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Einspeisenetze für Windkraft sollen das Stromnetz entlasten

27.04.2012 - 17:43

Das Stromnetz muss für die Energiewende aufwändig und teuer ausgebaut werden. Einspeisenetze könnten den nötigen Aufwand verringern helfen. Das geht aus einer Studie hervor, die der Bundesverband Windenergie (BWE) auf der Hannover Messe vorstellte. Über derartige Leitungen könnten mehrere Windparks direkt mit dem Übertragungsnetz verbunden werden.

Das Problem: Immer mehr Windräder werden an die regionalen Stromnetze angeschlossen. Dadurch ändern sich die sogenannten Lastflüsse. Hinzu kommt: Die Windmühlen liefern mal sehr viel Strom, mal sehr wenig - je nach Windlage. Das belastet die Leitungen zusätzlich. Um Spannung und Frequenz des Stroms jederzeit im Bereich der Sollwerte halten und die Ausfallsicherheit gewährleisten zu können, muss das Netz massiv ausgebaut werden. Vor allem die 110 kV-Leitungen, die den Strom in die Regionen verteilen, sind davon betroffen. Doch ihr Ausbau kostet viel Geld - und dauert. Mit dem Ausbautempo der Winenergie können die Netzbetreiber kaum mithalten.

Ein Netz nur für Windräder

Die Lösung klingt zunächst überraschend: Statt die bestehenden 110 kV-Kabel aufzurüsten, will der BWE ein zweites, eigenständiges Netz aufbauen. Diese Leitungen sollen Gruppen von Windrädern mit zusammen bis zu 1.500 Megawatt Leistung direkt an das Übertragungsnetz anschließen. Auf diese Weise könnten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Zum einen würden die bestehenden Verteilernetze entlastet und müssten weniger stark ausgebaut werden. Zum anderen könnten Einspeisenetze billiger realisiert und betrieben werden als Stromleitungen, an die auch Verbraucher angeschlossen sind, weil sie wesentlich geringere Anforderungen an die Ausfallsicherheit erfüllen müssten.

Diesde Netze könnten von der Windkraftbranche selbst aufgebaut und betrieben werden. Ein erstes Modell gibt es schon: Die Betreibergesellschaft Enertrag verfügt in Brandenburg über ein 250 Kilometer langes Einspeisenetz mit einer angeschlossenen Leistung von 260 Megawatt. Machbar und praxistauglich wäre eine solche Lösung also - allerdings muss sie auch bezahlt werden. "Zur Finanzierung der Einspeisenetze sollte jetzt ein Modell vergleichbar mit dem Netzentgelt entwickelt werden" fordert deshalb BWE-Präsident Hermann Albers. Immerhin: Der Verband setzt auf Erdkabel - und hofft, dadurch auf geringeren Widerstand in der Bevölkerung zu treffen.

Stromautobahnen müssen trotzdem gebaut werden

Alle Probleme beim Netzausbau können aber auch Einspeisenetze nicht lösen. Sie würden zwar im Verteilernetz für eine Entlastung sorgen - Stromautobahnen, die große Energiemengen über weite Strecken transportieren können, müssten aber dennoch neu gebaut werden, um den Ökostrom der Windräder an den Küsten im Norden nach Süddeutschland zu bringen. Und gerade diese Projekte sind besonders umkämpft. Auch die Speicherung von Strom bleibt weiter eine Herausforderung. Von einem "Mosaikstein im Gesamtbild Energiewende" ist deshalb beim BEW mit Blick auf die Einspeisenetze die Rede. Doch wenn Teile fehlen, bleibt auch das schönste Mosaik nur Stückwerk.

(mb)

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