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Road-Trip an der Algarve: Vom Ende der Welt und weißen Flamingos

08.09.2015 - 09:11

Die Algarve, Portugals sonniger Süden, ist eigentlich schon lange kein Geheimtipp mehr, konnte sich mit wenigen Ausnahmen jedoch dem Phänomen „Bettenburg“ noch entziehen. Ein Grund mag die meist schroffe Steilküste sein, die zwar spektakulär aussieht, jedoch Badetourismus eher schwierig macht. Aus diesem Grund konnten Städte wie Lagos, Sagres oder auch Faro sich ihren ursprünglichen Charme bewahren. Um die Algarve in all ihrer Schönheit kennenzulernen, sollten Reisende daher möglichst mobil sein. Einen Mietwagen bekommen Sie in Faro bereits ab 4 Euro am Tag.

Hotel als Basisstation

Fällt die Wahl auf die letzte Variante, sollten Reisende ihr Hotel an der Algarve paradoxerweise am besten in oder zwischen den bei Touristen sehr beliebten Städten Albufeira und Portimão buchen. Warum? Zum einen sorgt das große Angebot an Zimmer für günstige Preise, zum anderen liegen beide Orte ziemlich zentral, sodass Urlauber jeden Punkt an der Algarve an einem Tagesausflug mit dem Mietwagen erkunden können. Als Reisezeit sollten Sie die Monate März und April ins Auge fassen, da der Frühling an der Algarve deutlich früher Einzug hält als etwa in Deutschland.  Mit etwas Glück findet man bereits Ende März Badewetter vor, die Strände und Städte sind dann fast noch menschenleer. Wir haben für Sie drei Mietwagentouren zusammengestellt, auf denen Sie die ganze Vielfalt der Algarve im wörtlichen und übertragenen Sinne erfahren können. 

Tour 1: Der Wilde Westen

Road-Trip-Algarve: Route 1
Die erste Route führt in den wilden und felsigen, jedoch touristisch weitaus weniger erschlossenen Westen der Algarve.

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Die erste Tour entführt Reisende von Portimão aus in den wilden Westen der Algarve, der durch seine raue Schönheit und deutlich weniger Touristen gekennzeichnet ist als die zahme Sandalgarve. Ziel ist das kleine Dorf Carrapateira am Ufer des Ribeira de Carrapateira. Von hier führt eine kleine Straße Richtung Westen, bis zu einer Aussichtsplattform am Praia Da Bordeira. An diesem besonders familienfreundlichen Strand können kleinere Kinder in aufgestauten Seen des Flusses baden, während vor allem Surfer die Brandung des offenen Atlantiks genießen.

Hier lernt Portugal das Wellenreiten

Bei Wellenreitern deutlich beliebter ist der nur knapp vier Kilometer weiter südlich gelegene Praia do Amado. Die Bedingungen zum Surfen sind hier so gut, dass selbst die Surfschulen aus dem immerhin knapp 40 Kilometer entfernten Lagos den Weg auf sich nehmen, um ihre Schüler hier zu unterweisen. In der Hochsaison ist der Strand entsprechend belebt. 

Die „schwarze Perle“ der Algarve

Der Praia do Castelejo ist noch heute ein kleiner Geheimtipp, da er ziemlich schlecht beschildert ist und durch seine raue Schönheit, mit den surreal wirkenden schwarzen Schieferfelsen, nur bedingt zum Baden taugt. Surfer und Strandspaziergänger finden hier jedoch einen absolut traumhaften, lang gezogenen Strand vor.
Schwarzer Schiefer am Praia do Castelejo
Schwarze Felsen am Praia do Castelejo Foto: Holger Zehden


Vom Praia do Amado aus fahren Sie mit dem Auto auf der N268 etwa eine Viertelstunde nach Süden bis Vila do Bispo. Folgen Sie der ersten Abfahrt immer geradeaus, bis ins Zentrum des kleinen Städtchens fahren Sie gerade durch den Kreisverkehr. Nach etwa 100 Metern gabelt sich die Straße. Biegen Sie rechts ab und folgen Sie der M1265 wieder aus der Stadt heraus. Die bis zum Strand asphaltierte Straße wird gegen Ende ziemlich schmal. Halten Sie sich an der Abzweigung zum Praia da Cormada links und Sie erreichen nach wenigen Minuten einen Parkplatz direkt am Strand, wo es auch ein kleines Restaurant gibt. 

Wehrhaftes Sagres

Vorletzter Stopp auf der Tour ist die Stadt Sagres, genauer gesagt die Fortaleza de Sagres. Erbaut im 15. Jahrhundert, erlangte die Festung vor allem durch Heinrich den Seefahrer zu Weltruhm, der von hier aus viele Entdeckungsfahrten entlang der westafrikanischen Küste organisierte. Bei gutem Wetter haben Reisende gen Westen einen tollen Blick über die hohen Klippen und bis zum Kap São Vicente, das lange Zeit als Ende der Welt galt.

Sonnenuntergang am Ende der Welt

Wie der Bug eines Schiffs reckt sich die Klippe des Cabo de São Vicente in die Brandung des offenen Atlantiks. Besonders am Abend, wenn die Sonne langsam im Meer versinkt, wird klar, warum sich die Menschen hier einst am Ende der Welt wähnten. Ab der Küste gibt es, mit Ausnahme weniger Inseln, auf mehr als 5.000 Kilometern nur noch Wasser. Bis zu 70 Meter türmen sich die Klippen auf, während unten die Brandung des Atlantiks gegen den Felsen donnert. Der Wind weht hier häufig so stark über das Plateau, dass selbst das Laufen schwerfällt. Wer dank Mietwagen flexibel ist, sollte das Kap möglichst früh am Morgen ansteuern oder den Sonnenuntergang hier genießen. Seien Sie jedoch mindestens eine halbe Stunde früher da, um das Schauspiel in seiner ganzen Pracht zu sehen.

Tour 2: Lagos und die Grotten der Algarve

Road-Trip Algrave: Route 2
Auf der zweiten Route können Sie es bei einer Boots-Tour durch die berühmten Grotten der Algarve entspannt angehen.

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Nach einem langen und ereignisreichen Tag ist die zweite Tour der perfekte Ausgleich, denn heute fahren Sie nur ein kleines Stückchen selbst, den Rest übernimmt ein Chauffeur, oder besser, Kapitän. Sollten Sie nicht ohnehin hier Ihr Hotel gebucht haben, fahren Sie mit dem Mietwagen nach Lagos. Doch bevor Sie sich in die sehenswerte Altstadt stürzen, durchqueren Sie die Innenstadt bis zur Ponta da Piedade. Die Felsformationen und Grotten am Kap zählen zu den schönsten der Algarve und gehören dementsprechend auch zu den am häufigsten besuchten Sehenswürdigkeiten. Aus diesem Grund sind Sie gut beraten, der Grotte möglichst früh einen Besuch abzustatten. In den Morgenstunden tummeln sich auf dem Wasser der von Felsen umgebenen Bucht noch keine Boote. So können Sie ungestört ein paar traumhafte Bilder schießen.

Prachtvolles Lagos

Im Anschluss lenken Sie Ihren Mietwagen wieder direkt ins Herz von Lagos. Die Stadt selbst bietet nämlich erfreulich viele Parkmöglichkeiten, von denen die historische Altstadt in nur wenigen Gehminuten entfernt liegt.

Seine Blütezeit und gleichzeitig dunkelstes Kapitel der Geschichte erlebte Lagos mit Beginn der Afrika-Expeditionen von Heinrich dem Seefahrer im 15. Jahrhundert. Der Handel mit afrikanischen Sklaven brachte der Stadt einen bis dahin ungekannten Reichtum. Das aus dieser Zeit stammende Zollgebäude am Praça da República wird nach aufwendiger Restaurierung heute als Ausstellungsräume genutzt.
Ponta da Piedade
Die Ponta da Piedade zählt zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Algarve. Foto: Franziska Thost


Auf der anderen Seite des Platzes steht die von außen recht unscheinbare Kirche „Igreja de Santo António“. Der prachtvolle barocke Innenraum der Kirche Santo António ist Teil der Ausstellung im stadtgeschichtlichen Museum von Lagos und gehört zu den schönsten in ganz Portugal. Anschließend köpnnen Sie die Uferpromenade entlang schlendern oder sich eventuell an einem der vielen tollen Buchten ein Sonnenbad zu genehmigen.
 
Tipp: Folgen Sie vom Castelo der Uferstraße ein Stück den Hügel hinauf. Nach knapp 300 Metern erreichen Sie einen Parkplatz, an den ein kleines Restaurant angrenzt. Hier bekommen Sie typisch portugiesische Küche zu günstigen Preisen mit einem unvergleichlichen Ausblick von den Klippen serviert.

Bootstouren zu den Grotten, Segeln mit den Delfinen

Den Rest des Tages können Sie entweder weiter Lagos und Umgebung erkunden oder eine der vielen Bootstouren buchen, die am Hafen in Lagos angeboten werden. Informieren Sie sich vorab über Kosten, Zeiten und ob die Fahrten überhaupt stattfinden. Gerade im Frühjahr und Herbst verhindern starke Winde und hoher Seegang viele Touren durch die berühmten Grotten der Algarve. Meint es der Atlantik gut mit Ihnen, bleibt Ihnen hingegen die freie Auswahl unzähliger Grotten-Touren, Segeltörns oder Delfin- und Walbeobachtungsfahrten. 

Tour 3: Rote Klippen und weiße Flamingos

Road-Trip Algarve: Tour 3
Die umfangreichste, dritte Route führt Sie nach Faro und zu den weißen Flamingos der Algarve.

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Auch wenn Portimão und besonders der Stadtteil Praia da Rocha als touristische Bettenburg verschrien sind; der gleichnamige Strand ist nach wie vor ein echtes Juwel. Wenn die Sonne die Algarve im März verlässlich auf 20 Grad und mehr erwärmt, wagt sich kaum ein Portugiese ins Wasser und auch die Touristen fehlen noch weitestgehend. So lässt sich selbst der beliebte und dadurch perfekt ausgebaute Touri-Strand entspannt genießen. Probieren Sie in einem der vielen kleinen Imbiss-Lokale an der unteren Strandpromenade unbedingt die frischen Fischgerichte und den selbstgemachten Sangria. Im starken Kontrast zu den Bettenburgen in Portimão steht das kleine Fischerdorf Ferragudo auf der anderen Seite der Bucht, das sich mit den weißgetünchten Häusern und verwinkelten Gassen seinen ursprünglichen Charme erhalten hat. Vom Vorplatz der kleinen Pfarrkirche haben Sie einen grandiosen Ausblick über die Mündung des Ria Arade und den Yachthafen von Praia da Rocha.

Strand mit Kathedrale

Haben Sie ausreichend das Flair des beschaulichen Fischerdorfs genossen, lenken Sie Ihren Mietwagen weiter Richtung Osten. Ziel ist der etwa zehn Kilometer entfernte Paria de Benagil. Der Strand ist relativ klein und schmiegt sich zwischen hohe Felsklippen. Wirklich berühmt ist der Paria de Benagil jedoch für seine Uferhöhlen und Grotten, die nur vom Wasser aus zu erreichen sind. Allen voran hat es die sogenannte Kathedrale zum wohl beliebtesten Postkartenmotiv der ganzen Algarve geschafft. Hier hat die Brandung des Atlantiks eine große Höhle in den Fels gegraben, in der sogar ein kleiner Sandstrand entstanden ist. Durch ein großes Loch in der Decke fällt Sonnenlicht in die Höhle und sorgt für eine einzigartige Beleuchtung. Während der Urlaubssaison steuern unzählige Boote die Kathedrale an, einige Urlauber schwimmen jedoch auch die knapp 150 Meter vom Strand aus. Aufgrund der sehr starken Brandung ist dies jedoch nicht zu empfehlen.

Ein Strand sieht rot

Rote Felsen am Praia de Falesia
Rote Felsen und endlose Strände am Praia de Falesia
Weit weniger riskant, jedoch ähnlich spektakulär ist ein Besuch am Praia de Falesia. Fahren Sie dafür mit dem Mietwagen Richtung Albufeira. Der Strand beeindruckt mit seinen fast unnatürlich roten Klippen, die über dem relativ schmalen, dafür unheimlich langen Sandstrand aufragen. Der Praia de Falesia bildet auch den Übergang von der felsigen Westalgarve zur flacheren Sandalgarve mit ihren weitläufigen Stränden. Erst nach etwa fünf Kilometern trifft der bisweilen menschenleere Sandstrand auf den Jachthafen von Quarteira. Beste Bedingungen für lange Strandspaziergänge, intensive Sonnenbäder und Spaß beim Schwimmen und Surfen. 

Faro: Stadt mit Charme

Je nachdem, wie viel Zeit Sie an einem der schönsten Strände der Algarve verbringen, können Sie den Rest der Tour auch auf den Folgetag verschieben. Als Nächstes steht nämlich ein Besuch der Provinzhauptstadt Faro an, in der man allein mehrere Tage verbringen könnte. Obwohl die Stadt wie kaum eine andere an der Algarve vom Tourismus lebt, hat sie sich viel von ihrem ursprünglichen Charakter erhalten. Über Jahrhunderte fungierte Faro als Handelszentrum zwischen Mittelmeer und der afrikanischen Westküste. Entsprechend prachtvoll zeigt sich die Altstadt und beeindruckt mit einer unglaublichen Fülle an sehenswerten Kirchen, Denkmälern und Museen. Nicht entgehen lassen sollten Sie sich die Kathedrale von Faro und die römischen Ruinen von Milreu. Ihren Appetit nach traditionellen Köstlichkeiten stillen Sie am besten in einem der vielen Lokalen in den verwinkelten Gassen der Altstadt.

Die weißen Flamingos der Ria Formosa

Nach dem Trouble der 40.000 Einwohnerstadt Faro entspannen Sie den Rest des Tages im Naturreservat Ria Formosa. Das in dieser Form einzigartige System aus Lagunen und Flüsschen beherbergt auf einer Länge von 60 Kilometern eine Vielzahl seltener Tiere, wie etwa Chamäleons oder die weltweit größte Seepferdchen-Population. Die Landschaft ist zudem ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel. Im Winter versammeln sich hier regelmäßig mehr als 20.000 Tiere. Dauergast in der Ria Formosa ist eine Gruppe Flamingos, die das ganze Jahr die geschützten Feuchtgebiete der Algarve bewohnt. Durch den Mangel an carotinhaltiger Nahrung sind die hier lebenden Flamingos eher Weiß als Rosa. Im Winter wächst die Gruppe bis auf über 100 Tiere an. Auf kilometerlangen Pfaden können Urlauber das Gebiet zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Alternativ können Sie ab Faro Bootstouren durch die einzigartige Wasserwelt der Ria Formosa buchen. Im Hochsommer sollten Sie sich den Besuch des Naturschutzgebiets jedoch gut überlegen. In diesem Ökosystem ist nämlich kaum Platz für größere Sträucher oder Bäume. Schatten sucht man in dem etwa 2.000 Hektar großen Naturpark meist vergebens.

(hze)

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