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Kredit absichern: Das sollten Sie über die Restschuldversicherung wissen

29.05.2015 - 16:05

Wer einen Ratenkredit bei einer Bank abschließt, bekommt in den meisten Fällen eine sogenannte Restschuldversicherung angeboten. Nur jeder Fünfte weiß - laut einer aktuellen Studie der Bank of Scotland - genau, was sich dahinter verbirgt. Wir erklären, welche Arten von Restschuldversicherungen es gibt und was Verbraucher beim Abschluss einer solchen Versicherung beachten sollten.

Jeder Dritte hat noch nie von einer Restschuldversicherung gehört. Das ist das Ergebnis der Studie Auto & Kredit Navigator 2015 der Bank of Scotland, für die knapp 1.700 Personen zwischen 18 und 69 Jahren befragt wurden. Demnach gaben nur knapp 20 Prozent der Befragten an, gut über diese Versicherung Bescheid zu wissen. Wir helfen weiter und beantworten die wichtigsten Fragen zur Restschuldversicherung.

Schrift Risiko Sicherheit an einer Tafel
Risiko oder Sicherheit? Mit einer Restschuldversicherung können sich Verbraucher bei der Kreditaufnahme absichern.

Was ist eine Restschuldversicherung?

Die Restschuldversicherung (RSV), auch Ratenschutzversicherung oder Restkreditversicherung genannt, ist eine freiwillige Zusatzversicherung, die Verbraucher gemeinsam mit einem Kreditvertrag abschließen können. Falls Sie aufgrund von Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit oder plötzlichem Tod die Tilgungsraten für den Kredit nicht mehr bezahlen können, übernimmt die Versicherung für einen bestimmten Zeitraum die fälligen Raten. Die Restschuldversicherung gehört nach einer Definition der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu den Risikolebensversicherungen, denn verstirbt der Kreditnehmer plötzlich, sind die Angehörigen finanziell abgesichert.

Welche Arten von Ratenschutzversicherungen gibt es?

Verbraucher, die einen Kredit abschließen, können in der Regel zwischen drei Arten von Restkreditversicherungen wählen: Darlehensnehmer können sich gegen eine mögliche Arbeitsunfähigkeit (AU) sowie gegen eine mögliche Arbeitslosigkeit (AL) während der Kreditlaufzeit absichern. Eine dritte Möglichkeit ist die Absicherung gegen den Todesfall. Bei den meisten Versicherern sind Einzelversicherungen, die im Todesfall zahlen, sowie die Kombination verschiedener Versicherungsumfänge möglich. Zudem wird in der Regel ein Komplettpaket angeboten, das alle drei Schadensfälle beinhaltet. Nach dem Umfang der Versicherung richten sich auch die Versicherungsbeiträge. Die Versicherungssumme wird auf den Kreditbetrag aufgeschlagen sowie in die Berechnung der Kreditraten eingeschlossen.

Wichtig: Der Abschluss einer Restschuldversicherung darf laut der Verbraucherkreditrichtlinie nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden erfolgen. Sollte die Bank einen Kredit nur vergeben, wenn dazu eine Ratenschutzversicherung abgeschlossen wird, müssen die zusätzlichen Kosten, die durch eine solche Versicherung entstehen, in den effektiven Jahreszins eingerechnet werden.

Welche Vor- und Nachteile hat diese Versicherung?

Im Falle eines Zahlungsausfalls entlastet die Restschuldversicherung den Schuldner und seine Angehörigen. Bei hohen Kreditbeträgen schützen Verbraucher durch die Absicherung des Todesfalls ihre Erben, die die Raten künftig bezahlen müssten, wenn der Kreditnehmer unerwartet verstirbt. In diesem Fall würde die Versicherung die Bezahlung der fälligen Raten übernehmen. Je nach Situation, Bedarf und Wunsch können Versicherungsnehmer eine Einzelversicherung, einen Teilschutz oder den Komplettschutz wählen. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu Risikolebensversicherungen können Verbraucher die Restkreditversicherung ohne eine vorherige Gesundheitsprüfung abschließen. Die Beiträge sind also nicht von dem Ergebnis einer solchen Untersuchung abhängig. Leidet der Kreditnehmer bei Abschluss der Versicherung jedoch an einer Erkrankung, erhält er in den ersten beiden Jahren nach Abschluss der RSV oftmals keine Versicherungsleistung.

Ein Nachteil der Restkreditversicherung sind die meist hohen Kosten, die für die zusätzliche Absicherung anfallen. Dadurch können die Gesamtkosten für das Darlehen erheblich steigen. Zudem enthalten Restschuldversicherungen meist einige Ausschlussklauseln: So werden beispielsweise bei selbstverschuldeter Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit keine Beiträge an den Versicherungsnehmer ausgezahlt. Stirbt der Kreditnehmer, ist die Versicherungssumme, die die Angehörigen erhalten, oftmals auf einen bestimmten Betrag beschränkt. Verbraucher sollten sich vor Abschluss der Versicherung genau informieren, in welchen Fällen die Versicherung die Kreditraten übernimmt. Darüber hinaus sind im Vertrag meist Karenz- und Wartezeiten festgeschrieben: So zahlt die Versicherung in der Regel erst einige Monate nach Abschluss der Assekuranz bzw. ein bis drei Monate nach Eintreten der Zahlungsunfähigkeit.

Vor- und Nachteile der Restschutzversicherung auf einen Blick:
Vorteile: Nachteile:
Mehr Sicherheit: Schutz für Kreditnehmer und Familie bei Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Tod Hohe Kosten: Versicherungssumme erhöht die Gesamtkosten des Kredites
Flexibilität bei Abschluss: Verbraucher wählt Einzelversicherung, Teilschutz oder Komplettschutz je nach Situation, Wunsch und Bedarf Ausschluss von Szenarien: Restschuldversicherungen enthalten oft einige Ausschlussklauseln
Keine Gesundheitsprüfung: Beiträge der Versicherung sind unabhängig von einer Gesundheitsprüfung Warte- und Karenzzeiten: Versicherung zahlt meist erst einige Monate nach Abschluss der RSV
 

Kann ich meine Restschuldversicherung wieder kündigen?

Eine Restschuldversicherung kann in der Regel jederzeit unter Einhaltung der im Vertrag angegebenen Frist gekündigt werden. Üblicherweise liegt die Kündigungsfrist für eine solche Versicherung bei zwei Wochen zum Monatsende. Möchte der Kreditnehmer sein Darlehen zu einer anderen Bank umschulden, muss keine Kündigungsfrist eingehalten werden. In diesem Fall gilt ein Sonderkündigungsrecht: Kredit- und Versicherungsvertrag können gleichzeitig aufgelöst werden. Die gezahlte Versicherungsprämie wird dem Verbraucher anschließend anteilig zurückerstattet.

Kommt eine Restschuldversicherung für mich in Frage?

Generell kann nicht jeder Kreditnehmer eine Restkreditversicherung abschließen: Für bestimmte Berufsgruppen, wie Soldaten oder Angestellte im Ausland, wird diese Versicherung nicht angeboten. Grund dafür ist das höhere Berufsrisiko als bei Angestellten und Arbeitern. Zu den Kreditnehmern, die keine Restschuldversicherung erhalten, gehören außerdem Auszubildende, Arbeitslose, Studenten, Selbständige, Freiberufler sowie Rentner, da bei ihnen das Risiko eines Kreditausfalls höher eingeschätzt wird. Gründe hierfür sind das fehlende regelmäßige Einkommen bzw. das fortgeschrittene Alter der Verbraucher. Beamte beispielsweise benötigen keine Ratenschutzversicherung, da sie aufgrund ihres besonderen Arbeitsverhältnisses bereits umfangreich abgesichert sind.

Wann ist eine Restkreditversicherung sinnvoll?

Da ein Kredit durch den Abschluss einer Restschuldversicherung teurer wird, ist ein solcher Schutz in der Regel nur bei hohen Geldleihen oder bei Kreditnehmern mit Familie lohnenswert. Ist der Darlehensnehmer versichert, müssen Angehörige und Erben im Schadensfall nicht für die Rückzahlung des Kredites aufkommen. Verbraucher sollten bei der Aufnahme eines Darlehens abwägen, ob sie während der Kreditlaufzeit zusätzlich abgesichert sein möchten oder ihre Kreditkosten lieber niedrig halten möchten. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, statt einer Restschuldversicherung eine separate Risikolebensversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Der Vorteil: Die Versicherungsbeiträge, die für die von der Kreditaufnahme unabhängigen Assekuranzen fällig werden, müssen nicht mitverzinst werden.

(hd)

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