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Recht und Gewohnheit: Der feine Unterschied

06.03.2013 - 17:30

Motorradfahren: Da kommen Assoziationen von Freiheit, Lebensfreude und wahlweise Geschwindigkeitsrausch oder gemütliches Cruisen durch malerische Landschaften auf. Doch auch Motorradfahrer müssen sich an die Straßenverkehrsordnung (StVO) halten – auch wenn einige „Besonderheiten“ meist von den strengen Gesetzeshütern toleriert werden. Darüber hinaus gibt es einige versicherungsrelevante Unterschiede zwischen Biker und Autofahrer.

Den Vorwärtsdrang eines Motorradfahrers hält so schnell nichts auf – ein Stau schon gar nicht. Wozu gibt es den Seitenstreifen beziehungsweise die Rettungsgasse zwischen den Fahrstreifen? Hindurchschlängeln erlaubt?

Am Stau vorbei: in Deutschland nicht erlaubt, aber meist geduldet

Nun ja, nicht wirklich. Laut der StVO müssen sich auch Motorradfahrer bei Stausituationen in Geduld üben – auch wenn sie in der Hitze brüten, in der Kälte frieren und den Abgasen der umstehenden Fahrzeuge ausgesetzt sind. Laut dem ADAC wird ein Hindurchschlängeln von Motorradfahrern in der Praxis von der Polizei aber normalerweise nicht geahndet. Kommt es jedoch deswegen zum Unfall, wird dem Motorradfahrer vor Gericht ein Mitverschulden wegen unzulässigem Überholen angelastet.

 

Anders sieht es in Österreich aus. Hier dürfen Motorradfahrer bei Stau seit Jahren vorsichtig am übrigen stehenden Verkehr vorbeifahren. Der Standstreifen bleibt aber auch in der Alpenrepublik tabu. Er ist wie hierzulande Einsatzkräften und liegengebliebenen Fahrzeugen vorbehalten.

Angemessene Schutzkleidung: keine Pflicht, aber ratsam

In Sachen Schutzkleidung schreibt der deutsche Gesetzgeber lediglich eine Helmpflicht vor. Ansonsten kann theoretisch jeder Motorradfahrer in T-Shirt, Shorts und FlipFlops auf seiner Maschine unterwegs sein. Davon ist jedoch dringend abzuraten. Die Gerichte sehen es gar nicht gerne, wenn der Kradfahrer bei der Schutzkleidung schludrig verfährt.

 

Erleidet er bei einem Unfall Verletzungen, wird ihm ohne ausreichende Schutzausrüstung schnell ein sogenanntes Mitverschulden gegen sich selbst angerechnet. So sprach beispielsweise das Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg in einem Fall aus dem Jahr 2009 einem unschuldig in einen Unfall verwickelten Motorradfahrer nur einen Teil des geforderten Schmerzensgeldes für seine erlittenen Verletzungen zu.

Der Mann sei seiner Pflicht, die Gefahren im Straßenverkehr möglichst gering zu halten, durch seine luftige Bekleidung nicht nachgekommen, so das Gericht in der Urteilsbegründung. Er sei daher bewusst ein erhöhtes Verletzungsrisiko im Fall eines Unfalls eingegangen. Deshalb sei es sachgerecht, bei der Bemessung des Schmerzensgeldes ein Verschulden gegen sich selbst zu berücksichtigen. Schutzkleidung wird zudem von allen maßgeblichen Motorradverbänden angeraten.

Beschädigte Schutzausrüstung wird von der Versicherung voll erstattet

Wessen Schutzkleidung nach einem unverschuldeten Unfall nicht mehr zu gebrauchen ist, kann gegenüber der gegnerischen Versicherung die Erstattung des Neupreises verlangen. Der sogenannte Abzug neu gegen alt ist nicht vorzunehmen. Dies haben mittlerweile zahlreiche Gerichtsurteile bestätigt. Ein Schutzhelm sollte nach einem Unfall grundsätzlich nicht weiter verwendet werden, da seine Schutzfunktion nicht mehr gewährleistet ist.

Nutzungsausfall des Motorrads nach Unfall meist nicht anerkannt

Gegenüber Autofahrern sind die meisten Biker bei der Frage des Nutzungsausfalls nach einem Verkehrsunfall im Nachteil. Während Autofahrer, die unverschuldet in einen Unfall geraten sind, in der Regel für die Zeit, in der ihr Wagen repariert wird, ein Ersatzauto nutzen beziehungsweise für die Zeit der Wiederbeschaffung einen Nutzungsausfall geltend machen können, schauen Motorradfahrer meist in die Röhre. Wird das Motorrad als reines Freizeitfahrzeug neben einem Pkw genutzt, wird normalerweise kein Nutzungsausfall erstattet.

 

Und wie sieht es beim Parken aus? In einigen Städten existieren gesonderte Abstellflächen für Motorräder. Ansonsten ist viel Wildwuchs zu betrachten. Gerne nutzen Motorradfahrer freie Flächen auf Gehwegen oder Plätzen, um ihre Maschinen abzustellen. Grundsätzlich ist das verboten – Motorräder werden laut StVO wie andere Kfz auch behandelt, dürfen demnach nur in den vorgesehenen Haltebuchten abgestellt werden. Werden Parkschein oder Parkscheibe verlangt, muss auch dies vom Fahrer eingehalten werden.

Doch wohin mit dem gezogenen Ticket? Wohin mit der Parkscheibe? Einigen Kommunen ist das Dilemma offenbar bewusst – sie verzichten auch einmal aufs Abschleppen oder Knöllchen schreiben. Ein Freifahrtschein für Motorradfahrer ist dieser Umstand jedoch deswegen noch lange nicht.

Wer jederzeit und überall gut geschützt auf seinem Motorrad unterwegs sein möchte, sollte eine leistungsstarke Motorradversicherung besitzen. Bei CHECK24 finden Sie passende Policen zu fairen Preisen.

(srh)

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