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BeMyEyes – Sehkraft spenden per App

20.02.2015 - 14:19

Mit Apps kann man viel Gutes tun -  meistens aber eher für sich selbst. Die neue iOS-App BeMyEyes schlägt hier zur Abwechslung mal einen völlig anderen Weg ein. Denn mit ihr kann man anderen helfen. Per Knopfdruck verbindet sie blinde oder stark sehbehinderte Menschen mit Sehenden, die ihnen dann mit Hilfe der Smartphone-Kamera in bestimmten Situationen ihre Augen „leihen“. Und das Konzept wir angenommen: Seit dem Start des Dienstes Mitte Januar registrierten sich bereits über 135.000 freiwillige Helfer und rund 12.000 Blinde für den Dienst.

Die Charity-App wurde vom Dänen Hans Jørgen Wiberg erfunden und mittels Crowdfunding finanziert. Wiberg ist selbst teilweise sehbehindert, kennt sich also mit den alltäglichen Herausforderungen, die eine solche Einschränkung mit sich bringen kann, gut aus. Die Idee moderne Smartphone-Technologie, z.B. Video-Chats, zu nutzen, um Sehende in bestimmten Situationen um Hilfe zu bitten, ist nicht neu und wird bereits von vielen Sehbehinderten genutzt. Die BeMyEyes-App macht das Ganze aber wesentlich einfacher und effizienter. Zudem ist es aufgrund der großen Community sehr wahrscheinlich, dass praktisch immer ein Helfer Zeit hat.

Und so funktioniert BeMyEyes

Was steht auf der Verpackung? Freiwillige Helfer lesen es über die BeMyEyes-App gerne vor.
Wenn blinde User in eine Situation geraten, in der sie die Hilfe eines Sehenden benötigen – zum Beispiel wenn sie das Ablaufdatum auf einer Lebensmittelpackung ablesen wollen oder einen Zugfahrplan lesen möchten – fordern Sie einfach über die BeMyEyes-App ein paar helfende Augen an. Registrierte BeMyEyes-Helfer erhalten daraufhin eine Benachrichtigung auf ihr iPhone und können die Hilfsanfrage annehmen, wenn sie gerade Zeit haben. Sobald ein Helfer bestätigt hat, öffnet sich auf beiden Geräten ein Video-Chat-Fenster und der Blinde kann die Smartphone-Kamera zum Beispiel auf die Lebensmittelpackung richten und sich helfen lassen.

Um Missbrauch zu verhindern und sicherzustellen, dass es sich bei den angemeldeten Freiwilligen auch wirklich um ernsthaft interessierte Helfer handelt, arbeitet die App nach dem Karma-Prinzip: Für jede erfolgreiche Hilfsaktion bekommen die Freiwilligen Punkte – wer sich eine Beschwerde einhandelt oder nie hilft, verliert Punkte. Anhand der Punktestände kann man dann relativ schnell schwarze Schafe oder inaktive User aussortieren. Im Gegensatz zu anderen Belohnungsmodellen, kann man seine Punkte bei BeMyEyes allerdings nicht gegen irgendwelche Geschenke oder Gutscheine eintauschen – hier zählt nur die gute Tat an sich. Damit das Prinzip auch auf Seiten der Helfer gut funktioniert, ist BeMyEyes zudem so konfiguriert, dass man nicht um drei Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen wird, um irgendjemandem den Busfahrplan vorzulesen - der Videochat funktioniert nur in der Zeit von 7 bis 22 Uhr.

Bisher ist BeMyEyes nur als iOS-App verfügbar, eine Android-Version soll aber in Kürze folgen und würde die Community sicherlich auf einen Schlag enorm vergrößern. Wer übrigens sprachlich gewandt ist und den Entwicklern unter die Arme greifen will, kann sich als Freiwilliger für die Übersetzung melden. Bisher ist die App in 29 Sprachen verfügbar.

Bedienhilfen für sehbehinderte iPhone- und Android-User

Um Menschen mit Sehbehinderung die Bedienung moderner Smartphones zu erleichtern, haben sich die Google- und Apple-Entwickler einiges einfallen lassen: Auf Apples iPhones und iPads gibt es die Funktion „VoiceOver“, dabei handelt es sich um eine Software, welche den dargestellten Bildschirminhalt  laut vorliest. Das Programm reagiert außerdem auch auf die Displayberührungen des Benutzers und bestätigt zum Beispiel welches App-Symbol gerade mit dem Finger ausgewählt wurde. Für Smartphones mit Android-Betriebssystem gibt es eine Software namens „TalkBack“. Sie funktioniert genauso wie das Apple-Pendant und ist bereits ab Werk auf vielen Android-Smartphones vorinstalliert.

(dro)

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