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Apple Watch offiziell - Gedanken zur neuen Smartwatch

12.09.2014 - 10:00

Auch wenn es viele Fans nicht sehen wollen: Apple ist nicht der alleinige, am hellsten strahlende Stern am Technik-Himmel. So einseitig ist die Elektronik-Welt nicht mehr. Trotzdem ist der Einfluss von Apple nicht zu leugnen: Irgendwie befindet sich jede neue Sparte noch in den Kinderschuhen, bis der Apfel seinen Teil dazu beiträgt. Wiederholt sich die Geschichte nun mit dem Phänomen Smartwatch?

Auf der gestrigen Keynote hat Apple seine erste intelligente Uhr vorgestellt. Allerdings nennt sie sich nicht iWatch, wie von vielen erwartet, sondern schlicht Apple Watch. Dabei haben sich die Mannen aus Cupertino lange zurückgehalten – und auch jetzt soll es noch etwas dauern, bis die Uhr 2015 auf dem Markt aufschlägt. Löst die Apple Watch nun den endgültigen Durchbruch aus? Oder wird sie lediglich die nächste unausgereifte Smartwatch?

(K)eine runde Sache?

Rechteckig und personalisierbar: So sieht die Apple Watch aus. (Bild: Apple)
Bereits seit Jahren geistert die Uhr durch die Gerüchteküche rund um den Apfel. Nun ist sie da – und sie ist rechteckig. Das Bemerkenswerte daran: Während im Android-Lager sämtliche Hersteller dem Beispiel der Motorola Moto 360 folgen und neue Smartwatches vornehmlich mit rundem Display entwickeln, versucht Apple gar nicht erst, sein smartes Anhängsel wie eine klassische Armbanduhr aussehen zu lassen. Die Apple Watch ist tragbare Technik, ein zusätzlicher Bildschirm am Handgelenk – und darf auch so aussehen.

Was jedoch nicht heißt, dass Apple das Design vernachlässigt hat: Durch die Abgerundeten Ecken und ein Arsenal an verschiedenen Armbändern macht die Apple Watch einen gewohnt hochwertigen Eindruck. Dennoch dürfte die Optik der Uhr reine Geschmackssache sein – vergleichbar mit der Android-Konkurrenz ist sie allerdings kaum. Den ersten Smartwatches von Samsung und LG fehlt es an Eleganz, während die neuen Moto 360 und LG G Watch R mit rundem Gehäuse nochmals gänzlich anders wirken.

Back to the Crowns

Das interessanteste Element der Apple Watch ist die Krone an der Seite. Wo andere Smartwatches maximal einem Knopf zum Einschalten des Displays verbaut haben, sitzt bei der Apfel-Uhr ein kleines Drehrädchen, ähnlich der Krone einer klassischen Armbanduhr. Das Bedienelement wird zum Zoomen und Scrollen verwendet, um die Touchscreen-Steuerung nicht zur furchtbaren Fummelei ausarten zu lassen. Ein Retro-Element in einer modernen Smartwatch – das hat Stil.

Ansonsten wird die Apple Watch vermutlich mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben wie die Konkurrenz mit Android Wear: Das Display bietet gerade für große Finger nur wenig Platz für die Berührungssteuerung. Daran wird wohl auch die Unterstützung der Krone nicht viel ändern können. Allerdings ist über das Betriebssystem Watch OS längst noch nicht genug bekannt, um das gesamte Bedienkonzept einschätzen zu können.

Mysterium Hardware

Und genau dort liegt aktuell noch das Problem: Apple versteht es seit jeher, hochemotionale und beeindruckende Präsentationen abzuhalten, selbst wenn sie noch so wenig Inhalt zu bieten haben. Der Fokus auf das Design und die Persönlichkeit der Apple Watch ist schön und gut, um die Apple-Anhänger auf der Keynote begeistert aufspringen zu lassen – doch einige der wichtigsten Informationen hält Apple unter Verschluss. Zu den genauen Hardwarespezifikationen war die Präsentation an Inhaltsleere kaum zu überbieten.

Dabei dürfte gerade die Akkulaufzeit für viele Interessenten ein Hauptkriterium sein: Aktuelle Smartwatches mit Android Wear schleppen sich meist gerade so durch einen Tag. Mehr scheint derzeit nicht drin zu sein – und auch Apple verbringt hier (noch) keine Wunderdinge. So ist zwei Tage nach der Präsentation doch noch durchgesickert, dass auch die Apple Watch derzeit nur rund einen Tag durchhält. Lediglich einige andere Smartwatches mit E-Ink-Displays – ähnlich einem E-Book-Reader – laufen über mehrere Tage. Dass sich nur wenige Nutzer auf ein Graustufen-Display einlassen wollen, ist die Kehrseite der Medaille.

Nur frische Äpfel erwünscht

Ein großes Fragezeichen steht seit dem Erscheinen der ersten Smartwatches hinter der Kompatibilität mit dem eigenen Smartphone. So war etwa die erste Samsung Galaxy Gear nur mit einer Handvoll Smartphones aus dem gleichen Hause kompatibel – und damit nur für wenige Nutzer wirklich interessant. Seit Android Wear haben sich die Einschränkungen deutlich verringert, lediglich die Android-Version des Smartphones setzt noch Grenzen. Bei der Apple Watch schaut die Sache jedoch anders aus: Wie erwartet funktioniert die Uhr nur in Kombination mit einem iPhone. Allerdings schauen Besitzer älterer Modelle dennoch in die Röhre – mindestens ein iPhone 5 muss es sein, sonst verweigert die Uhr den Dienst.

Der größte Kritikpunkt aller Smartwatches bleibt weiterhin die Abhängigkeit vom Mobiltelefon: Ohne gekoppeltes Smartphone funktioniert kaum etwas, manche Modelle zeigen dann nicht einmal mehr die Uhrzeit an. Die Apple Watch macht da keine Ausnahme – ohne iPhone ist sie kaum mehr als ein schicker Klotz am Handgelenk.

Teures Spielzeug in drei Versionen?

Das ist sie also, die Apple Watch. Zwar ist nicht auszuschließen, dass sich bis zum offiziellen Release im kommenden Jahr noch einige Dinge ändern könnten – der erste Eindruck bleibt allerdings zwiespältig. Die flammende Präsentation in bekannter Apple-Manier beeindruckt, doch haben wir wirklich etwas bahnbrechend Neues gesehen? Wohl nicht. Wie die neuen Android-Smartwatches muss auch die Apple Watch erst noch beweisen, dass sie einen echten Mehrwert bieten kann. Denn letztlich ist auch das edelste Gadget nicht mehr als ein Spielzeug.

Ähnliches gilt für den Preis: Der wird vermutlich bei rund 350 Euro für die kleinste Version der Standard-Edition liegen. Das ist erwartungsgemäß ein gutes Stück mehr als bei der Android-Konkurrenz – und längst nicht das Ende der Fahnenstange. Neben einer kleinen und einer großen Version bietet Apple eine widerstandsfähigere Sportuhr mit buntem Armband und eine Luxusvariante, verkleidet mit 18 Karat Gold. Ob Apple damit erneut den richtigen Riecher hat oder über das Ziel hinausschießt, wird erst die Markteinführung der Uhr im kommenden Jahr zeigen.

(tki)

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