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Energiewende: Photovoltaik-Anlagen sollen Stromnetz stabilisieren

13.10.2011 - 16:28

Photovoltaikanlagen können das Stromnetz während der Energiewende stabilisieren. Ingenieure haben im unterfränkischen Schwarzach am Main eine Pilotanlage errichtet, die mit ihrem Wechselrichter Schwankungen im Netz ausgleichen kann. Auf diese Weise könnte der Ausbaubedarf des Stromnetzes minimiert werden, hoffen die Erfinder.

Das deutsche Stromnetz ist ein empfindliches Gebilde. Spannung und Frequenz des Wechselstroms müssen im Bereich von fest definierten Werten gehalten werden. Bei Abweichungen drohen nicht nur Schäden an elektrischen und elektronischen Geräten. Im Extremfall aktivieren sich Schutzschaltungen und trennen Leitungen vom Netz - was im ungünstigsten Fall dazu führt, dass weitere Leitungen überlastet werden und sich abschalten. Der Blackout ist da, die Lichter gehen aus.

Seit der Abschaltung von acht Atomkraftwerken haben die Probleme im deutschen Netz deutlich zugenommen, weil mit den Meilern große und verlässliche Stromproduzenten weggefallen sind. Zudem muss nun mehr Strom über längere Strecken transportiert werden, weil die Kernkraftwerke stets in der Nähe von Regionen mit hohem Stromverbrauch standen. Da immer mehr Energie von Offshore-Windparks vor der Küste kommen soll, der höchste Strombedarf aber in Süddeutschland besteht, wird sich die Belastung des Netzes künftig noch weiter erhöhen. Hinzu kommt die schwankende Einspeisung der erneuerbaren Energien.

Photovoltaik: Vom Problemfall zum Stabilisierungsfaktor

Solarkraftwerke galten bislang eher als Teil des Problems und als Hindernis für einen stabilen Netzbetrie, aber nicht als Teil der Lösung. Das soll sich nun ändern. Wie Spiegel online berichtet, haben zwei Unternehmen eine Photovoltaik-Kraftwerk bei Schwarzach am Main mit einem Wechselrichter ausgerüstet, der sogenannte Blindleistung aufnehmen und abgeben und auf diese Weise das Netz stabilisieren kann. Energie aus den Solarzellen ist dazu nicht nötig - das Solarkraftwerk kann also auch nachts eingreifen. Bisher erledigten vor allem die Generatoren der großen konventionellen Kraftwerke diese Aufgabe.

Würden - verteilt über das Land - derartige Photovoltaikanlagen installiert, könnte der Netzausbau zurückgefahren werden, gegen den Anwohner regelmäßig auf die Barrikaden gehen, werben die Erbauer der Pilotanlage. Denn zum einen würden die Solarparks dezentral Ökostrom erzeugen und einen Teil der Stromtransporte über weite Strecken unnötig machen. Zum anderen könnten sie durch ihre Stabilisierung helfen, die bestehenden Kabel besser auszulasten.

Der Netzausbau wird trotzdem gebraucht

Allerdings: Die Technik steckt noch in den Kinderschuhen. Bis die Solar-Wechselrichter stabil genug arbeiten, um die Stromversorgung des Landes von ihnen abhängig zu machen, wird es noch dauern. Und es kommen nur ausreichend große Photovoltaik-Kraftwerke in Frage - die Wechselrichter kleiner Anlagen auf Hausdächern haben schlicht nicht genug Kapazität. Die Idee der Solar-Tüftler kann die Energiewende zwar unterstützen. Neue Stromleitungen werden aber dennoch gebaut werden müssen.

(mb)

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