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Meerkat und Periscope: Video-Live-Streaming per Smartphone

15.05.2015 - 11:09

Kennen Sie Meerkat und Periscope? Nein? Dann entgeht Ihnen gerade ein neuer Kommunikations-Trend, der irgendwann vielleicht Dimensionen à la Twitter oder Facebook annehmen könnte. Die Rede ist vom Video-Live-Streaming via Smartphone. Genau das ist es nämlich, was man als User mit den populären Apps von Meerkat und seinem Konkurrenten Periscope anstellen kann. Wir sagen Ihnen, wie die beiden Dienste funktionieren.

Stellen Sie sich vor, Sie schauen sich ein Konzert an, genießen einen Sonnenuntergang oder besuchen ein Sportevent und können ein Live-Video von diesem Erlebnis mit anderen teilen. Das ist in einfachen Worten das Prinzip, das hinter Video-Streaming-Apps steckt. Die Idee klingt erstmal nicht neu – dank zunehmend besserer LTE-Abdeckung und mehr und mehr WLAN-Hotspots, macht die Live-Übertragung über das Handy aber erstmals wirklich Sinn. Von diesem Trend profitieren nun besonders die Streaming-Apps Meerkat und Periscope. Hinter letzterer steckt übrigens der Micro-Blogging-Dienst Twitter.
 

So funktioniert’s

 
  • Um ein Live-Video mit Periscope zu übertragen, installieren Sie einfach die App auf Ihrem iPad oder iPhone – denn nur dafür ist Pericsope aktuell verfügbar – und loggen sich mit den Zugangsdaten Ihres Twitter-Accounts oder Ihrer Handynummer ein.
 
  • Danach tippen Sie auf das Kamera-Symbol, das sich am unteren Bildschirmrand befindet, wählen einen aussagekräftigen Titel für Ihre Übertragung und entscheiden, ob der Video-Stream öffentlich zugänglich sein soll oder nur für bestimmte andere Twitter-User gedacht ist.
 
  • Die Übertragung beginnt und der Link dafür, wird automatisch über Ihren Account getwittert und erscheint in der Timeline Ihrer Follower. Ihre Zuschauer können sich den Video-Stream dann entweder ebenfalls auf dem Smartphone oder auch über den Webbrowser anschauen.
 
  • Jedes Video kann von Ihnen oder den Zuschauern kommentiert werden – die Kommentare tauchen dabei am unteren Bildschirmrand in Echtzeit auf und verschwinden nach einigen Sekunden wieder. Wer als Zuschauer einfach nur nett sein will, kann auch kleine Herzchen-Symbole in das Videobild schicken.

Meerkat funktioniert fast genauso und basiert ebenfalls auf der Twitter-Community. Die Integration in das soziale Netzwerk ist dabei nicht so umfassend, wie das bei Twitters hauseigener Streaming-Lösung der Fall ist. Dies ist jedoch von den Meerkat-Machern durchaus beabsichtigt. Twitter dient hier mehr als Mittel zum Zweck, um die Video-Streams möglichst schnell und einfach mit vielen Menschen teilen zu können.

Der größte Unterschied zwischen den beiden Diensten ist, das die Periscope-App die Video-Übertragung auf den Twitter-Servern speichert und User, die die Live-Übertragung  verpasst haben, diese so auch bis zu 24 Stunden danach noch ansehen können. Bei Meerkat werden die Videos hingegen nicht auf einem Server abgespeichert, sondern nur lokal im Speicher des Smartphones.

Optisch und in der Handhabung unterscheiden sich die Anwendungen nur leicht voneinander. Meerkat bietet Filmern im Gegensatz zu Periscope noch die Möglichkeit, die Live-Übertragungen zu terminieren. Zudem ist die App sowohl für iOS- als auch Android-Geräte verfügbar. Hier will allerdings auch Periscope bald nachlegen.

Am besten funktioniert das Live-Streaming mit den beiden Apps natürlich über eine aktive WLAN-Verbindung oder über die LTE-Datenverbindung des Smartphones. Zwar sind die Videos nicht hochauflösend, für einen ruckelfreien Stream ist eine stabile Breitband-Verbindung allerdings optimal.
 

Nette Spielerei oder Medienrevolution?

Obwohl beide Dienste erst wenige Monate aktiv sind, können sie sich über mangelnden Nutzerzulauf nicht beschweren: Meerkat kann bereits über 300.000 aktive User verbuchen, bei Periscope sind es offenbar bereits über eine Millionen. Doch handelt es sich beim Thema Live-Streaming-Apps tatsächlich um einen Meilenstein in der Kommunikations-Geschichte oder doch nur um einen flüchtigen Trend? Branchenexperten, Medien und Internetuser sind sich hier noch nicht wirklich einig.

Denkt man an den Einfluss den der Echtzeit Micro-Blogging-Dienst Twitter in den letzten Jahren im Rahmen politischer Konflikte entfalten konnte, liegt die Vermutung nahe, dass individuelles Live-Streaming gerade die Medien-Berichterstattung extrem verändern könnte. Im privaten Bereich hingegen könnte die Sache anders aussehen. Hier ist eher die Frage, ob tatsächlich viele Menschen bereit sind, kostbares Datenvolumen und Akkulaufzeit für die Übertragung von banalen Freizeitaktivitäten zu opfern. Im Gegensatz zu Tweets, kosten Live-Videos schließlich bares Geld. Im heimischen WLAN ist die Situation dann wieder eine andere – aber dort passieren auch selten Dinge, die eine Live-Übertragung rechtfertigen.

Auch für den Unterhaltungssektor könnten populäre Live-Streaming-Dienste einen Umbruch bedeuten. Bereits jetzt „filmen“ Millionen User auf der ganzen Welt Sportübertragungen im Fernsehen oder vor Ort einfach mit ihrem Smartphone ab und stellen die Übertragung anderen Internet-Usern über Meerkat und Periscope schnell, einfach und kostenlos zur Verfügung. Den Rechteinhabern läuft es bei einem solchen Phänomen natürlich eiskalt den Rücken herunter.

Bestes Beispiel hierfür dürfte der Boxkampf zwischen Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao sein, der erst vor einigen Tagen in den USA stattfand. Der Kampf wurde von den Veranstaltern mit viel Aufwand beworben und dann exklusiv im Pay-TV übertragen. Wer ihn sich ansehen wollte, musste also eigentlich zahlen – es sei denn er war bereit auf HD-Auflösung zu verzichten. Denn dann konnte er sich einfach einen von tausenden privaten Periscope-Livestreams des Kampfes anschauen, den andere User von ihren TV-Geräten abfilmten. Zwar unterbrach Twitter bereits während der Übertragung viele dieser Streams,  allerdings tauchten für einen blockierten Video-Kanal innerhalb kürzester Zeit sofort zwei neue auf.

Es wird also interessant sein, zu beobachten, wie Internetuser, Unternehmen, Journalisten und nicht zuletzt auch der Gesetzgeber in Zukunft mit diesem neuen Medientrend umgehen werden. Die Möglichkeiten für eine positive Nutzung der Technik sind jedenfalls ebenso gegeben, wie für deren Missbrauch.

(dro)

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