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Große Unbekannte: Die neue Motorrad-Führerscheinklasse A2

18.07.2013 - 12:00

Viele Autofahrer im besten Alter können seit diesem Jahr relativ einfach und kostengünstig zu echten Bikern mutieren. Möglich macht dies die seit dem 19. Januar 2013 gültige Führerschein-Novelle auf EU-Ebene. Doch diese Möglichkeit wird kaum genutzt - vielleicht auch deshalb, weil viele der potenziellen Biker gar nichts von ihrem Glück wissen.

Im Januar dieses Jahres wurde der Vielfalt der Führerscheinklassen eine weitere hinzugefügt: die Klasse A2. Mit ihr in der Tasche dürfen Motorräder bis 35 kW beziehungsweise 48 PS gefahren werden. 48 PS hören sich nicht viel an. Bei einem Bike reichen die Pferdestärken aber allemal aus, um für echten Fahrspaß zu sorgen. Maschinen dieser Kategorie sind beispielsweise Kawasaki Ninja 300, Honda NC 700 X, Kawasaki ER-6n, Aprilia Shiver 750, BMW G 650 GS, Triumph Street Triple und Yamaha TMax 530.

Einstiegshürden für die 48-PS-Klasse sind gering

Die netten Nebeneffekte dieser Maschinen: Sie sind günstig in der Steuer und Motorradversicherung. Auch die Anschaffungskosten - ob neu oder gebraucht -  sind überschaubar. Die persönliche Einstiegshürde in den Fahrspaß ist ebenfalls niedrig. Wer seinen Autoführerschein vor dem 1. April 1980 erworben hat (die alte Führerscheinklasse 3), kann nun den Motorrad-Schein A2 ganz ohne Theorieprüfung und Pflichtfahrten machen. Im Prinzip reicht es aus, sich zur Praxisprüfung anzumelden und zu bestehen.

 

Im Alltag sieht es wohl ein wenig anders aus. Wer zuvor noch nie auf einem Motorrad saß, wird schwerlich auf Anhieb den Praxistest vor den strengen Augen des Prüfers bestehen. Deshalb hat die Zeitschrift auto motor und sport die Probe aufs Exempel gemacht und Probanden den neuen Führerschein für das Motorrad machen lassen. Ergebnis: Im Testfall reichten sechs Doppelstunden Fahrtraining aus, um den Lappen zu erhalten. Gesamtkosten inklusive Gebühren laut dem Fachmagazin: 844 Euro. Das ist erheblich weniger Geld, als angehende Biker für den "normalen" Motorradführerschein der Klasse A auf den Tisch legen müssen.

Nach zwei Jahren A2 kann der "Vollschein" Klasse A erworben werden

Die leistungsoffene Klasse A ist auch für A2-Besitzer nach zwei Jahren zugänglich: Wieder genügt eine kurze Demonstration des Könnens im Rahmen einer Praxisprüfung - dann kann jede Maschine mit Straßenzulassung gefahren werden.

 

Doch der Andrang der Biker-Anwärter 50+ hält sich bis jetzt in Grenzen. Das ergab zumindest eine stichprobenartige Befragung der Zeitschrift bei verschiedenen Fahrschulen. Dabei wäre die Klientel durchaus vorhanden. Rund zehn Millionen Personen besitzen aktuell eine Pkw-Fahrerlaubnis, die vor dem 1. April 1980 erworben wurde. Und in diesem gesetzteren Alter sind oft auch die finanziellen Mittel vorhanden, um sich das Hobby Motorradfahren erlauben zu können.

Großteil der Generation 50+ kennt die neue Führerscheinklasse nicht

Doch offenbar weiß kaum einer der Glücklichen von der einfachen Möglichkeit, den Motorradführerschein zu machen. Das belegt eine entsprechende Umfrage von auto motor und sport mit über 1.500 Teilnehmern. Danach wissen nur rund 35 Prozent der Befragten vom neuen A2-Führerschein.

 

Dabei stellen die älteren Fahrer schon jetzt den Großteil der Biker in Deutschland. Der Nachwuchs bleibt aus. Mögliche Gründe für den Mangel an jungen Bikern: die hohen Kosten, eine veränderte Freizeitgestaltung, ein erhöhtes Bewusstsein für die Gefahren auf zwei Rädern. Das schwindende Interesse am Motorradfahren zeigt sich auch in den rückläufigen Zulassungszahlen von Krafträdern.

(srh)

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