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Interbankenentgelte bei Kreditkarten

20.12.2013 - 11:00

Als Edward Bellamy im Jahr 1887 in seinem Roman Looking Backward zum ersten Mal den Begriff „Kreditkarte“ verwendete, prägte er damit unwissentlich die Bezeichnung einer der modernsten Zahlungsweisen unserer Zeit. Was bei dem Science-Fiction-Autor als einfaches Konzept begann, hat sich heute zu einem komplizierten Netz aus Abhängigkeiten und Verstrickungen entwickelt. Bei der Zahlung mit Kreditkarte im In- und Ausland stolpern Verbraucher auch über den Begriff der Interbankenentgelte. Wir zeigen, was sich dahinter verbirgt und warum die geplante Deckelung der Interbankenentgelte vielleicht nicht hält, was sie verspricht.

Wenn der Kunde an der Kasse mit Kreditkarte zahlt, sind in der Regel nicht nur der Einzelhändler und der Konsument an der Transaktion beteiligt: Im Hintergrund spielen noch andere Akteure eine Rolle. Das Zusammenspiel von Kreditkartengesellschaften, Kreditkartenherausgebern, Banken, Händlern und Kunden hat in der Vergangenheit zu einer Benachteiligung des schwächsten Gliedes in der Kette - des Kunden - geführt, so die Meinung der Europäischen Kommission. Deshalb wurde mit der Deckelung der Interbankenentgelte eine Regelung getroffen, die dem Einhalt gebieten soll.

Das Zusammenspiel der Akteure

Je nach den beteiligten Akteuren unterscheidet man zwischen verschiedenen Parteien-Systemen. Bei den Kreditkartengesellschaften MasterCard und Visa spricht man von einem Vier-Parteien-System. Diese Unternehmen geben Kreditkarten nicht selbst heraus, sondern vergeben sogenannte „Issuing-Lizenzen“ an Banken. Eine solche Lizenz berechtigt eine Bank  zur Herausgabe einer Kreditkarte der Marke MasterCard oder Visa. Im Gegenzug fallen für dieses Nutzungsrecht Lizenzgebühren an, die von der Bank an die Kreditkartengesellschaft bezahlt werden.

Damit ein Händler die Kreditkarte eines Kunden akzeptieren kann, braucht auch die Bank des Einzelhändlers eine gebührenfällige Lizenz, die sogenannte Acquiring-Lizenz. Das passiert bereits lange bevor der Kunde seine Kreditkarte an der Kasse überhaupt einsetzen kann.

Die Kreditkartenvergabe von American Express beispielsweise erfolgt in einem sogenannten Drei-Parteien-System: American Express vergibt die Kreditkarten direkt an seine Kunden, ohne eine Bank zwischenzuschalten. Während bei MasterCard und Visa das Risiko von Mitgliedsbanken getragen wird, vergibt American Express die Darlehen selbst an die Kunden und ist von Zahlungsausfällen somit stärker betroffen.

Beispiel: Der Kunde kauft ein Produkt mit einem Warenwert von 100 € und bezahlt mit Kreditkarte. Die Kundenbank überweist 99,50 Euro an die Händlerbank - die einbehaltenen 0,50 € sind das Interbankenentgelt. Die Händlerbank schreibt dem Händler beispielsweise 99,20 € gut, der Händler hat somit Kosten in Höhe von 0,80 € zu tragen. Diese gibt er mittels eines höheren Verkaufspreises an alle Kunden weiter.

 

 

Wann werden Interbankenentgelte fällig?

Wenn der Kunde an der Kasse die Kreditkarte zückt, wird das Interbankenentgelt fällig. Diese ist eine Gebühr, die von der Bank des Einzelhändlers bei jeder elektronischen Zahlung an die Bank des Kartennutzers bezahlt wird. Nicht die Händlerbank, sondern die Einzelhändler selbst müssen eigentlich für diese Gebühr aufkommen. Die Kosten werden jedoch von den Händlern auf die Verbraucher abgewälzt –  jährlich ist hier von einem zweistelligen Milliardenbetrag die Rede. Die Interbankenentgelte werden in Form von höheren Verkaufspreisen an die Kunden weitergegeben. Das Absurde: Somit tragen selbst Kunden, die bar bezahlen, einen Teil dieser Gebühren. Das bestätigt auch EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Er unterstellt den Bankhäusern zudem, ihre Kunden aus Eigennutz zur Kartenzahlung zu ermutigen, denn diese Zahlungsart sei für Banken am lukrativsten.

Welche Änderungen sind geplant?

Die Lösung des Problems sieht die Europäische Kommission in der Deckelung der Interbankenentgelte. Diese Regelung gilt für die beiden Branchenführer MasterCard und Visa, die zusammen etwa 90 Prozent des Marktes dominieren. Drei-Parteien-Systeme wie American Express oder Diners Club sind nicht betroffen. Damit soll erreicht werden, dass die Kosten für die Verbraucher sinken und die Kreditkartenzahlung attraktiver wird. Konkret sieht die EU-Verordnung eine Gebührendeckelung bei Kreditkarten in Höhe von 0,3 Prozent des Transaktionswertes vor. Bei Debit-Karten soll die Obergrenze bei 0,2 Prozent liegen. Zum Vergleich: Die Gebühren für die Kreditkartenzahlung liegen beispielsweise in den Niederlanden schon heute bei 0,2 Prozent, Deutschland ist mit 1,8 Prozent trauriger Spitzenreiter in Europa.

Zudem sollen zusätzliche Gebühren für Kartenzahlungen – wie etwa bei der Buchung von Flugtickets üblich – verboten werden. Laut Sven Giegold, dem wirtschafts- und finanzpolitischen Sprecher der Grünen im Europaparlament, verdienen Kreditkartenanbieter wie MasterCard und Visa zehn Milliarden Euro durch Interbankenentgelte pro Jahr. Der stellvertretende Deutschlandchef von MasterCard, Jürgen Uthe, hingegen betont im Interview mit CHECK24, dass MasterCard keinen Cent an den Gebühren verdiene.

Welche Folgen hat die Deckelung der Interbankenentgelte?

Laut der Kreditkartengesellschaft MasterCard wird das Ziel der Regelung – die Entlastung der Verbraucher – mit der Verordnung nicht erreicht. Lediglich der Handel würde profitieren und seine Gewinne maximieren. Durch eine Regulierung werden die Kosten für den Konsumenten nicht wie geplant sinken, sondern sogar steigen, so MasterCard weiter.

Dabei beruft sich die Kreditkartengesellschaft auf Erfahrungen aus Spanien. Eine Studie der Rey Juan Carlos Universität habe gezeigt, dass mit der Regulierung der Interbankenentgelte in Spanien die Jahresgebühren der Kreditkarten um bis zu 50 Prozent gestiegen wären. Das wiederum würde dazu führen, dass Kunden vermehrt zu Bargeld greifen. Die moderne Zahlungsart würde somit nicht gefördert, sondern im Gegenteil eher unattraktiver und die Innovationsfähigkeit vermindert.

EU-Kommissar Michel Barnier hält dagegen, dass durch eine Deckelung der Interbankenentgelte der Wettbewerb im Markt nach Ansicht der Europäischen Kommission erhöht werde und damit die Kosten für die Verbraucher sinken würden. Insgesamt werde somit die Kreditkartenakzeptanz erhöht, so Barnier.

Was ändert sich für Verbraucher?

Naturgemäß stellen die Kreditkartengesellschaft MasterCard und die Europäische Kommission Kontrahenten dar, deren Meinungen gegensätzlicher nicht sein könnten. Doch auch andere Stellen, wie beispielsweise die Deutsche Kreditwirtschaft, machen ihren Bedenken hinsichtlich der Regelung Luft und führen dabei ein schlagendes Argument an: Länder, die schon jetzt regulierte Interbankenentgelte aufweisen, können dennoch nicht mit einer höheren Kartenakzeptanzquote brillieren.

Höhere Kartenakzeptanzquoten hingegen weisen vor allem jene Länder auf, in denen Verbraucher aus persönlicher Überzeugung und aufgrund anderer Rahmenbedingungen tendenziell eher zu Kartenzahlungen neigen. Die mögliche Konsequenz einer Deckelung der Interbankenentgelte für Verbraucher in Deutschland: kostenlose Kreditkarten der Marken MasterCard und Visa könnten in Zukunft immer seltener werden oder gar ganz vom Markt verschwinden – die Jahresgebühren dieser Karten könnten stark ansteigen. Ausgehend vom Beispiel in Spanien, sind Preisanstiege der Jahresgebühr um bis zu 50 Prozent möglich. Vergünstigungen aus Bonuspunktprogrammen und Werbeaktionen könnten zurückgehen.

Bei Drei-Parteien-Systemen wie American Express und Diners Club könnten höhere Kosten für den Kunden oder Zahlungsschwierigkeiten die Folge sein. Denn Händler sind berechtigt, Aufschläge zu erheben oder die Annahme dieser Kreditkarten-Marken zu verweigern. Einen klaren Vorteil der Regelung gibt es jedoch auch: Die Haftung des Kreditkartenbesitzers soll auf maximal 50 Euro begrenzt werden, derzeit liegt sie bei maximal 150 Euro.

(bm)

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