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Energiewende und Kältewelle: Stromnetz bleibt stabil

06.02.2012 - 18:26

Deutschlands Stromnetz trotzt der Kältewelle. Anders als von Kritikern der Energiewende befürchtet ist es trotz klirrendem Frost bisher zu keinem Blackout gekommen. Vereinzelt liefert Deutschland sogar Strom an das Nachbarland Frankreich. Diese Nachricht ist allerdings keine Entwarnung: Es muss dennoch massiv in neue Stromleitungen und Gaskraftwerke investiert werden, um die Energieversorgung in Zukunft abzusichern.

In Europa herrscht seit Tagen strenger Frost. Die Eiseskälte bringt zahlreiche Probleme mit sich: Schäden an Fernwärmeleitungen, verstopfte Filter in Gasleitungen, überlastete Heizanlagen. Teilweise wird die Kälte sogar lebensbedrohlich. Ein Problem ist bislang allerdings nicht aufgetreten: Ein großflächiger Blackout in Deutschland. Allen Befürchtungen zum Trotz blieb die Stromversorgung stabil - auch nach der Stilllegung von acht Kernkraftwerken.

Wie mehrere Zeitungen übereinstimmend berichten, melden die Betreiber der Höchstspannungsnetze im Moment keine Auffälligkeiten. Die Lage sei angespannt, aber nicht kritisch, zitiert die Financial Times Deutschland Sprecher der Netzbetreiber Tennet und Amprion. Auch die Bundesnetzagentur trifft demnach keine besonderen Maßnahmen wegen der Kälte. Denn in Norddeutschland speisen zahlreiche Windräder Strom ins Netz. Im Süden kompensieren die vielen Photovoltaikanlagen dank des klaren, sonnigen Wetters locker die Engpässe durch den Wegfall mehrerer großer Kernkraftwerke.

Stromknappheit droht im Atomstromland Frankreich

Eng wird es dagegen ausgerechnet im Atomstromland Frankreich. Dort droht laut taz eine Stromknappheit, weil viele Häuser und Wohnungen elektrisch beheizt werden. In den vergangenen Tagen gingen daher nicht nur die deutschen Stromimporte aus Frankreich deutlich zurück. Wie die Daten des Verbands Europäischer Übertragungsnetzbetreiber zeigen, floss teilweise sogar Strom in umgekehrter Richtung über die Grenze. Auch andere Nachbarländer beziehen zurzeit häufig Strom aus Deutschland. Trotz der Energiewende hat die Bundesrepublik im gesamten Jahr 2011 den Titel des Stromexporteurs behalten, wie eine Studie im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen zeigt.

Doch die Ausfuhren gingen deutlich zurück. Zudem fallen die Monate Januar und Februar mit in die Statistik, als noch alle Atomkraftwerke am Netz waren. Unterm Strich hat die Energiewende eben doch für deutliche Veränderungen gesorgt. Das äußert sich nicht nur in den regelmäßigen Warnungen der Netzbetreiber, sondern auch darin, dass die Nachbarländer Polen und Tschechien drohen, ihre Grenzen für deutschen Ökostrom dicht zu machen. Sie fürchten um ihre Netze, wenn bei Starkwind plötzlich große Strommengen aus Deutschland kommen und sie ihre eigenen Kraftwerke nicht schnell genug herunterregeln können.

Neue Stromleitungen, neue Kraftwerke

Zudem sind derzeit praktisch alle großen Kraftwerke am Netz - fällt eines aus, kann es schnell kritisch werden. Das zeigte sich im vergangenen Dezember, als ein Block des bayerischen Atomkraftwerks Gundremmingen außerplanmäßig stillstand. Tennet musste auf Reservekraftwerke in Österreich zurückgreifen. Bis 2022 werden aber noch neun weitere Atomkraftwerke abgeschaltet. Ohne einen Ausbau der Stromnetze, ohne Stromspeicher und ohne moderne Gaskraftwerke kann die Energiewende daher nicht funktionieren.

(mb)

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