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Testament 2.0 - Auch der digitale Nachlass muss geregelt werden

10.12.2014 - 12:00

Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, was eigentlich mit Ihrem „digitalen Ich“ passiert, wenn Sie sterben? Wer aktualisiert zum Beispiel Ihre Facebook-Seite ein letztes Mal oder kündigt Ihr Spotify-Abo? Was passiert mit Ihren E-Mails und Fotos? Unser Leben findet immer mehr digital statt, deshalb ist es enorm wichtig, auch ein „digitales Testament“ zu haben. Ansonsten sind Konflikte praktisch vorprogrammiert.

Der User geht - die Daten bleiben. Wer darf nun darauf zugreifen?
Immer häufiger stehen Hinterbliebene in den letzten Jahren vor der Situation, sich auch um den digitalen Nachlass eines Verstorbenen kümmern zu müssen. Oft liegen aber keine Zugangsdaten vor, um Accounts bei Facebook, Google & Co. einfach zu löschen.

In anderen Fällen kommt es zu bösen Überraschungen, weil zum Beispiel Online-Abos oder Verträge unbemerkt weiterlaufen. Doch wer ist berechtigt auf die Online-Accounts und auf digitale Hinterlassenschaften von Verstorbenen zuzugreifen?

In Deutschland gibt es aktuell noch keine allgemeinverbindliche Rechtsprechung zu diesem Thema und in den AGBs der meisten Online-Dienste findet sich auch keine entsprechende Regelung. Das Prozedere bei geldwerten Dingen wie Domainrechten, Online-Guthaben oder Vertragsverpflichtungen ist klar geregelt, die gehen auf den oder die Erben über - umstritten ist hingegen, wem die persönlichen Daten des Toten gehören.

Dürfen die Hinterbliebenen auf E-Mails, Fotos, Chat-Verläufe und Nutzerprofile des Toten zugreifen? Keine einfache Frage, schließlich könnten sich darunter auch durchaus kompromittierende Daten befinden. Wer vorsorgt, kann Verwirrung, peinliche Enthüllungen und Streitigkeiten vermeiden.

Nachlass-Dienste nutzen oder Passwort-Verzeichnis anlegen

Die beste Lösung, um seinen Erben langwierige Verhandlungen mit Online-Dienstleistern zu ersparen, ist, ihnen die Zugangsdaten für die relevanten Accounts einfach zu hinterlassen. Am einfachsten geht das, indem man zum Beispiel eine passwortgeschützte Excel-Tabelle mit allen Zugangsdaten auf dem Computer anlegt oder die Login-Daten in einem Passwortmanager speichert.

Wichtig ist natürlich, dass diese Daten dann auch permanent auf dem neusten Stand gehalten werden. Im Testament hinterlässt man dann einfach das Master-Passwort und die Angehörigen können sich überall einloggen, wo es wichtig ist. Nebenbei erhalten sie so auch eine Übersicht über alle Dienste, um die sie sich kümmern müssen.

Die zweite Möglichkeit ist, die Abwicklung des digitalen Nachlasses einem Dienstleister wie zum Beispiel „Netarius“ oder „Deathswitch“ zu überlassen. Man übergibt alle relevanten Zugangsdaten, Online-Verträge, Kontaktinformationen und was sonst noch wichtig ist, an den Dienst und der stellt den Erben diese Informationen dann im Todesfall gesammelt zur Verfügung. Die Kontaktinformationen des Nachlassdienstes und die Konto-ID muss man seinen Erben natürlich im Testament bekanntgeben.

Da man nie genau weiß, ob man einen solchen Dienstleister nicht vielleicht „überlebt“, ist diese Methode allerdings keinesfalls unumstritten. Auch muss man dem jeweiligen Unternehmen viel Vertrauen entgegenbringen, schließlich speichert man dort sehr sensible persönliche Daten.

So gehen Webdienste mit dem Tod Ihrer User um

Nur ein lebender User ist ein guter User – diesen Eindruck bekommt man zumindest, wenn man sich den Umgang so manch großer Onlinedienste beim Thema Tod anschaut. Andere wiederrum haben diese heikle Situation gut durchdacht.

Google zum Beispiel hat einen sogenannten „Kontoinaktivitätsmanager“ eingerichtet – man legt fest, welche Personen bei längerer Inaktivität die privaten Inhalte aus dem Google-Konto herunterladen dürfen. Diese erhalten dann per E-Mail spezielle Zugangsdaten für den Account.

Facebook und Twitter bieten keine derartige Lösung an und verweigern Angehörigen den Zugriff auf den Account und die Daten des Verstorbenen erst einmal. Weist man jedoch nach, das man rechtsgültiger Erbe ist und legt eine Sterbeurkunde vor, wird das Konto deaktiviert und man kann auf Wunsch den Tod des Verstorbenen im Account anzeigen lassen.

Die E-Mail-Provider GMX und Web.de gewähren den Erben gegen Vorlage des Erbscheins Zugriff auf das Postfach des Verblichenen. Yahoo bietet nur die Möglichkeit an, den Account komplett zu löschen. Viele andere Anbieter äußern sich zu diesem Thema leider gar nicht.

(dro)

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