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Stromkennzeichnung: Öko-Anbieter beklagen Etikettenschwindel mit EEG-Strom

09.11.2011 - 17:01

Die Stromkennzeichnung vieler Stromanbieter täuscht Verbraucher über den wahren Ökostrom-Anteil am Strommix. Diesen Vorwurf erheben vier reine Öko-Anbieter in einer gemeinsam verschickten Mitteilung. Sie fordern eine Änderung der gesetzlichen Regelungen, um das so genannte Greenwashing - das Vorgaukeln von Umweltfreundlichkeit - zu unterbinden.

Seit November müssen Stromanbieter eine aktualisierte Stromkennzeichnung verwenden, die sich jetzt auf den Strommix des Jahres 2010 beziehen muss. Dabei greift erstmals eine Regelung aus dem im Sommer überarbeiteten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), gegen die sich die vier Öko-Anbieter (Greenpeace Energy, Lichtblick, Naturstrom AG und Elektrizitätswerke Schönau) wenden. Sie verpflichtet Stromanbieter, einen sogenannten EEG-Stromanteil anzugeben. Er entspricht der Menge an Ökostrom, die von den Kunden des Unternehmens durch die Zahlung der EEG-Umlage gefördert wurde.

Die EEG-Quote landet an der Börse, nicht beim Kunden

Allerdings wird diese Strommenge nicht an die Kunden des Stromanbieters geliefert, sondern an der Börse vermarktet. Dadurch ist es für einen Stromanbieter, der keine einzige Kilowattstunde aus erneuerbaren Energien kauft und seine Kunden nur mit Kohle- und Atomstrom beliefert, möglich, einen Ökostrom-Anteil von bis zu 20 Prozent auszuweisen, beklagen die vier Öko-Anbieter. Die Stromkennzeichnung sorge dadurch für Verbrauchertäuschung statt für Transparenz.

Die vier Unternehmen fordern, die EEG-Quote durch einen Hinweis zu ersetzen, dass der Stromkunde den Ausbau der erneubaren Energien durch die Zahlung der EEG-Umlage unterstützt. Immerhin: Die EEG-Quote muss getrennt von den "sonstigen erneuerbaren Energien" ausgewiesen werden. Dadurch wird für gut informierte Kunden deutlich, wie viel Ökostrom ihr Anbieter explizit aus regenerativen Energiequellen bezogen hat.

Stromkennzeichnung in der Kritik

Auch vor der Einführung dieser Regelung hatten Umweltschützer die Kennzeichnungsregeln bereits bemängelt: So muss beim Ökostrom nicht angegeben werden, ob er aus neuen Anlagen stammt, die schmutzige konventionelle Kraftwerke ersetzen, oder aus alten Wasserkraftwerken, wodurch sich nichts am landesweiten Energiemix ändert. Außerdem ermögliche der Kauf von RECS-Zertifikaten, Strommengen aus konventionellen Kraftwerken als Ökostrom zu vertreiben, so Kritiker.

Bei der Berechnung des durch Atomstrom entstehenden radioaktiven Mülls werden nur die abgebrannten Brennstäbe berücksichtigt. Die strahlenden Abfallmengen, die bei der Herstellung der Brennelemente oder dem Abriss von Atomkraftwerken anfallen, werden nicht bewertet. Zudem werden die Übertragungsverluste und die Regelenergie, die von den Netzbetreibern eingesetzt werden muss, um die Spannung und Frequenz im Stromnetz stabil zu halten, nicht in der Stromkennzeichnung ausgewiesen.

Nachhaltiger Ökostrom im Vergleich

Umweltbewusste Stromkunden sollten daher nicht allein auf die Stromkennzeichnung achten, sondern sich informieren, aus welchen Quellen ihr Anbieter tatsächlich seinen Strom bezieht. Eine gute Orientierungsmöglichkeit bieten auch Ökostrom-Zertifikate unabhängiger Institutionen, zum Beispiel OK-power oder das Grüner Strom Label. Sie überwachen die Herkunft des Stroms und verlangen zusätzlich die Einhaltung von Qualitätsstandards. Der Ökostrom-Rechner zeigt nur noch derartige Tarife an, wenn Nutzer die Option "nachhaltiger Ökostrom" auswählen.

(mb)

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