0800 - 24 24 123 Hilfe und Kontakt
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Wie funktioniert die Kreditkartenzahlung?

07.10.2014 - 12:00

Die Zahlung per Kreditkarte ist für viele Menschen aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Doch wie genau funktioniert die Zahlung per Karte eigentlich und welche Institutionen sind im Hintergrund beteiligt?

1949 gilt als Geburtsjahr der Kreditkarte: Frank McNamara brachte damals die erste Diners-Club-Kreditkarte auf den Markt. Der Legende nach hatte der Geschäftsmann beim Speisen in einem Restaurant seinen Geldbeutel vergessen. Statt seine Rechnung bar zu begleichen, unterschrieb er seine Visitenkarte und hinterließ diese im Restaurant – er erhielt dadurch einen Zahlungsaufschub und die Idee der Kreditkarte war geboren. Zunächst akzeptierten nur Restaurants die Diners-Club-Kreditkarte, bald wurde die Zahlungsmöglichkeit per Karte auch auf Hotels und andere Geschäfte ausgeweitet.

Seitdem hat sich viel verändert: Heute gibt es neben Diners Club auch die Kreditkartengesellschaften Mastercard, Visa und American Express und weltweit kann an über 30 Millionen Akzeptanzstellen per Karte bezahlt werden. Auch technisch ist seit den Anfängen viel passiert.

So funktioniert die Zahlung per Kreditkarte heute

Die Zahlung per Kreditkarte erfolgt in Sekundenschnelle, doch im Hintergrund sind viele verschiedene Parteien beteiligt.
Wer seine Kreditkarte genauer ansieht, findet darauf in der Regel neben dem Logo der eigenen Bank auch das Logo einer Kreditkartengesellschaft. Doch macht es einen Unterschied, ob der Kunde per Visa, Mastercard, American Express (Amex) oder Diners Club-Kreditkarte bezahlt?

Tatsächlich hat die Kreditkartenmarke Einfluss auf das, was hinter den Kulissen bei der Bezahlung abläuft. Entscheidend ist, ob es sich um ein sogenanntes Drei-Partien- oder Vier-Parteien-System handelt. Von Vier-Parteien-Systemen spricht man, wenn die Kreditkarten über Banken herausgegeben werden, bei Drei-Parteien-Systemen ist die Kreditkartengesellschaft selbst die Bank.

Bekanntestes Beispiel dafür ist aktuell American Express: Sowohl die Kreditkartenherausgabe als auch die Kreditvergabe läuft über das Unternehmen selbst. Amex hat selbst eine Banklizenz und trägt damit auch das gesamte Risiko - etwa für einen Kreditausfall.

Derzeit dominieren jedoch die Vier-Parteien-Systeme auf dem Markt - allen voran Mastercard und Visa. Diese Kreditkartengesellschaften sind weltweite Marktführer, in Deutschland beispielsweise machen Visa mit 16,7 Millionen und Mastercard mit 16,1 Millionen Kreditkarten rund 96 Prozent aller Kreditkarten in Deutschland aus. Die meisten Kreditkartenzahlungen in Deutschland erfolgen also nach dem Prinzip des Vier-Parteien-Systems.

Der Kunde erhält seine Kreditkarte von einer bestimmten Bank, diese hat einen Vertrag mit der jeweiligen Kreditkartengesellschaft geschlossen. Die Bank verpflichtet sich, eine Lizenzgebühr an die Kreditkartengesellschaft zu  zahlen und darf im Gegenzug die Kreditkarte mit der Marke Mastercard oder Visa herausgeben.

Zahlt der Kunde nun mit seiner Kreditkarte an der Kasse im Supermarkt, läuft die Abrechnung über seine Bank. Zunächst wird geprüft, ob die Karte noch gültig ist und über einen ausreichend hohen Kreditrahmen verfügt. Ist diese Validierung erfolgreich, transferiert die Kundenbank im Anschluss den Rechnungsbetrag an die Kreditkartengesellschaft, diese wiederum stellt sicher, dass die Zahlung die richtige Händlerbank erreicht. Im Anschluss wird der Rechnungsbetrag von der Händlerbank an den Händler überwiesen – die Zahlung ist erfolgt. All das dauert nur wenige Sekunden.

So verdienen die Kreditkartengesellschaften Geld

Die Leistung der Kreditkartengesellschaft in diesem System ist die Buchung einer Transaktion von A nach B, sodass weltweit problemlos per Kreditkarte bezahlt werden kann. Möchte eine Bank beispielsweise die Technik von Visa nutzen, muss das Geldinstitut Mitglied bei Visa werden und bestimmte Lizenzgebühren für diese Dienstleistung zahlen. Das gilt sowohl für die Händler- als auch die Kundenbank.

Neben der Lizenzvereinbarung fallen für Banken auch sogenannte Interbankengelte an. Diese werden von den Kreditkartengesellschaften festgesetzt und müssen von der Händlerbank an die Kundenbank bezahlt werden. Am Ende zahlt sie dennoch der Verbraucher. Warum das so ist, wird an einem Beispiel deutlich: Zahlt der Kunde etwa einen Betrag in Höhe von 100 Euro per Kreditkarte, überweist die Kundenbank der Händlerbank beispielsweise einen Betrag in Höhe von 99,50 Euro. Die Differenz ist das sogenannte Interbankenentgelt. Die Händlerbank schreibt dem Händler in diesem Beispiel dann 99,20 Euro gut. Bis zu diesem Punkt zahlt also der Händler die Kosten in Höhe von 80 Cent.

Um nicht selbst auf den Gebühren sitzenzubleiben, erhöhen Einzelhändler dann die Verkaufspreise, um so die entstehenden Gebühren auszugleichen. Unter dem Strich tragen somit die Kunden die Kosten für die Interbankenentgelte – ironischerweise auch jene Kunden, die bar bezahlen. Mastercard selbst gibt in einem Interview mit CHECK24 an, dass das Unternehmen an diesen Gebühren jedoch nichts verdienen würde.

Die EU will den Interbankenentgelten nun einen Riegel vorschieben: Bereits im April 2014 stimmten die Abgeordneten dafür, die Interbankenentgelte für Kreditkarten auf 0,3 Prozent und bei Debitkarten auf 0,2 Prozent des Rechnungsbetrags oder mindestens sieben Cent zu deckeln. Diese Regelung soll zu einer Senkung der Verkaufspreise führen. Allerdings ist noch nicht absehbar wann genau diese Regelung in Kraft tritt, denn  Europaparlament und der Rat der Europäischen Union müssen sich noch abschließend einigen.

Drei-Parteien-Systeme wie American Express sind von dieser Regelung nicht betroffen - dies wird von vielen Seiten kritisiert. Das Unternehmen entschied sich nun im August 2014 dazu, die Kreditkartengebühren selbst zu deckeln: Händler müssen nun nur noch 1,9 Prozent und damit etwa die Hälfte des bisherigen Anteils bezahlen. Verbraucherschützer bezweifeln allerdings, dass die Regelung tatsächlich greift.

Lesen Sie hier, welche versteckten Kosten bei der Kreditkartenzahlung für Verbraucher fällig werden können.

(bm)

Weitere Artikel: