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Studie: Lebensanalyse per App

19.11.2014 - 12:00

Gerade in den westlichen Industrienationen leiden immer mehr Menschen an Burnout und Depressionen. Gerade im Frühstadium ist es schwer, diese psychischen Erkrankungen auch als solche zu diagnostizieren und zu behandeln. Genau das wollen amerikanische Ärzte nun ändern und entwickeln eine Smartphone-Software, die in der Lage sein soll, die seelische Gesundheit von Patienten zu messen. Eine erste Studie zeigt, dass das funktionieren könnte.

Metadaten können uns viel über einen Menschen verraten - so viel haben wir im Rahmen der Späh-Affäre in den letzten Monaten gelernt. Man kann diese Daten jedoch auch dazu nutzen, bestimmte psychologische Erkrankungen schon im Frühstadium zu diagnostizieren – so zumindest die Theorie von Professor Andrews Campbell, Computerwissenschaftler am Dartmouth College im US-Bundesstaat New Hampshire und leitender Forscher im Projekt „StudentLife“.

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Kann das Smartphone künftig dabei helfen, die mentale Gesundheit zu erhalten?
Eine Gruppe von 48 Studenten installierte die App „StudentLife“ auf ihrem Android-Smartphone und erlaubten ihr, zehn Wochen lang detaillierte Informationen darüber zu sammeln, wann sie wohin gingen, mit wem sie telefonierten oder Nachrichten austauschten und wann, wo und wie lange sie Gespräche führten.

Das Ergebnis: ein komplexes Profil sozialer Interaktionen und Verhaltensmuster jeder einzelnen Testperson. Wie oft bewegt sich die Testperson? Wie oft und lange schläft sie und wie häufig kommuniziert sie mit anderen Menschen – per Handy und im persönlichen Kontakt? All diese und weitere Fragen konnten die Forscher davon ausgehend beantworten und ihre Schlüsse bezüglich der psychischen Gesundheit der Probanden ziehen.

Um ihre Annahmen zu überprüfen, ließen die Wissenschaftler die Teilnehmer nach der Testphase speziell entwickelte Fragebögen ausfüllen und überwachten ihre Uni-Leistungen. Und siehe da: Tatsächlich zeigten sich Zusammenhänge zwischen dem mentalen Gesundheitszustand der Testpersonen und den gesammelten App-Daten.

Gruselig oder die Zukunft der Gesundheitsanalyse?

Für Campbell und sein Team beweist der Versuch, wie wichtig entsprechende Gesundheitssoftware in Zukunft besonders für die Gesundheitsvorsorge werden kann. Im nächsten Schritt wollen Sie überprüfen, inwieweit sich die Methode nutzen lässt, um bei Studenten zum Beispiel depressive Tendenzen vorherzusagen oder schon in einem sehr frühen Stadium zu erkennen.

Ob und wann eine derartige Technik auch im Patientenalltag eingesetzt wird, ist jedoch noch unklar. Noch stehen nämlich die Ergebnisse langfristiger klinischer Studien aus. Auch ist die Frage nach dem Datenschutz noch nicht geklärt. In Zeiten von Massenüberwachung und Datenpannen dürfte der Gedanke, das eigene Psychoprofil in die Hände Dritter zu geben, viele Menschen eher abschrecken. Solange es keine klaren gesetzlichen Regelungen zur Verarbeitung und Weitergabe der gesammelten Gesundheitsdaten gibt, dürfte es für Apps wie StudentLife deshalb zumindest in Deutschland schwer werden.

(dro)

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