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Erneuerbare Energien: Regierung plant Marktprämie für Ökostrom

05.05.2011 - 12:54

Die Regierung will neue Fördermittel für erneuerbare Energien locker machen: Eine Marktprämie soll die bedarfsgerechte Einspeisung von Ökostrom und den Bau von Stromspeichern voranbringen. Mehr Geld soll es auch für Offshore-Windräder geben, bei anderen Erzeugungsarten soll dagegen gekürzt werden. So sollen die Atomkraftwerke ersetzt werden, die nach einem Zeitungsbericht bis 2022 abgeschaltet werden sollen. Kritik kommt ausgerechnet aus der Ökostrom-Branche: Ihre Vertreter bezeichneten die Pläne als teuren Placebo.

Deutschland gibt Gas beim Atomausstieg: Nach einem Bericht der Rheinischen Post will Kanzlerin Angela Merkel das letzte deutsche AKW 2022 vom Netz nehmen. In die Bresche springen sollen neben effizienten Gaskraftwerken vor allem die erneuerbaren Energien, die dazu massiv ausgebaut werden müssen. Ihre Förderung soll deshalb durch eine Marktprämie ergänzt werden, so mehrere Medien unter Berufung auf ein Eckpunktepapier von Bundesumweltminister Norbert Röttgen zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die im Januar 2012 in Kraft treten soll.

Die Betreiber der Öko-Kraftwerke sollen optional die Möglichkeit erhalten, ihren Strom zu Marktpreisen zu verkaufen. Als EEG-Förderung bekämen sie dann die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Preis an der Strombörse und der EEG-Einspeisevergütung ausbezahlt - auch wenn die Großhandelspreise für Strom wegen starker Nachfrage oder schwacher Produktion höher liegen würden als der Durchschnittspreis. Dadurch sind Zusatzgewinne möglich, die zu einer bedarfsgerechten Einspeisung des Ökostroms und zu einem verstärkten Bau der dringend benötigten Stromspeicher führen sollen.

Trotz Marktprämie bleibt Ökostrom bevorzugt

Die bedarfsgerechte Einspeisung könnte die Belastungen für das Stromnetz durch die schwankende Erzeugung aus erneuerbaren Energien und den Ausbaubedarf reduzieren. Grundsätzlich soll es aber dabei bleiben, dass Ökostrom vorrangig ins Netz eingespeist wird. Bei Starkwind oder viel Sonnenschein müssen deshalb zuerst konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen. Ausgerechnet Vertreter der Ökostrom-Branche nannten die Pläne deshalb einen teuren Placebo: Stromspeicher seien wesentlich teurer als die möglichen Zusatzeinnahmen aus der Marktprämie. Zu erwarten seien deshalb allenfalls Mitnahmeeffekte und damit Mehrkosten für die Verbraucher, aber keine Fortschritte bei der Sicherung der Grundlast, so die Financial Times Deutschland unter Berufung auf einen anonymen Branchenvertreter.

Mehr Geld in Form einer erhöhten Einspeisevergütung soll es auch für die Offshore-Windkraft geben, die wegen der gleichmäßigeren Windverhältnisse auf See konstanter Strom erzeugen kann als die Anlagen an Land. Zusätzlich soll ein KfW-Kreditprogramm Investoren anlocken, die ihr Geld bisher wegen der dort günstigeren Finanzierungsbedingungen lieber in Windräder in Großbritannien steckten. Ein Gesetzesvorschlag, der die Genehmigungsverfahren für Windräder auf See vereinfachen soll, wurde laut Focus online bereits vom Bundeskabinett gebilligt. Auch die Nutzung der Geothermie will Röttgen forcieren. Förderkürzungen soll es den Berichten zufolge dagegen bei der Photovoltaik, der Biomasse und der Onshore-Windenergie geben.

Elektrolyse: Das Gasnetz als Stromspeicher

Unterdessen will E.ON laut FTD in innovative Stromspeichertechniken investieren und plant den Bau einer großen Elektrolyseanlage in Norddeutschland. Sie soll überschüssigen Ökostrom in Wasserstoff umwandeln, der anschließend ins Erdgasnetz eingespeist, gespeichert oder in KWK-Anlagen wieder verstromt werden kann. Vorteil gegenüber Pumpspeicherkraftwerken: der geringere Platzbedarf und die Unabhängigkeit von der Topographie - allerdings bei deutlich schlechterem Wirkungsgrad.

Auch der Öko-Anbieter Greenpeace Energy setzt auf diese Technik und will ab Herbst in Deutschland einen Windgas-Tarif anbieten. Kunden sollen durch höhere Gaspreise den Ausbau der umweltfreundlichen Technologie fördern. In der Startphase werden sie allerdings noch normales Erdgas beziehen, erst später sollen sie mit echtem Windgas versorgt werden. Bei E.ON ist man ebenfalls noch weit von einer Realisierung entfernt: Derzeit läuft die Standortsuche. Die Energiewende - sie bleibt mühsam.

(mb)

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