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American Express kämpft um mehr Marktanteil in Deutschland

24.06.2015 - 11:53

American Express ist in Deutschland ein kleines Licht: Nur rund vier Prozent aller Kreditkarten in der Bundesrepublik tragen das Amex-Logo. Warum das Unternehmen dennoch mit den großen Playern wie Visa und MasterCard mithalten will.

Amex ist die traditionsreichste Kreditkartengesellschaft. Bereits 1850 wurde das Unternehmen gegründet und existiert bis heute, seit 2010 auch als Geschäftsbank. Im Gegensatz zu MasterCard und Visa handelt es sich bei American Express daher um ein sogenanntes Drei-Parteien-System. Das bedeutet, dass keine Bank zwischengeschaltet ist – Amex gibt die Kreditkarte selbst aus und gewährt seinen Kunden auch direkt den Kredit. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Kreditkartenmarkt – und auch sonst weist der US-amerikanische Konzern so manche Besonderheit auf.

American Express in Deutschland

Rund 36 Millionen Kreditkarten sind derzeit in Deutschland im Umlauf, nur 1,5 Millionen – knapp vier Prozent – kommen von American Express. Auf dem Großteil der deutschen Kreditkarten prangt ein Visa oder MasterCard-Logo, wobei der Löwenanteil mit 17,9 Millionen Stück auf Visa entfällt. Doch Amex lässt sich davon nicht einschüchtern. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen Anstrengungen unternommen, im deutschen Markt besser Fuß zu fassen. Wie schafft man das als Kreditkartenunternehmen? Natürlich: Mehr Menschen müssen die Karten verwenden und möglichst viel damit bezahlen.

Von 2013 auf 2014 hat sich die Anzahl der ausgegebenen Amex-Kreditkarten in der Bundesrepublik allerdings kaum verändert. Weltweit hingegen konnte der Umsatz um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden, etwa acht Prozent des Umsatzes entfallen allein auf Kreditkartengebühren. Das macht deutlich, wie wichtig diese Gebühren für das Unternehmen sind. Die Vier-Parteien-Systeme MasterCard und Visa wurden vom Europaparlament im März dieses Jahres dazu verdonnert, ihre Gebühren zu deckeln. Die sogenannten Interbankenentgelte, also jene Gebühren, die von der Händlerbank an die Kundenbank gezahlt werden, wurden auf 0,3 Prozent des Transaktionswertes reduziert.
American Express senkte die Gebühren in Deutschland "freiwillig" ebenfalls - auf 1,9 Prozent. Zuvor führten Händler einer Studie zufolge im Schnitt 3,26 Prozent des Umsatzes an Amex ab. Bei MasterCard waren es auch vor der Gebührendeckelung mit 2,4 Prozent deutlich weniger, auch Visa langte mit 2,2 Prozent nicht so zu wie Amex. Für Händler ist es also noch immer sehr teuer, Amex-Kreditkarten anzunehmen. Denn die Kreditkartengebühren werden im Endeffekt von der Händlerbank auf die Händler abgewälzt, die die Kosten zu tragen haben und dann zweimal überlegen, ob sie eine so teure Karte in ihr Angebot mit aufnehmen möchten.

Amex-Kunden verdienen überdurchschnittlich gut

Einkommen nach Kreditkartenmarke
American Express-Kunden gehören zu den Gutverdienern.
Der große Vorteil von Amex ist die zahlungskräftige Zielgruppe. Männliche Amex-Karteinhaber verfügen durchschnittlich über ein Einkommen von 2.904 Euro netto und damit über deutlich mehr als MasterCard- oder Visa-Karteninhaber mit 2.386 Euro beziehungsweise 2.195 Euro netto. Das ergab eine Studie des Vergleichsportals CHECK24, die alle Kartenanträge eines Jahres untersuchte. Frauen, die im Besitz einer Amex-Kreditkarte waren, verdienten 1.907 Euro netto, bei MasterCard-Kreditkarten waren es 1.795 Euro, bei Visa-Kreditkarten sogar nur 1.627 Euro. Das Potential über die Kreditkartengebühren Geld zu verdienen, ist bei Amex also deutlich höher als bei der Konkurrenz. Schließlich werden die Interbankenentgelte anhand des Transaktionswertes berechnet. Wer mehr verdient, gibt sehr wahrscheinlich auch mehr aus.

Das sind die Besonderheiten einer American Express-Kreditkarte

In manchen Punkten kann eine American Express-Kreditkarte nicht mit MasterCard oder Visa mithalten. MasterCard und Visa bieten Verbrauchern über 30 Millionen Akzeptanzstellen weltweit. American Express macht aus der Gesamtzahl der Akzeptanzstellen hingegen ein großes Geheimnis. Lediglich für einzelne Städte können die Annahmestellen eingesehen werden. An wie vielen Stellen Amex-Kunden aber insgesamt mit ihrer Kreditkarte zahlen können, wird – auch auf Anfrage – nicht kommuniziert. Weshalb diese Angaben unter Verschluss bleiben, liegt auf der Hand: American Express kann in puncto Akzeptanzstellen sicherlich bei Weitem nicht mit der Konkurrenz mithalten. Ein ähnliches Bild zeigt sich online: Angaben von Statista zufolge liegt der Anteil der Zahlungen per American Express bei Online-Käufen bei einem Prozent. Immerhin neun Prozent zahlen im Internet per MasterCard, 14 Prozent per Visa.

Eine Besonderheit der Amex-Kreditkarten ist außerdem, dass alle standardmäßig mit der kontaktlosen Bezahlfunktion ausgestattet sind. Beträge von bis zu 25 Euro können so ohne Unterschrift und ohne die Eingabe einer PIN innerhalb von wenigen Sekunden beglichen werden. Warteschlangen an der Supermarktkasse sollen mit der NFC-Technik bald der Vergangenheit angehören.

Bekannt wurde das Unternehmen außerdem durch die besonders guten Versicherungsleistungen, die bei allen American Express-Karten standardmäßig inkludiert sind. Viele Kreditkarten mit Versicherung bringen eine erhebliche Ersparnis mit sich. Das allerdings nur, wenn Verbraucher die Versicherungen auch tatsächlich benötigen.

Früher war die Kreditkarte für viele ein Statussymbol. Dieses Image hat sich American Express im Vergleich zur Konkurrenz noch deutlich mehr bewahrt: Amex-Karten sind - bezogen auf die Jahresgebühr - vergleichsweise teuer, bieten aber viele Serviceleistungen inklusive. Kein Wunder also, dass die Zielgruppe zu den Gutverdienern gehört. Nicht überraschend ist es außerdem, dass eine American Express-Kreditkarte die Liste der exklusivsten Kreditkarten der Welt anführt: Die Rede ist von der berühmten "Black Card".

(bm)

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