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Deckelung der Interbankenentgelte: Was ändert sich für Kreditkarteninhaber?

13.03.2015 - 14:00

Das EU-Parlament hat am Dienstag dafür gestimmt, Kreditkartengebühren bei 0,3 Prozent des Transaktionswertes zu deckeln. Was bedeutet das genau für Verbraucher? Und ab wann gilt diese Regelung?

Bereits im Dezember hatte sich das EU-Parlament informell mit dem Rat der Europäischen Union auf den nun zur Abstimmung vorliegenden Gesetzesentwurf geeinigt. Der Rat muss die neuen Regelungen nun noch formell billigen, sechs Monate später werden die Vorschriften dann wirksam.

Mann zahlt mit Kreditkarte
Wird die Kreditkartenzahlung jetzt günstiger?
Durch die Deckelung der Kreditkartengebühren sollen die Kosten für Verbraucher transparenter werden. Bislang war nicht klar ersichtlich, wie hoch die Entgelte bei der Kartenzahlung waren und wer sie erhielt.

Während Einzelhändler momentan noch dazu gezwungen sind, alle Karten unter den Bedingungen der Zahlungsdienstleister anzunehmen, ist das mit der neuen Regelung künftig nicht mehr der Fall. Der Händler muss dann nur noch jene Karten akzeptieren, für die die Gebührenobergrenzen gelten. Das soll den Wettbewerb ankurbeln, wodurch sich sowohl Verbraucher als auch Händler Gebühren sparen.

Die Kreditkartengebühren – auch Interbankenentgelte genannt – werden von der Bank des Einzelhändlers an die Bank des Kunden gezahlt. Die Händlerbank gibt diese Kosten an den Händler weiter, der sie über höhere Verkaufspreise an den Endkunden weiterreicht. Unterm Strich bleiben bislang die Verbraucher auf den Gebühren sitzen – in Deutschland können diese Gebühren bis zu 1,8 Prozent der Rechnungssumme ausmachen.

Was wird sich durch die neue Gebührenregelung ändern?

Durch die neue Regelung soll verhindert werden, dass Verbraucher hohe Gebühren für den Einsatz ihrer Kreditkarte zahlen. Zu diesem Zweck wurden die Gebühren gedeckelt: Bei Kreditkarten auf maximal 0,3 Prozent des Transaktionswertes, bei grenzüberschreitenden EC-Kartenzahlungen auf 0,2 Prozent. Zahlt man hingegen im Inland per EC-Karte, muss man noch fünf Jahre auf eine Deckelung warten, erst dann wird auch hier eine Obergrenze von 0,2 Prozent eingeführt. Bei kleinen EC-Kartentransaktionen können die EU-Mitgliedsstaaten nach der Übergangsfrist von fünf Jahren außerdem eine feste Höchstgebühr von 0,05 Euro pro Zahlung erheben.

Doch was soll das alles bringen? Die neue Regelung lässt die Gebühren für die Kartenzahlung sinken – die Preise für Waren und Dienstleistungen werden also günstiger. EU-Kommissar Michael Barnier etwa ist der Meinung, dass durch die Deckelung der Interbankenentgelte der Wettbewerb im Markt erhöht wird und damit die Kosten sinken. Insgesamt machen die Interbankenentgelte Schätzungen der EU zufolge einen Betrag von zehn Milliarden Euro jährlich aus. Durch die Gebührendeckelung sollen die Kosten auf nur mehr vier Milliarden Euro sinken.

Sind am Ende die Kreditkartenbesitzer die Verlierer?

Kreditkartengesellschaften wie etwa MasterCard teilen diese Einschätzung der Europäischen Kommission hingegen nicht. Nach Ansicht der Kreditkartengesellschaft werde nur der Handel durch die neue Regelung profitieren, Verbraucher hingegen würden von der Senkung der Gebühren nichts bemerken, da die Kostenersparnis nicht an sie weiter gegeben werde.

Auch kostenlose Kreditkarten auf dem Markt könnten wegfallen oder weniger werden – bei anderen Karten könnte die Jahresgebühr steigen. Auch Finanzexperten wie beispielsweise der Professor für Finanzdienstleistungen an der Fachhochschule Kaiserslautern, Dr. Jürgen Bott, beurteilen die Deckelung aus wissenschaftlicher Sicht kritisch.

Könnte es zu Zahlungsproblemen kommen?

Die Deckelung der Gebühren betrifft nur die sogenannten Vier-Parteien-Systeme MasterCard und Visa. Diners-Club- oder American-Express-Besitzer könnten durch die neue Regelung möglicherweise Zahlungsprobleme bekommen, da manche Händler diese Kreditkartenmarke aus Kostengründen nicht mehr anbieten.

Heutzutage sind Einzelhändler oft gezwungen, alle Karten unter den Bedingungen der jeweiligen Zahlungsdienstleister anzunehmen. Nach den neuen Vorschriften steht es den Händlern dann frei, nur jene Karten zu akzeptieren, für die die Gebührendeckelung gelten. Auch das Europaparlament räumt ein, dass der Verbraucher in diesem Fall eine kleinere Auswahl an Zahlungsmöglichkeiten  habe. Der Vorteil läge jedoch darin, dass Verbraucher und Einzelhändler bei den Gebühren sparen können, so das EU-Parlament weiter.

Gegen Ende dieses Jahres werden sowohl Verbraucher als auch Einzelhändler dann selbst bemerken, was die neue EU-Regelung für Obergrenzen von Kreditkartengebühren im Alltag wirklich bringt.

(bm)

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