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Motorradunfall: Müssen Biker Motorradstiefel tragen?

21.05.2013 - 12:00

Auch wenn Motorradfahrer unverschuldet in einen Verkehrsunfall geraten und dabei verletzt werden, müssen sie manchmal über mehrere Jahre prozessieren, um ihre Ansprüche durchzusetzen. So beendete im April das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg den Rechtsstreit eines Bikers um Schmerzensgeld, der im Juni 2010 - also bereits vor fast drei Jahren - bei einem Zusammenstoß mit einem Pkw am Bein schwer verletzt worden war. Unstrittig war die volle Schuld des Autofahrers.

Dessen Versicherung wollte jedoch die Forderungen des Motorradfahrers um 50 Prozent kürzen. Begründung: Er habe zum Unfallzeitpunkt lediglich Turnschuhe getragen. Motorradstiefel hätten seine Verletzungen wahrscheinlich erheblich reduziert - daher sei er teilweise selbst schuld.

Verhängnisvoller Zusammenstoß beim Ausparken

Was war passiert? Der beklagte Autofahrer war rückwärts aus einer Parklücke auf die Straße gefahren. Da ihm ein parkender Wagen die Sicht versperrte, übersah der Pkw-Fahrer den nahenden Biker. Der Motorradfahrer wurde bei dem Zusammenstoß schwer am Fuß verletzt. Ein Teil des Beins musste kurz darauf amputiert werden.

 

Das geforderte Schmerzensgeld und weitere Schadenersatzansprüche beliefen sich auf über 50.000 Euro. Die Versicherung des Unfallfahrers weigerte sich jedoch mit dem Hinweis auf das ungenügende Schuhwerk des Bikers, die volle Summe zu bezahlen. Dagegen klagte der Motorradfahrer erfolgreich vor dem Landgericht Ansberg. Die gegnerische Partei legte Revision ein. Doch der Sichtweise der Vorinstanz schloss sich nun auch das angerufene Nürnberger OLG an.

Motorradstiefel sind nicht vorgeschrieben

Zum einen gebe es keine gesetzliche Vorschrift zum Tragen von speziellen Motorradstiefeln, ist in der Urteilsbegründung zu lesen. Abzuwägen war allerdings, ob sich der Motorradfahrer "verkehrsrichtig" verhalten habe oder nicht. So muss ein Biker dafür sorgen, die Gefahren im Straßenverkehr für seine Person möglichst gering zu halten.

 

Zu den Schutzmaßnahmen zählen etwa der vorschriftsmäßige Schutzhelm ebenso wie robuste Motorradbekleidung, Handschuhe und gegebenenfalls Protektoren. Dies haben verschiedene Gerichte - beispielsweise das OLG Düsseldorf und das OLG Brandenburg - in der Vergangenheit bestätigt und verunglückten Motorradfahrern ohne ausreichende Schutzbekleidung eine Teilschuld gegeben.

Für das OLG Nürnberg war jedoch der Begriff des Motorradstiefels seitens der beklagten Kfz-Versicherung zu schwammig formuliert. Auch konnte das Gericht nicht feststellen, dass das Tragen von Motorradstiefeln bereits "im allgemeinen Verkehrsbewusstsein" von Bikern verankert ist. Sprich: Nur wenn es Usus ist, dass Motorradfahrer feste Stiefel tragen, um das Verletzungsrisiko von sich aus zu verringern, sind leichte Sportschuhe ein "No-Go" - und der Turnschuh tragende Biker muss sich nach einem Unfall ein "Verschulden gegen sich selbst" anrechnen lassen.

(srh)

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