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Deutsche Verkehrsregeln, die Sie sicher noch nicht kennen

22.04.2016 - 16:30

Viele Reisende sind auch gerne im Urlaub mobil, ein Mietwagen ist schließlich schnell gebucht. Da im Ausland andere Verkehrsregeln gelten, informieren sich die Meisten vorbildlich über die Unterschiede. Immerhin muss man sich sonst nur mit denen im eigenen Land auseinandersetzen. Doch wie steht es eigentlich mit Ihrem Wissen um die deutsche Straßenverkehrsordnung (StVO)? Wir lehnen uns mal etwas aus dem Fenster und behaupten: Diese Verkehrsregeln kennen Sie nicht (alle).

Auto fährt auf der mittleren Spur
Wenn es der Verkehr zulässt, sollte möglichst rechts gefahren werden. So rollen die Fahrzeuge am flüssigsten über die Autobahnen.

Rechtsfahrgebot: Wann und wo?

Auf deutschen Straßen herrscht laut § 2 Abs. 2 der StVO Rechtsfahrgebot. Zuwiderhandlungen, zum Beispiel grundloses Benutzen der linken Fahrbahn auf der Autobahn, können mit bis zu 80 Euro geahndet werden. Wussten Sie nicht? Es kommt noch besser. Denn die StVO wäre kein deutscher Gesetzestext, wenn es nicht verklausulierte Ausnahmen gäbe. Auf mehrstreifigen Straßen innerhalb geschlossener Ortschaften ist das Rechtsfahrgebot nämlich aufgehoben und es herrscht freie Spurwahl, zumindest solange es sich dabei nicht um eine (Stadt)Autobahn handelt. Das gleiche gilt auch im Bereich von Kreuzungen, Abzweigungen und auf Autobahnkreuzen, wo Sie sich natürlich entsprechend der gewünschten Fahrtrichtung ordentlich einordnen dürfen. Es gibt jedoch noch eine Ausnahme: Sie dürfen durchaus auf einer dreispurigen Autobahn den Mittelstreifen benutzen, obwohl rechts frei wäre. Die StVO erlaubt dies nämlich, sofern absehbar ist, dass Sie rechts weniger als 20 Sekunden fahren könnten, bevor Sie erneut die Spur wechseln müssten. Schließlich soll niemand im Zickzack über die Autobahn fahren. Was uns jedoch gleich zum nächsten Punkt führt …

Rechts überholen: In Ausnahmefällen erlaubt

Dichter Verkehr auf der Autobahn
Ausnahmen vom Überholverbot von rechts: bei langsamem Verkehr, im Stau oder an Autobahnkreuzen.
Dass rechts überholen verboten ist, sollte jeder bereits in der Fahrschule gelernt haben. Doch es gibt auch hier Ausnahmen, um die sich jedoch auch einige Unwahrheiten als hartnäckige Gerüchte halten. Etwa beim oben angesprochenen notorischen Mittelspurfahrer. Müssen Sie – als braver Rechtsfahrer mit Richtgeschwindigkeit – etwa abbremsen oder quer über die Autobahn fahren, nur weil er oder sie mit 110 km/h auf der mittleren Fahrbahn schleicht? Sie setzen ja weder zum Überholen, noch wechseln die Spur. Das Ganze ist doch nur ein Vorbeifahren und daher unbedenklich, richtig? Falsch. Zum Überholen müssen Sie nicht die Spur wechseln, sobald Sie an einem anderen Auto in gleicher Fahrtrichtung vorbei fahren, gilt dies als Überholen, was auf der rechten Seite grundsätzlich verboten ist.

Das ominöse „Vorbeifahren“ gibt es in der StVO aber durchaus. Dieses gilt allerdings nur, wenn der Verkehr auf den Spuren links von Ihnen mit weniger als 60 km/h rollt und auch dann dürfen Sie mit maximal 20 km/h mehr auch rechts vorbeifahren. Die Regelung trifft also im Grunde nur auf Stausituationen oder sehr zäh fließenden Verkehr zu.
Eine zweite Ausnahme vom Rechtsfahrgebot wurde bereits oben angeschnitten. Im Bereich von Autobahnkreuzen etwa, sobald Richtungspfeile, Schilder und fette Linien Spuren zum Einordnen vorgegeben sind, dürfen Sie auf den abzweigenden Spuren rechts durchaus schneller fahren als der Verkehr links von Ihnen. Auch in einem Stau müssen Sie natürlich nicht immer die Spur nach links wechseln, um an einem langsameren Fahrzeug vorbei zu fahren.

Wer hat Vorfahrt?

Spielstraßen sind nie vorfahrtsberichtigt, auch nicht an "Rechts-Vor-Links-Kreuzungen". Bild: Deutscher Verkehrssicherheitsrat
Eine andere Grundregel im deutschen Straßenverkehr ist: Rechts vor Links. Sie gilt an allen Abzweigungen und Kreuzungen, an denen kein Verkehrszeichen etwas anderes vorgibt. Allerdings gibt es hier immer wieder Situationen, wo das nicht ganz klar ist. Spielstraßen sind zum Beispiel grundsätzlich nicht vorfahrtsberechtigt. Das gleich gilt für alle Verkehrswege, die durch einen abgesenkten Bordstein von der anderen Straße getrennt sind. Genau anders herum ist es – wie der Name schon sagt – mit Vorfahrtsstraßen. Wird an einer Kreuzung zum Beispiel eine abknickende Vorfahrtsstraße nach links angezeigt, haben Sie als Linksabbieger Vorfahrt vor allen anderen. Auch wenn Sie von einer Haupt- in eine Nebenstraße einbiegen, entfällt ein etwaiges „Rechts vor Links“, Sie müssen lediglich den entgegenkommenden, geradeaus fahrenden Verkehr passieren lassen.

Eine echte Grauzone sind Stellen, an denen bei mehrspurigen Straßen eine Fahrbahn endet, denn beim sogenannten Reißverschluss-Verfahren gibt es entgegen einer weitverbreiteten Meinung keine gesetzliche Regelung, dass die sich einordnenden Fahrzeuge Vorfahrt haben. Allerdings ist es verboten, den fließenden Verkehr zu behindern, was Sie durch gezieltes Ausbremsen des Verkehrs auf der auslaufenden Spur tun würden. Hier sind also Fingerspitzengefühl und Rücksicht gefragt. Stellen sich alle Fahrer darauf ein, dass am Ende einer Spur die Fahrzeuge immer im Wechsel einfädeln, gibt es theoretisch auch keinen Stau. Dieser entsteht hingegen meist durch plötzliche Spurwechsel in viel zu enge Lücken oder das Ausbremsen von Autos, die am Ende der Fahrbahn einscheren wollen.
Beim Reißverschluss sollten Sie übrigens die endende Spur tatsächlich möglichst bis zum Schluss benutzen und sich eben nicht bereits frühzeitig auf einer anderen Fahrbahn einfädeln. Hier gilt es, den freien Verkehrsraum zu nutzen.

180 abseits der Autobahn? Vollkommen legal!

Es gibt aber auch noch andere Verkehrsregeln in Deutschland, die kaum jemand kennt. Wussten Sie zum Beispiel, dass Sie auf Kraftfahrstraßen (gekennzeichnet durch das blaue Schild mit dem weißen Auto), die in der Mitte durch einen Grünstreifen oder eine Leitplanke getrennt sind, so schnell fahren dürfen wie sie wollen? Vorausgesetzt es gibt keine Schilder, die das Tempo limitieren. 

Winterreifenpflicht in Deutschland

Auto mit Winterreifen im Schnee
In Deutschland müssen Fahrzeuge bei "winterlichen Straßenverhältnissen" auf passend bereift sein. Andernfalls drohen ein Bußgeld und Probleme mit der Versicherung. Foto: Nokian Tyres
Auch in Deutschland gibt es bereits eine Winterreifenpflicht, unlängst wurde sogar noch eine Verschärfung ab 2018 beschlossen. Die Regelung gibt es schon seit Jahren, sie schreibt jedoch nur situativ geeignete Reifen vor. Das bedeutet, auf freien Straßen können Sie das ganze Jahr mit Sommerreifen unterwegs sein. Bei winterlichen Straßenverhältnissen, also „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte“ müssen jedoch wintertaugliche Reifen aufgezogen werden. Dabei ist es unerheblich, ob sie bei trockener Straße losfahren. Setzt plötzlich Schneefall ein, müssten Sie theoretisch rasch die Reifen wechseln. Seit 2010 schreibt die StVO hier Reifen mit M+S-Symbol vor. Ab 2018 gelten hingegen nur noch Reifen als wintertauglich, die auch ein Schneeflockensymbol auf der Flanke tragen.
Ohne passende Gummis fürs Auto riskieren Sie ein Bußgeld von bis zu 40 Euro. Verantwortlich für passende Reifen ist übrigens nicht der Halter, sondern der Fahrer. Diesen Umstand machen sich immer wieder Mietwagenanbieter zunutze und verlangen auch im tiefsten Winter Aufpreis für passende Bereifung, dabei sind die meisten Leifahrzeuge ohnehin mit Ganzjahresrädern bestückt. Die großen Autovermietungen in Deutschland statten ihre Flotten jedoch in den Wintermonaten (November bis April) standardmäßig mit geeignetem „Schuhwerk“ aus.

Sind Flipflops, High Heels und Badelatschen erlaubt?

Apropos Schuhwerk; es gibt jede Menge Aussagen darüber, ob auch der Fahrer geeignet Latschen an den Füßen tragen muss. Rein rechtlich können Sie beim Fahren tragen, was Sie wollen. Egal ob Hochhackige, Riemchensandalen oder Badelatschen. Das gilt aber nur, solange Sie nicht in einen Unfall verwickelt sind. So entschied etwa das Oberlandesgericht Bamberg (AZ: 2 Ss OWI 577/06), dass sowohl zu leichtes Schuhwerk als auch Barfußfahren bei einem Unfall zu einer Teilhaftung führen kann. Darüber hinaus könnten Sie Probleme mit der Versicherung bekommen, die das Tragen ungeeigneter Schuhe als Fahrlässigkeit auslegt. Gerade bei Mietwagen könnte das richtig teuer werden.

Reicht bei kleinen Remplern ein Zettel am Auto?

Auffahrunfall
Auch bei kleinen Dellen und Lackkratzern; ein Zettel mit Kontaktdaten am geschädigten Auto reicht nicht naus und gilt als Fahrerflucht. Foto: ADAC
Auch diese sehr geläufige Methode ist schlicht falsch. Wenn Sie den Unfallort verlassen, machen Sie sich der Unfallflucht strafbar. Sie müssen entweder den Besitzer des Fahrzeugs ausfindig machen oder den Schaden der Polizei melden. Sobald diese die Personalien aufgenommen hat (dies kann durchaus per Telefon geschehen) dürfen Sie in der Regel jedoch weiter fahren. Diese Pflicht gilt übrigens ganz besonders beim Fahren mit Mietwagen. Selbst wenn Sie dadurch möglicherweise Ihren Heimflug verpassen, müssen Sie unbedingt die Polizei einschalten und einen Unfallbericht anfertigen lassen. Andernfalls droht der Verlust Ihres Versicherungsschutzes und der Vermieter ist berichtigt, Ihre Kaution einzubehalten. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts München vom 24.07.2015 (Az: 233 C 7550/15) hervor, bei dem ein Urlauber einen Schaden an seinem Mietwagen in Italien nicht der Polizei gemeldet hatte.
 
(hze)
 

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