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Elektroautos: Sieben Atomkraftwerke für die E-Mobilität

12.05.2011 - 18:02

Die Bundesregierung preist Elektroautos als umweltfreundlich und will ihren Absatz massiv fördern. Im Gespräch sind unter anderem Steuererleichterungen und weitere Vergünstigungen. Eine starke Verbreitung des Stromantriebs dürfte allerdings die Bemühungen um einen umweltfreundlichen Atomausstieg untergraben - und könnte so den positiven Umwelteffekt des Stromantriebs zunichtemachen.

Die Bundesregierung will bei der Energiewende aufs Gas treten. Oder genauer gesagt auf die Leistungselektronik, schließlich ist es der Stromantrieb, der jetzt mit Nachdruck gefördert werden soll. Weniger Emissionen, weniger Lärm, dafür mehr Umweltschutz - die Elektromobile sollen freie Fahrt für freie Bürger bei grünem Gewissen ermöglichen. Laut Süddeutscher Zeitung wird unter anderem über eine zehnjährige Befreiung von der Kfz-Steuer nachgedacht. Dadurch soll der hohe Preis der Elektrovehikel kompensiert werden. Außerdem will der Staat selbst tausende E-Autos für Behörden und Dienststellen kaufen.

Knackpunkt ist die Stromerzeugung

Null Emissionen verursachen die Stromer zwar nicht, sie können aber das Klima deutlich entlasten. Der ADAC hat nachgerechnet: Ein Smart mit Benzinmotor stößt laut Werk 103 Gramm CO2 pro Kilometer aus, der Diesel 86 Gramm. Mit Elektroantrieb sind es - den deutschen Strommix zugrunde gelegt - 71 Gramm. Je mehr Ökostrom, desto weniger CO2. Knackpunkt ist also die Stromerzeugung. Würde der Fahrstrom allein aus Steinkohle erzeugt, käme der E-Smart nämlich auf 107 Gramm CO2 pro Kilometer. Mit Strom aus Braunkohle sähe es sogar noch schlechter aus.

Weil in Deutschland die Atomkraftwerke bald vom Netz gehen werden, müssen aber Kohle und Gas die Lücke füllen, bis die erneuerbaren Energien genug Strom liefern können. Wenn der Fahrstrom aber aus Kohlekraftwerken kommt, wird die E-Mobilität zum Klimadesaster. Ein zweites Problem: Alle Experten planen mehr Effizienz und einen deutlich geringeren Stromverbrauch ein, um den Umstieg auf erneuerbare Energien bezahlbar zu machen. Viele Elektroautos bewirken jedoch das Gegenteil: Sie verbrauchen viel Strom. Das macht die mühsam erzielten Sparerfolge durch Energiesparbirnen und A++-Kühlschränke zunichte.

Derzeit gibt es in Deutschland rund 42,3 Millionen PKW. Würden sie komplett durch ein viersitziges Elektroauto wie den Nissan Leaf ersetzt, kämen sie auf einen jährlichen Gesamt-Energieverbrauch von fast 70 Milliarden Kilowattstunden. Vorausgesetzt, man nimmt eine relativ geringe Jahresfahrleistung von 11.000 Kilometern pro Wagen an und legt die Verbrauchsangabe des Herstellers von 15 Kilowattstunden pro 100 Kilometer zugrunde. 70 Milliarden Kilowattstunden entsprechen der Jahresproduktion von sieben großen Kernkraftwerksblöcken.

Eine Million Elektroautos? Das macht neun Offshore-Windparks!

Allein die Million an Elektroautos, die es 2020 geben soll, würde nach dieser Rechnung jährlich etwa 1,65 Milliarden Kilowattstunden Strom verfahren - rund neunmal die Jahresproduktion des neuen Offshore-Windparks Baltic I. Ein gigantisches Ausbauprogramm wäre nötig, um genug Ökostrom für einen umweltfreundlichen Verkehr mit Elektroautos bereitzustellen. Wer behauptet, gleichzeitig die Atomkraftwerke abschalten, den Anteil der erneuerbaren Energien steigern und große Teile des Autoverkehrs auf Strom umstellen zu können, könnte als vierten Punkt auch noch die Quadratur des Kreises mit auf die Liste setzen. Er lügt sich in die Tasche.

(gh)

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