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Die Vor- und Nachteile von Bargeld

20.05.2014 - 18:06

Während der Bargeldanteil bei den Umsätzen im Einzelhandel in den 90er Jahren in Deutschland bei rund 80 Prozent lag, wurden im Jahr 2013 nur noch etwa die Hälfte der Umsätze bundesweit bar bezahlt. In den nächsten drei Jahren wird der Bargeldanteil Medienberichten zufolge in Deutschland sogar unter 50 Prozent fallen. Vor allem die Finanzbranche, aber auch die Staaten fördern die Abkehr vom Bargeld. Doch welche Vor- und Nachteile hat Bargeld für den Verbraucher im Vergleich zur Kartenzahlung?

Während Schweden auf dem besten Weg zur bargeldlosen Gesellschaft ist, hängen die Bundesbürger stärker am Altbewährten. Ludger Gooßens, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes etwa sagte bei einer Bundesbank-Tagung am Montag, er sei sich sicher, die Deutschen wären in Europa die letzten, die das Bargeld abschaffen werden. Gibt es überzeugende Argumente warum die Bundesbürger weiter an den Banknoten hängen?

Bargeld: Anonym und günstig?

Bargeld oder Kartenzahlung? Wer die Vor- und Nachteile beider Zahlweisen kennt, kann sie optimal für sich nutzen.
Wissenschaftler wie etwa Joseph Salerno von der Pace Universität in New York City sprechen davon, dass derzeit ein regelrechter Krieg gegen Bargeld („War on Cash“) initiiert werde. Warum und vor allem von wem? Salerno nennt hier insbesondere zwei Akteure: Die Finanzbranche und die Staaten.

Die Finanzbranche habe vor allem finanzielle Gründe, sie verdiene durch die Kartenzahlung kräftig mit. Das ist beispielsweise bei den sogenannten Interbankenentgelten der Fall. Diese Gebühren sind der Europäischen Kommission seit Jahren ein Dorn im Auge. In Vier-Parteien-Systemen - bei Visa und MasterCard - müssen die Interbankenentgelte eigentlich von der Händlerbank an die Kundenbank gezahlt werden. Tatsächlich werden sie jedoch von der Bank auf den Händler und von jenem wiederum auf den Kunden abgewälzt. Am Ende zahlt also der Endverbraucher.

Diesem Vorgehen soll nun ein Riegel vorgeschoben werden: Künftig sollen bei Debitkarten nur noch 0,2 Prozent des Transaktionswerts, bei Kreditkarten 0,3 Prozent fällig werden. Bargeld hingegen verursacht für den Privatnutzer keine Kosten, daran verdienen kann nur die Notenbank mittels Seigniorage.

Staaten hingegen haben durch die Kartenzahlung den Vorteil, Geldströme besser kontrollieren zu können, so der Ökonom Salerno weiter. Datenschutzexperten sehen das ähnlich.

Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht etwa sagte gegenüber CHECK24, dass Bargeld den Vorteil habe, keine Datenspuren entstehen zu lassen. Dies entspreche auch Paragraph 3a des Bundesdatenschutzgesetzes, der Datenvermeidung und Datensparsamkeit vorsehe. Verbraucher sollten sich bewusst sein, dass durch die Zahlung per Karte personenbeziehbare Datenbestände entstehen würden, so Kranig weiter.

Die Vorteile der Zahlung per Kredit- oder Girokarte hingegen liegen nach Meinung des Datenschützers in anderen Bereichen. Die Kartenzahlung ermögliche etwa weniger Bargeldbestände und damit weniger Diebstahlrisiken beim Handel und bei den Verbrauchern. Außerdem laufe der Verbraucher bei der Zahlung per Kreditkarte nicht Gefahr, Falschgeld angedreht zu bekommen.

Kartenzahlung: Nicht nur praktisch, sondern auch sicher

Ähnliche Argumente führen auch die Bargeld-Gegner ins Feld: Die Zahlung per Karte sei ein Kampf gegen Schwarzgeld und Kriminalität. Zu diesem Ergebnis kam auch eine Studie von sechs Wissenschaftlern der Universität Missouri-St.Louis: Im US-Bundesstaat Missouri konnte durch die Umstellung auf bargeldlose Bezahlung eine Senkung der Kriminalitätsrate um 9,8 Prozent festgestellt werden.

Eine Studie der Universität Oxford ergab zudem: Eine durchschnittliche europäische Banknote enthält 26.000 potenziell gesundheitsschädliche Bakterien. Obwohl die meisten Menschen glauben, dass der Umgang mit Scheinen und Münzen unhygienisch sei, so die Studie weiter, würde sich nur jeder Fünfte die Hände waschen, nachdem er Geld berührt hat. Die Botschaft der Studie - die übrigens von der Kreditkartengesellschaft MasterCard in Auftrag gegeben wurde - ist klar: Bargeld ist eine schmutzige Angelegenheit.

Fazit

        Bargeld vs. Kreditkarte in Deutschland
Kreditkarten ca. 34,3 Millionen
EC-Kartenca. 101,1 Millionen
Bargeld- und Sichteinlagen ca. 1,16 Milliarden Euro
Anteil der Kartenzahlung (im Einzelhandel)42,6 Prozent
Bargeldanteil (im Einzelhandel)54,4 Prozent

Jeder Verbraucher sollte selbst entscheiden, welchen Stellenwert die datenschutzrechtlichen Aspekte für ihn haben. Insbesondere in Zeiten des NSA-Skandals sind diese Fragestellungen wichtig.

Doch wer sich beispielsweise häufig im Internet bewegt, hinterlässt ebenfalls Datenspuren. Egal ob man online Zeitungen liest, Dinge im Internet kauft oder verkauft oder private Informationen in sozialen Netzwerken teilt. Das richtige Maß zwischen datenschutzrechtlichen Bedenken und praktiabler Lösung im Alltag ist entscheidend.

Im Idealfall sind sich Konsumenten der Schwachstellen der verschiedenen Zahlweisen bewusst und nutzen sie zu ihrem persönlichen Vorteil. In manchen Fällen kann beispielsweise die Zahlung per Karte nicht nur praktischer, sondern auch sicherer sein als Bargeld – beispielsweise im Ausland. Wird die Kreditkarte gestohlen, kann diese ohne Probleme gesperrt werden, Bargeld hingegen ist verloren.

Wenn sich Verbraucher für die Zahlung per Karte entscheiden, sollten sie im Vorfeld darauf achten, die richtige Kreditkarte zu wählen, um unnötige Kosten zu sparen. Es sollte dauerhaft keine Jahresgebühr anfallen, aber auch die bargeldlose Bezahlung und Bargeldabhebung sollten sowohl im Inland, als auch im Ausland gebührenfrei sein. Echte Kreditkarten – also jene mit einer Überziehungsfunktion – bieten den Nutzern zudem besondere finanzielle Flexibilität.

Wer diese Funktion in Anspruch nehmen will, sollte jedoch auf einen angemessenen Überziehungszinssatz achten. Im Schnitt wurden laut Angaben der Europäischen Zentralbank in der Eurozone im März 2014 Zinsen in Höhe von 17,08 Prozent für Kredite über Kreditkarten fällig. Diese Kosten müssen nicht sein. Viele Kreditkarten bieten günstigere Zinssätze und zudem sogar tilgungsfreie Zeiträume an. Werden die Kreditkartenschulden bis Ende des jeweiligen zinsfreien Zeitraums zurückgezahlt, fallen sogar gar keine Zinsen an. Dies ist beispielsweise bei der Sunny Card der Santander Bank der Fall. Diese bietet regulär einen Dispozins von 10,90 Prozent, wobei die ersten sechs Monate zinsfrei sind.

(bm)

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