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Wie sinnvoll ist eine Kreditkarte für Jugendliche?

27.01.2014 - 08:00

Bei dem Gedanken, einem Jugendlichen eine Kreditkarte in die Hand zu drücken, schütteln viele Erwachsene den Kopf. Mit der Plastikkarte assoziiert man automatisch ein hohes Verschuldungsrisiko. Viele Banken haben jedoch spezielle Angebote, die sich auch gut für Kinder und Jugendliche eignen, sogenannte Prepaid-Kreditkarten: Eine Bezahlung ist damit nur aus dem Guthaben möglich. Wir haben die rechtlichen Grundlagen sowie die Vor- und Nachteile einer Kreditkarte für Jugendliche für Sie zusammengestellt.

Über 30 Millionen Kreditkarten sind in Deutschland im Umlauf – noch zu wenig aus Sicht vieler Kreditkartenanbieter. Als neue Zielgruppe hat sich die Branche Kinder und Jugendliche auserkoren, die großes Potential bietet. Das digitale Zeitalter macht es möglich: Kreditkarten können heutzutage ganz einfach über einen Kreditkartenvergleich im Internet verglichen und im Anschluss direkt online beantragt werden. Das ist für Verbraucher praktisch, doch für Eltern stellt sich die Frage: Ist das Geschäft eigentlich rechtsgültig, wenn mein Kind online eine Kreditkarte beantragt? CHECK24 hat dazu einen Rechtsexperten befragt, der es wissen muss: Dr. Carsten Föhlisch ist Rechtsanwalt und Prokurist bei Trusted Shops und wurde bereits vom Deutschen Bundestag um eine Stellungnahme bei Gesetzesentwürfen gebeten. CHECK24 steht er Rede und Antwort.

Die Rechtslage: Können Jugendliche Kreditkarten beantragen?

So mancher Jugendliche würde sich freuen, eine eigene Kreditkarte zu besitzen. Doch ist das wirklich sinnvoll?
Wichtig für die Beantwortung dieser Frage sei der sogenannte Taschengeldparagraph §110 im Bürgerlichen Gesetzbuch, so Föhlisch im Interview. Demnach sind Minderjährige ab dem vollendeten siebenten Lebensjahr beschränkt geschäftsfähig und von ihnen geschlossene Verträge dann wirksam, wenn der Jugendliche die Leistungen direkt mit seinen Mitteln, also dem Taschengeld begleicht. Das klassische Beispiel ist der Kauf von Süßigkeiten im Supermarkt um die Ecke. Hier wird die in Anspruch genommene Leistung direkt bar bezahlt, der Vertrag kommt also zustande.

Bei Einkäufen oder Inanspruchnahme von Leistungen im Internet ist die Lage in manchen Fällen nicht ganz so eindeutig. Grundsätzlich seien Verträge hier solange schwebend unwirksam, bis das Geld für die in Anspruch genommene Leistung eingegangen sei, erklärt Rechtsanwalt Dr. Carsten Föhlisch.

Wenn Jugendliche beispielsweise online ein Videospiel kaufen und einige Wochen später die Mahnung ins Haus flattert, da die Rechnung noch nicht beglichen wurde, gibt es zwei Möglichkeiten: Die gesetzlichen Vertreter – in der Regel die Eltern – können dem Vertrag im Nachhinein zustimmen und das Geld überweisen. Oder sie lehnen den Kauf ab.

Der bisher schwebend unwirksame Vertrag wird damit tatsächlich unwirksam. Zahlen Minderjährige den Online-Kauf jedoch direkt – etwa per Überweisung oder mit ihrer Kreditkarte – kommt der Vertrag ebenso wie der Bareinkauf im Internet zustande. Demzufolge wäre die Online-Beantragung einer Prepaid-Kreditkarte wirksam, sofern eine etwaige anfallende Jahresgebühr direkt beglichen wird.

In der Theorie ist die Beantragung einer Kreditkarte im Internet für Jugendliche möglich, in der Praxis stellt sich das oft als schwierig heraus. Viele Unternehmen – darunter auch CHECK24 – setzen für eine Onlinebeantragung einer Prepaid-Kreditkarte ein Mindestalter von 18 Jahren voraus. Zudem verlangen viele Banken bei der Beantragung von Prepaid-Kreditkarten im Internet von Jugendlichen die Zustimmungserklärung der gesetzlichen Vertreter.

Diese soll Klarheit schaffen, was genau mit den Mitteln im Sinne des Taschengeld-Paragraphen gemeint ist, erklärt Dr. Föhlisch. In der Zustimmungserklärung wird von Banken oftmals eine gewisse Höchstsumme - beispielsweise 500 Euro - festgelegt, über die die Jugendlichen frei verfügen können. Ansonsten hängt jedoch die Frage was als Taschengeld gilt, auch vom Gehalt der Eltern ab: Ob die Eltern Hartz-IV-Empfänger oder Millionäre sind, ist hier entscheidend.

Tipp: Unabhängig von der schwebenden Unwirksamkeit der Verträge steht Minderjährigen genau wie anderen Verbrauchern bei Onlinekäufen ein 14-tägiges Widerrufsrecht zu.

Wann macht eine Kreditkarte für Jugendliche Sinn?

Unabhängig von der Zahlungsart: Kinder und Jugendliche müssen den richtigen Umgang mit Geld erst lernen. Dafür ist die Erkenntnis Voraussetzung, dass Geld nicht auf Bäumen wächst, sondern erst verdient werden muss. Damit Kinder und Jugendliche die Knappheit der Ressource Geld lernen, müssen sie einen begrenzten Finanzrahmen erhalten. Das kann auch für Eltern schwer sein, wenn große Kinderaugen „nur dieses eine Mal noch“ um einen Vorschuss des Taschengeldes bitten. Auch Großeltern geben gerne – oftmals auch unbemerkt von den Eltern – eine kleine Finanzspritze. Konsequent bleiben, lautet also die Devise.

Die Entscheidung wie hoch das Taschengeld monatlich ausfällt, treffen letztendlich die Eltern. Jugendämter empfehlen eine Staffelung je nach Alter: Mit zwölf Jahren liegt das empfohlene Taschengeld bei 20 Euro für 18-Jährige etwa bei 70 Euro. Benötigen die Jugendlichen mehr Geld, können sie dieses beispielsweise mit einem kleinen Nebenjob hinzuverdienen.

Einer Studie der Deutschen Bundesbank zufolge wurde im Jahr 2011 in Deutschland das Taschengeld zu 97,9 Prozent in Bargeld und zu 2,1 Prozent per Überweisung ausbezahlt. Die Kreditkarte ist also bei der Zahlung von Taschengeld nicht relevant. Das hat einen guten Grund, denn selbst Erwachsenen fällt die Kostenkontrolle bei Bargeld gefühlt einfacher: Der Blick in den Geldbeutel verrät, wie viel Budget noch zur Verfügung steht, Scheine und Münzen werden scheinbar weniger schnell ausgegeben. Ob dieser subjektive Eindruck tatsächlich stimmt, konnte bisher noch nicht mit Zahlen belegt werden.

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Trotzdem sind unbare Bezahlmethoden auf dem Vormarsch. 2011 wurden – berechnet anhand des Umsatzes - bereits knapp 47 Prozent aller Einkäufe in Deutschland unbar getätigt. Vor allem beim Einkauf im Internet ist die Zahlung per Kreditkarte beliebt: Etwa zwei Drittel der Bundesbürger kaufen bereits im Internet ein, etwa ein Drittel der Online-Käufe werden dabei mit der Kreditkarte getätigt. Aus diesem Grund kann es für Kinder und Jugendliche ab einem bestimmten Alter wichtig werden, auch die Kreditkarte als Zahlungsform kennenzulernen, damit sie später auch als Erwachsene verantwortungsvoll damit umgehen können.

Dazu eignet sich eine Prepaid-Kreditkarte sehr gut, denn mit dieser kann nur aus dem Guthaben bezahlt werden, Schulden können Jugendliche so nicht machen. Für die Kreditkarte sprechen aber auch Sicherheitsaspekte: Das 3D-Secure-Verfahren etwa macht das Onlineshopping noch sicherer, aber auch offline gibt es gute Gründe für eine Prepaid-Kreditkarte: Sind Jugendliche im Ausland unterwegs, etwa auf einer Klassenfahrt  und die Karte wird geklaut, kann sie ganz einfach gesperrt werden. Das eingezahlte Geld ist damit nicht verloren. Anders sähe das etwa beim Bargeld aus. Eltern sollten bei der Auswahl der Prepaid-Kreditkarte für ihren Nachwuchs darauf achten, dass eine Überziehung tatsächlich nicht möglich ist. Manche Banken verstecken im Kleingedruckten entsprechende Klauseln, wie der Verbraucherschutz aufdeckte.

Tipp: Jugendliche, die das Gefühl haben, immer knapp bei Kasse zu sein, können einen Ausgaben-Check machen: Einfach eine Woche lang jeden Tag alle Ausgaben notieren und den Einnahmen gegenüber stellen. Am einfachsten geht das, wenn man sich bei jedem Einkauf den Kassenzettel geben lässt oder bei Kartenzahlung am Ende auf die Abrechnung schaut. So erkennt man unnötige Kostentreiber, die sonst nicht auffallen. Zum Beispiel den täglichen Kaffee to go auf dem Weg zur Schule.

(bm)

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