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Apple WWDC 2016: Aufgehübschte Siri, poliertes iOS und … ein enttäuschendes One More Thing

15.06.2016 - 11:00

Auf der Worldwide Developers Conference (WWDC) beschäftigt sich Apple seit jeher vordergründig mit der Software seiner Produkte. Was Besitzer von iPhones, iPads und Co. dieses Jahr erwartet und welches One More Thing es am Ende der Keynote zu sehen gab, erfahren Sie in unserem Blog.

Return of the Mac

Apple macOS 10.12 Sierra
Siri hört nun auch auf dem Macbook zu. (Bild: Apple)
Die Änderungen an Apples Desktop-Betriebssystem fangen beim Namen an. Statt auf OS X hört die Software nun (wieder) auf den Namen macOS, in der Schreibweise den Betriebssystemen iOS für mobile Geräte, watchOS für Smartwatches und tvOS für Apple TV angepasst.

Funktionsseitig hat macOS 10.12 mit dem Beinamen Sierra nun den Sprachassistenten Siri integriert. Per Stimme stellen Nutzer – wie vom iPhone und iPad gewohnt – Suchanfragen und geben Steuerbefehle. Auto Unlock erkennt den rechtmäßigen Besitzer per Gesichtserkennung oder anhand einer autorisierten Apple Watch beziehungsweise eines iPhones und entsperrt den Mac-Desktop oder das Macbook.

Eine synchronisierte Zwischenablage soll die Arbeit an verschiedenen Geräten erleichtern: Kopiert der Nutzer Inhalte am Mac, kann er sie nahtlos auf dem iPad oder iPhone einfügen und weiter bearbeiten. Tabs sowie eine Picture-in-Picture-Funktion sollen außerdem für mehr Übersicht sorgen – auch in Anwendungen von Drittanbietern.

Ab Juli ist macOS Sierra als öffentliche Beta-Version erhältlich, die finale Version erscheint kostenlos im Herbst.


An der Uhr gedreht: Das neue watchOS

Apple watch OS 3
Scribble-Handschrifterkennung auf der Apple Watch. (Bild: Apple)
Eine Nachfolgerin der mittlerweile über ein Jahr alten Apple Watch ist bei der Keynote nicht vorgestellt worden. Dafür gibt es aber ebenfalls ein Software-Update. watchOS 3 soll Anwendungen auf der Apple-Uhr merklich beschleunigen. Zudem kann der Träger nun schnell zwischen verschiedenen Apps hin und her wechseln.

Das neue Control Center bündelt alle wichtigen Funktionen in einer Übersicht. Eingehende Nachrichten können entweder mit vorgefertigten Antworten erwidert werden oder der Nutzer gibt einen Text per Handschrifterkennung Scribble ein. Zudem können Fitness-Daten künftig geteilt werden.


tvOS 2: Zappen mit dem iPhone und Smart-Home-Zentrale

Für den Multimedia-Player Apple TV gibt es ebenfalls kleine Neuerungen. So ist für das iPhone nun eine neue Remote-App erhältlich. Damit kann das Smartphone als zusätzliche Fernbedienung und bei Spielen als Gamecontroller mit Bewegungserkennung genutzt werden.

Siri können Nutzer nun auch für die Suche nach YouTube-Videos verwenden. Ein Dark Mode mit gedimmten Anzeigeflächen schont bei der neuen tvOS-Version in dunklen Wohnzimmern die Augen. Für Entwickler freigeschaltet, soll tvOS 2 künftig Smart-Home-Anwendungen zentral steuern.
 
Apple tvOS 2
Apple tvOS 2 im augenschonenden Dark Mode. (Bild: Apple)

Die fertigen Versionen von watchOS 3 und tvOS 2 will Apple ebenfalls im Herbst veröffentlichen.


iOS 10: Siri am anbandeln

Apple iOS 10 Lockscreen
iOS 10 Lockscreen mit interaktiven Benachrichtigungen. (Bild: Apple)
Das Hauptaugenmerk lag bei der diesjährigen WWDC auf dem mobilen Betriebssystem in der neuen Version iOS 10. Als zentrale Weiterentwicklung inszeniert Apple die Öffnung des Sprachassistenten Siri für Entwickler. Künftig sollen auch Apps, die nicht von Apple selbst stammen, mit Siri verknüpft werden können. Besonders Messenger wie WhatsApp oder Navigations-Apps sollen so von der Spracheingabe profitieren.

Neu bei iOS 10 ist auch die Aufweckfunktion Raise to wake. Durch leichtes Anheben schaltet sich das Display des iOS-Geräts ein und zeigt relevante Informationen wie Nachrichten oder Termine an. Diese treten in neuem Gewand auf. Sie fallen etwas großflächiger aus, um mehr Details darstellen zu können. Bei 3D-Touch-fähigen Geräten kann der Nutzer durch festes Drücken auf eine Benachrichtigung zusätzliche Optionen direkt auf dem Sperrbildschirm aufrufen.

Das Apple-eigene Kommunikations-Tool iMessage erfährt unter iOS 10 eine umfangreiche Erweiterung. Neben variabler Textgröße, handschriftlichen Nachrichten, Text-zu-Emoji-Umwandlung, Link-Vorschau und Antwortvorlagen kann der Messenger Funktionen anderer Apps einbinden. So können beispielsweise Inhalte geteilt oder Kauf- und Bezahlvorgänge vorgenommen werden, ohne iMessage zu verlassen.

Mit der systemweiten Quicktype-Texteingabe erkennt iOS nun Zusammenhänge und schlägt entsprechende Uhrzeiten, Orte oder Kontaktdaten vor. Die Apple-Tastatur erkennt zudem die getippte Sprache und blendet passende Voraussagen ein. Um mehr Ordnung in die starre iOS-Benutzeroberfläche zu bringen, können Nutzer vorinstallierte Apps unter iOS 10 vom Sperrbildschirm entfernen.

Das Update auf iOS 10 erhalten im Herbst dieses Jahres alle iPhones ab dem Modell 5, sämtliche iPads ab der vierten Generation, iPad minis ab dem zweiten Modell sowie der iPod touch der sechsten Generation.


One More Thing …

Am Ende der fast zwei Stunden langen Präsentation fielen die magischen drei Worte One More Thing und es ging ein Raunen durch den Saal. Doch an Stelle einer Überraschung in Form neuer Hardware – zuletzt wurde über eine Neuauflage der Apple Watch spekuliert – bekamen die Zuschauer einen Film zu sehen.

Hobby-Entwickler aus aller Welt erzählen darin von ihren Coding-Erfahrungen und ihrer persönlichen Motivation – natürlich alles im emotionalen Apple-Stil. Damit schien Apple nochmals  unterstreichen zu wollen, welch hohen Stellenwert App-Entwickler ohne IT-Ausbildung in Zukunft einnehmen werden.


Ist das alles?

Das Entsperren per Gesichtserkennung oder gekoppelter Smartwatch ist bereits seit zwei Jahren Bestandteil des Android-Betriebssystems und auch Windows 10 nutzt biometrische Merkmale. Interaktive Benachrichtigungen auf dem Sperrbildschirm und das Aufwecken durch Anheben des Smartphones gibt es ebenfalls bereits bei anderen Herstellern.

Auch Siri hinkt hinterher: Google zeigte jüngst mit Assistant, dass mit Diensten verknüpfte und kontextbewusste Sprachassistenten weit mehr auf dem Kasten haben, als lediglich Scherzfragen zu beantworten. Die Spaß-Features von iMessage und mehrsprachige Voraussagen der Tastatur beherrschen andere Apps ebenfalls seit Langem. Google und Facebook sind mit ihren Chatbots, also künstlicher Intelligenz, da sogar noch einen Schritt weiter.

Immerhin: Apple macht seine Dienste nun Drittanbietern und Entwicklern zugänglich – davon verspricht sich das Unternehmen mehr Funktionsvielfalt. Vielleicht der erste Schritt hin zu einem (etwas) offeneren System?

Unterm Strich ist nie deutlicher geworden, dass es Apple an echten Innovationen mangelt. Doch der Konzern aus Cupertino ist gemessen am Gewinn nach wie vor das Maß aller Dinge – nicht zuletzt deshalb, weil es all die Funktionen, die andere auch schon bieten, nahezu perfekt in sein Ökosystem einbindet und begehrenswert verpackt. Wie lange das noch gut geht, wird sich vielleicht schon an den nächsten Quartalszahlen ablesen lassen.


(ksc)

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