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Dein Selfie gehört dir! EU-Parlament bestätigt Panoramafreiheit

09.07.2015 - 16:31

Verliebte Schnappschüsse bei Nacht vorm hell erleuchteten Pariser Eifelturm – kaum eine Kulisse ist romantischer. Doch wer sich hier per Smartphone mit einem Selfie verewigt und das Bild ins Netz lädt, begeht im Grunde eine Urheberrechtsverletzung. Denn die Lichtinstallation des Pariser Wahrzeichens ist modernen Ursprungs und unterliegt bei Bild- und Tonaufnahmen entsprechendem Recht. Anders ist das beim Riesenrad Golden Eye in London oder dem Kölner Dom – in Großbritannien und Deutschland herrscht weiterhin die so genannte Panoramafreiheit. Dem EU-Parlament sei Dank!

Selfie Panoramafreiheit
Selfies vor öffentlichen Bauwerken im sozialen Netzwerk - kein Problem dank Panoramafreiheit.

Durch die Panoramafreiheit, auch Straßenbildfreiheit genannt, sind Smartphone-Nutzer in vielen Ländern Europas davor geschützt, Urheberrecht zu verletzen, wenn sie sich vor oder nur die öffentlichen Gebäuden fotografieren und die Fotos ins Internet stellen. Sie gilt beispielsweise in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Spanien oder Portugal.
 
In anderen Ländern wie Italien oder Frankreich sieht die Rechtslage anders aus. Zwar dürfen Eifelturm, Kolosseum und Co abgelichtet und Fotos hochgeladen werden. Aber nur weil ihre Erbauer beziehungsweise Urheber bereits über 70 Jahre tot sind. Bei modernen Gebäuden, deren Urheber noch leben oder nicht so lange tot sind, hätte das zum Verhängnis werden können. Denn viele soziale Netzwerke behalten sich vor, User-Fotos auch kommerziell zu nutzen. Und dort, wo die Panoramafreiheit nicht gilt, könnte derjenige belangt werden, der das Bild ohne Zustimmung ins Netz gestellt hat.
 
EU-Parlament hält Panoramafreiheit aufrecht
 
Das EU-Parlament in Brüssel hat am 09. Juli 2015 dafür gesorgt, dass alles beim Alten bleibt – mit überwältigender Mehrheit, heißt es beim Spiegel online. In den Ländern, in denen User bislang Wahrzeichen und öffentliche Gebäude abgelichtet und anschließend ins Netz geladen haben, dürfen sie das immer noch frank und frei tun. In den Ländern, in denen sie es bislang eigentlich nicht durften, dürfen sie es auch immer noch nicht. Hätte das Parlament aber einem Vorstoß seines Rechtsausschusses stattgegeben, hätte es in allen EU-Ländern verboten werden müssen.
 
Denn der Rechtsausschuss hatte vor einer Woche empfohlen, dass die kommerzielle Nutzung von „Fotografien, Videomaterial oder anderen Abbildungen von Werken, die dauerhaft an physischen öffentlichen Orten platziert sind“ nur mit einer Zustimmung des Urhebers erlaubt ist, schreibt die Zeitschrift im Netz weiter. Das hätte im Klartext geheißen: Wer das Golden Eye in London ablichtet, hätte sich die Erlaubnis des Urhebers einholen müssen, bevor der das Bild irgendwie veröffentlicht. Oder das Bauwerk auf dem Foto unkenntlich machen.
 
Wer also vorm Alex in Berlin, der Millennium-Brücke in London oder der halbfertigen Elbphilharmonie in Hamburg sein Smartphone zückt, ein Bild macht und das auf sozialen Netzwerken teilt, kann das ganz beruhigt tun.

(awa)

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