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Wann sich eine Kreditkarte mit Versicherung lohnt (Teil 1)

21.01.2014 - 16:00

„Es ist besser, eine Versicherung zu haben und nicht zu brauchen, als eine Versicherung zu brauchen und nicht zu haben“, so lautet eine alte Weisheit. Das scheinen sich auch viele Kreditkartenanbieter auf die Fahnen geschrieben zu haben und offerieren ihren Kunden  verschiedenste Versicherungsangebote inklusive. Wir haben für Sie nachgerechnet, wie sinnvoll Kreditkarten mit Versicherungen eigentlich sind und ob sich die teure Jahresgebühr wirklich lohnt.

In unserer Blogreihe haben wir die Kreditkarten in unserem Vergleich hinsichtlich ihrer Versicherungsleistungen unter die Lupe genommen. Wann sich eine Kreditkarte mit Versicherung lohnt und wann Sie lieber zu einer Kreditkarte ohne Jahresgebühr greifen sollten, erfahren Sie hier. Außerdem haben wir für Sie ermittelt, welche Versicherungsleistungen sinnvoll und welche entbehrlich sind. In Teil 1 der Blogreihe erfahren Sie, auf welche Versicherungen Sie getrost verzichten können. In Teil 2 lesen Sie die Ergebnisse unseres Kostenvergleichs und erfahren, mit welcher der fünf getesteten Karten Sie am meisten sparen.

Zusatzversicherungen, auf die Sie getrost verzichten können

Wenn das Reisegepäck verloren geht, haftet in der Regel die Fluggesellschaft. Eine Gepäckversicherung ist somit entbehrlich.
Es gibt bestimmte Versicherungen, die schlicht und einfach entbehrlich sind. Dazu gehört in vielen Fällen eine Reisegepäcksversicherung. Denn laut dem Montrealer Luftverkehrs-Übereinkommen, das unter anderem die Länder der Europäischen Union, die USA, Japan und Australien unterzeichnet haben, haftet die Fluggesellschaft für verlorenes oder beschädigtes Reisegepäck in Höhe von maximal 1.200 Euro. Oftmals ist die Reisegepäcksversicherung, die bei Kreditkarten inkludiert ist oder von Versicherungen angeboten wird, niedriger angesetzt und bietet Kunden somit keinen Mehrwert.

Eine zusätzliche Versicherung lohnt sich nur in Einzelfällen. Etwa, wenn Verbraucher mit einer Fluggesellschaft aus einem Land reisen, das das Montrealer Luftverkehrs-Übereinkommen nicht unterzeichnet hat. Oder wenn das Reisegepäck besonders wertvolle Gegenstände enthält und diese über die Höchstsumme von 1.200 Euro versichert werden sollen.

Tipp: Wenn Verbraucher eine Beschädigung oder den Verlust ihres Gepäcksstücks bemerken, müssen sie dies direkt am Flughafenschalter melden. Sollte Ihnen das Gepäck aus dem abgeschlossenen Hotelzimmer gestohlen werden, übernimmt diesen Schaden Ihre Hausratversicherung.

Internet-Lieferschutz ist überflüssig

Ein sogenannter Internet-Lieferschutz ist in der Regel überflüssig: Der Internet-Lieferschutz versichere im Grunde nur das, was ohnehin eine gesetzliche Selbstverständlichkeit darstellt, sagte der Rechtsanwalt und Prokurist von Trusted Shops, Dr. Carsten Föhlisch, im Interview mit CHECK24.

Das Gesetz ist bei Beschädigungen von Ware auf dem Versandweg ohnehin auf der Seite des Kunden. Sollte die Ware auf dem Versandweg verloren gehen, hat der Verbraucher das Recht auf Rückerstattung des Kaufpreises, weil der Händler die sogenannte Transportgefahr beim Versendungskauf bis zur tatsächlichen Ablieferung beim Verbraucher trägt. Wird hingegen beschädigte Ware geliefert, kann der Verbraucher Gewährleistung verlangen, auch wenn er den Schaden am Paket zunächst nicht bemerkt hat. Dies bedeutet, dass der Händler die Ware neu liefern oder aber reparieren muss – eine extra Versicherung ist dafür nicht nötig.

Der Händler hat zweimal die Chance, dem Kunden das Produkt durch Neulieferung oder Reparatur zur Verfügung zu stellen. Schafft der Händler diese Nachbesserung nicht, kann der Kunde vom Kauf zurücktreten und erhält den Kaufpreis zurückerstattet. Außerdem wird bei Versicherungen wie dem Internet-Lieferschutz der Warenwert auf einen bestimmten Betrag begrenzt, der bei etwa 1.000 Euro liegt. Dr. Föhlisch erklärt: „Gesetzlich gibt es keine Haftungshöchstgrenze. Wir hatten beispielsweise den Fall, dass Goldbarren im Wert von 40.000 Euro auf dem Versandweg gestohlen wurden. Auch hier musste der Händler haften.“ Eine Versicherung kann jedoch sinnvoll sein, wenn sie auch den Fall absichert, dass der Händler zahlungsunfähig wird.

Tipp: Der Rechtsanwalt Dr. Carsten Föhlisch rät Verbrauchern, etwaige Schäden, die auf dem Versandweg entstanden sind, gut zu dokumentieren beziehungsweise offensichtlich beschädigte Pakete gar nicht erst anzunehmen. Als Nachweis sollten etwa Fotos gemacht oder, wenn möglich, Zeugen hinzugezogen werden. Wenn dies nicht möglich ist, kann mit eidesstattlichen Erklärungen gearbeitet werden.

Diese Versicherungen sind nur bedingt empfehlenswert:

Die Leistung einer Warenschutz-Versicherung geht über die gesetzliche Haftung hinaus. Hier werden Gegenstände für den Zeitraum von 90 Tagen gegen Verlust, Beschädigung oder Diebstahl abgesichert. Kauft sich ein Kunde beispielsweise eine Sonnenbrille, die ihm nur wenige Wochen später im Urlaub gestohlen wird, ersetzt ihm die Warenschutz-Versicherung den Schaden. Verbraucher müssen in diesem Fall selbst entscheiden, ob sich eine derartige Absicherung für sie lohnt und sollten in jedem Fall das Kleingedruckte lesen.

Einige Versicherungsexperten halten zudem eine Vollkaskoversicherung bei Mietwagen für entbehrlich, diese sei – etwa bei Anbietern wie SIXT – ohnehin meist inklusive oder gegen einen geringen Aufpreis buchbar. Die Privathaftpflichtversicherung haftet in der Regel bei Schäden am Mietwagen und macht damit eine Haftpflicht für den Mietwagen oftmals sinnlos. Die Leistungen eines Autoschutzbriefes könnten gegebenenfalls bereits über die Kfz-Versicherung des Kunden abgedeckt sein.

Bevor Verbraucher teure Versicherungen wählen oder sich für eine bestimmte Kreditkarte mit diesen Versicherungen entscheiden, macht es Sinn, sich mit ihrem Versicherungsanbieter in Verbindung zu setzen und zu erfragen, welcher Versicherungsschutz bereits besteht. Einen großen Vorteil haben Versicherungen jedoch, wie der Rechtsanwalt Föhlisch findet: Es kann vorteilhaft sein, dass man sich nicht mit dem Händler auseinandersetzen muss, sondern einen unabhängigen Ansprechpartner bei der Versicherung hat, der den Fall prüft.

Lesen Sie in Teil 2, wann sich eine Kreditkarte mit Versicherung lohnt und wann Verbraucher lieber zu einer Kreditkarte ohne Jahresgebühr greifen sollten.

(bm)

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