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Tödliche Paarung - Pferdebesitzer haften nicht automatisch für die Folgen

25.06.2013 - 10:00

Verletzt eine Stute einen Hengst während des Deckaktes so schwer, dass er eingeschläfert werden muss, haftet ihr Besitzer grundsätzlich für den Vorfall. Hat der Halter des Hengstes die Verletzungsgefahr jedoch bewusst in Kauf genommen, entfällt diese Haftungspflicht. Das hat das Oberlandesgericht Koblenz in einem kürzlich veröffentlichten Urteil entschieden.

Im konkreten Fall vereinbarten die Eigentümerin einer Stute und die Halterin eines Hengstes die Paarung der beiden Pferde. Diese erfolgte auf natürlichem Wege – mit dem sogenannten Natursprung – wobei die Tiere jeweils an einem langen Zügel geführt wurden. Zudem wurde einvernehmlich auf eine Sicherung der Stute durch Spannstricke – die ein Ausschlagen des Tieres verhindern – verzichtet.

Nach dem Akt trat die Stute nach hinten aus und traf den Hengst am Bein. Der dadurch erlittene Trümmerbruch war inoperabel, sodass das Tier noch am selben Tag eingeschläfert werden musste.

Seine Besitzerin verlangte daraufhin von der Halterin der Stute Schadensersatz, da diese in den Augen der Klägerin im Sinne der allgemeinen Tierhalterhaftung für den Schaden verantwortlich sei. Die Beklagte wies die Verantwortung jedoch von sich. Ihre Begründung: Durch den Verzicht auf die üblichen Sicherheitsvorkehrungen treffe die Klägerin eine Mitschuld. Und damit hatte sie vor Gericht auch Erfolg.

Klägerin ist auch nicht ganz unschuldig

Bereits die Erstinstanz wies die Klage der Hengst-Halterin ab. Auch das von ihr angerufene Oberlandesgericht Koblenz schloss sich dieser Sichtweise an. Die Besitzerin der Stute musste folglich keinen Schadensersatz zahlen.

Die Argumentation der Koblenzer Richter: Das Austreten während des Deckaktes sei ein natürliches Verhalten, mit dem zu rechnen gewesen sei. Durch die Zügel-Haltung hätten die Pferde – im Gegensatz zum freien Decken – nicht alle Zwischenschritte der Kontaktaufnahme durchführen können. Dennoch habe die Klägerin keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen ergriffen und so das Verletzungsrisiko des Hengstes bewusst in Kauf genommen.

Pferdehaftpflicht für die finanzielle Rückendeckung abschließen

Da Pferdebesitzer aber grundsätzlich per Gesetz für alle Schäden haften, die ihre Vierbeiner verursachen, ist es ratsam, eine leistungsstarke Pferdehaftpflichtversicherung abzuschließen. Der Jahresbeitrag einer Pferdehalterhaftpflicht ist verglichen mit den möglichen millionenschweren Personen- und Sachschäden, für die Sie als Pferdehalter mit Ihrem gesamten Vermögen haften, verschwindend gering.

(kro)

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