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Paradox: Ökostrom senkt Börsenstrompreis - Verbraucher müssen draufzahlen

05.06.2012 - 16:51

Das deutsche Fördersystem für Ökostrom erzeugt einen paradoxen Effekt: Die zunehmende Einspeisung von Energie aus Photovoltaikanlagen und Windparks senkt zwar den Börsenstrompreis. Doch private Verbraucher können davon nicht profitieren - im Gegenteil: Sie zahlen sogar drauf, weil die EEG-Umlage steigt.

Produzenten von Ökostrom erhalten nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine garantierte Vergütung für jede Kilowattstunde, die sie ins Stromnetz einspeisen. Wie viel und wie lange gezahlt wird, richtet sich nach der Art der Anlage und dem Zeitpunkt, an dem sie in Betrieb genommen wurde. So erhält beispielsweise eine kleine Photovoltaikanlage mit weniger als 30 Kilowatt Nennleistung, die 2011 auf einem Hausdach montiert wurde, 20 Jahre lang 28,74 Cent für jede eingespeiste Kilowattstunde.

Die EEG-Umlage finanziert die Differenz zum Marktpreis

Das ist meist teurer als der Großhandelspreis an der Energiebörse. Gleichzeitig sind die Versorger aber verpflichtet, den Ökostrom abzunehmen. Die Mehrkosten gegenüber dem Börsenpreis werden als EEG-Umlage an die Stromkunden weitergegeben. Werden an der Energiebörse also zwölf Cent pro Kilowattstunde verlangt, müssen für jede Kilowattstunde der Photovoltaikanlage 16,74 Cent draufgelegt werden. Dieser Mechanismus sollte Investitionen in Öko-Kraftwerke rentabel machen - und er funktionierte gut. Doch mit der steigenden Zahl an Solarzellen und Windräder erzeugt dieses System ein Problem.

An der Energiebörse, wo sich Stromanbieter und Großabnehmer wie Fabriken mit Strom eindecken, schwanken die Strompreise ständig. Angebot und Nachfrage bestimmen hier den Preis. In nachfrageschwachen Zeiten wird die Energie sehr billig für wenige Cent angeboten - zu Spitzenlastzeiten, zum Beispiel mittags, schnellen die Preise dagegen nach oben. Immer öfter aber rauschen die Strompreise stattdessen in den Keller. Teilweise wird der Strom an der Börse sogar verschenkt.

Wachstum beim Ökostrom lässt Großhandelspreise sinken

Mittags liefern die zahlreichen Photovoltaikanlagen viel Strom - am Pfingstwochenende 2012 zum Beispiel so viel wie 20 große Atomkraftwerke. Wenn eine kräftige Brise weht, produzieren außerdem die Windräder Strom im Überfluss. Dieses Überangebot lässt die Strompreise immer wieder ins Bodenlose fallen. Generell sinken die Großhandelspreise wegen des Wachstums der erneuerbaren Energien seit Monaten - trotz des Atomausstiegs. Davon profitieren Großabnehmer, die dann billiger einkaufen können. Privatkunden zahlen dagegen einen festen Betrag proKilowattstunde an ihren Stromanbieter und schauen in die Röhre.

Schlimmer noch: Wenn der Börsenstrompreis sinkt, wächst die Differenz zur Einspeisevergütung. Kostet eine Kilowattstunde an der Börse nur noch zwei Cent, müssen die Letztverbraucher über die EEG-Umlage für jede Kilowattstunde der Beispiel-Photovoltaikanlage nun 26,74 Cent zuschießen. Das lässt die Umlage steigen. Gleichzeitig wächst aber auch noch der Anteil des Ökostroms im Netz und damit die Strommenge, die auf diese Weise abgerechnet wird. Der Erfolg der Ökostromförderung lässt die Förderkosten damit explodieren.

Das System gehört auf den Prüfstand

Liegt die EEG-Umlage derzeit noch bei 3,59 Cent pro Kilowattstunde plus Mehrwertsteuer, könnte 2013 schon die Fünf-Cent-Marke überschritten werden, prognostizieren die Stromnetzbetreiber. Der Direktor des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR), Norbert Allnoch, fordert deshalb, den gesamten Mechanismus der Ökostromförderung und -Vermarktung auf den Prüfstand zu stellen: "Es kann nicht sein, dass die Stromverbraucher wegen fallender Börsenstrompreise bestraft werden und dafür am Ende über eine höhere EEG-Umlage teuer bezahlen müssen."

(mb)

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