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Kommentar: E.ON-Chef fordert Stromkostenzuschüsse für Geringverdiener

29.03.2012 - 17:50

Strom darf auch für Geringverdiener nicht zum Luxusgut werden. Geringverdiener sollten deshalb Stromkostenzuschüsse erhalten. Mit dieser wohlfeilen Forderung hat sich E.ON-Chef Johannes Teyssen in der BILD-Zeitung zu Wort gemeldet. Am Herzen liegen dürfte dem Manager dabei aber eher das Image seines vom Atomausstieg gebeutelten Konzerns als das Wohl von Haushalten mit geringem Einkommen.

Wer niedrigere Energiepreise fordert, macht sich beliebt. Nach dieser Boulevardpresse-Logik gehen Politiker vor, die Ölkonzerne wegen zu hoher Benzinpreise anprangern - während der Staat über Energie- und Mehrwertsteuer kräftig mitverdient. Genauso macht es jetzt auch E.ON-Chef Teyssen: Er bedient das Bauchgefühl vieler Bürger, die ihre Stromrechnung als zu hoch empfinden und Angst vor weiter steigenden Kosten durch die Energiewende haben.

Die Ökostromförderung ist unsozial

Nun muss man einräumen: Der Mann hat recht. Zumindest in einem Punkt: Die Verbraucher müssen mit jeder Kilowattstunde für die Ökostromförderung und die Entlastung von energieintensiven Industriebetrieben zahlen. Geringverdiener und Hartz IV-Empfänger, die mit jedem Cent rechnen müssen, subventionieren so die Profite von Großkonzernen sowie Solarmodule, mit denen solvente Eigenheimbesitzer Rendite einfahren. Das mag vielleicht volkswirtschaftlich sinnvoll sein - gerecht ist es aber nicht.

Nur: Deswegen einen Stromkostenzuschuss auf Kosten des Steuerzahlers einzuführen, wäre genauso unsinnig. Damit würde nur ein hoher Stromverbrauch in Haushalten mit geringen Einkommen unterstützt. Mit der nächsten Preiserhöhung würde die Entlastung dahinschmelzen. Profitieren dürften von einer solchen Regelung vor allem Stromanieter wie der E.ON-Konzern. Zum einen, weil einkommensschwache Kunden dank des Staatsgeldes pünktlicher zahlen könnten. Das würde die Kosten für Mahnwesen und Inkasso senken. Zum anderen, weil viele Kunden damit geringere Anreize zum Strom sparen hätten.

Sozial gerecht wäre: Energiesparen fördern

Ginge es dem obersten E.ON-Manager um die soziale Gerechtigkeit, müsste er etwas ganz anderes fordern: Unterstützung für einkommensschwache Haushalte beim Kauf von energiesparenden Elektrogeräten und Lampen. Damit wären die Betroffenen genauso entlastet - gleichzeitig würde mit den eingesetzten Steuergeldern aber auch noch Energie gespart und nebenbei die Umwelt entlastet. Zudem verlören künftige Strompreissteigerungen für Haushalte mit geringem Einkommen ein Stück weit ihren Schrecken. Zugegeben: Der Verwaltungsaufwand wäre hoch. Aber wahrscheinlich auch nicht höher als bei der Auszahlung eines Stromkostenzuschusses.

Hinzu kommt: Die Energiewende hat seit ihrem Beschluss die Stromkosten noch kaum steigen lassen. Die Großhandelspreise für Strom liegen derzeit niedriger als vor Fukushima, die EEG-Umlage wurde zum Jahreswechsel nur um 0,06 Cent erhöht und die Solarförderung wird massiv zurückgefahren. Die Netzgebühren sind dagegen zum 1. Januar 2012 deutlich gestiegen - unter anderem bei E.ON. Deshalb täuscht der E.ON-Chef die Verbraucher gleich doppelt: Er positioniert sich nicht nur als Vorkämpfer der sozialen Gerechtigkeit, während sein Unternehmen Gewinne optimiert. Er macht auch noch Stimmung gegen die Energiewende, die seinen Konzern die profitablen Atomkraftwerke gekostet hat - die Verbraucher aber langfristig unabhängig von teuren fossilen Energien machen soll.

(mb)

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