z10 hielt in den ersten Tests nicht länger als der eines iPhone 5. Das ist zwar nicht schlecht – aber eben auch kein wirkliches Kaufargument mehr.

Apps: BlackBerry World - Der Wüstenplanet

Ähnlich mau sieht es im App-Store aus: Die BlackBerry World bietet zwar immerhin 70.000 Apps, weist aber große Lücken bei den bekannteren Apps auf. Skype oder WhatsApp fehlen ebenso wie das beliebte Evernote.

Zum Vergleich: Google Play ist mit über 800.000 Apps mehr als elfmal so groß, Apple liegt in einer ähnlichen Größenordnung. Ziemlich viele dieser Programme dürften zwar eher überflüssig sein – einen deutlichen Vorsprung haben die beiden großen Platzhirsche aber dennoch.

Design: Angriff der Klonkrieger?

Nun sieht das BlackBerry Z10 also doch wie ein ganz normales Smartphone aus. Der Klon eines erfolgreichen Konkurrenten ist es allerdings nicht: Der Touchscreen bedeckt einen Großteil der Fläche auf der Vorderseite, eingefasst in ein schwarzes Kunststoffgehäuse, das oben und unten ein gutes Stück länger ist als das Display selbst. Damit grenzt sich BlackBerry zwar gegenüber der Galaxy-Reihe von Samsung ab, erreicht aber zu keiner Zeit die hohe Verarbeitungsqualität von Apple oder HTC.

Schick, neu, alltagstauglich: Das Facelift der angestaubten BlackBerry-Serie ist gelungen. Ob es allerdings zum ganz großen Befreiungsschlag reicht, darf angezweifelt werden. Derzeit kostet das BlackBerry Z10 im Preisvergleich knapp 555 Euro – und ist damit nur unwesentlich günstiger als etwa das Sony Xperia Z oder das neue HTC One. Business-Nutzer und BlackBerry-Fans können zugreifen, alle anderen sollten erst ausgiebig vergleichen.

(tki)

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