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Geoscoring: Falscher Wohnort, kein Kredit

28.04.2011 - 13:28

Verbraucherschützer kritisieren das sogenannte Geoscoring von Kreditauskunfteien. Auch wer eigentlich eine gute Bonität vorweisen kann, erhält dabei unter Umständen allein aufgrund seines Wohnortes eine schlechte Bewertung. Die Folge: Kredite erhält der Verbraucher dann entweder gar nicht oder zu weitaus schlechteren Konditionen als eigentlich zu erwarten wäre.

Seit etwas über einem Jahr besteht für Datenanbieter wie etwa die Schufa den Verbrauchern gegenüber eine Auskunftspflicht, was die über sie gesammelten Daten angeht. Das sollte den Bürgern die Möglichkeit geben, ihre Scoring-Einträge einzusehen und somit mehr Transparenz schaffen. Im Zuge dessen wurde jedoch auch das Geoscoring vom Gesetzgeber gebilligt, wobei Informationen zum Wohnort des Kunden Auswirkungen auf die Einschätzung seiner Bonität haben. Zwar ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die Kreditwürdigkeit einer Person nicht ausschließlich auf der Grundlage eines Geoscorings ermittelt werden darf. Allerdings macht die steigende Anzahl von Null-Prozent-Finanzierungen den Datenmarkt zu einem heißen Pflaster, denn auch die Anzahl der Bonitätsprüfungen nimmt zu. Viele Onlineshops verzichten jedoch darauf, da sie schon für 30 bis 40 Cent die Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalls kalkulieren können. Sehr oft wird die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers daher nur auf der Grundlage seines Wohnortes oder Vornamens eingeschätzt, anstatt eine umfassende Prüfung vorzunehmen.

Bonität als Interpretationssache

Wie es um die Bonität einer Person bestellt ist, wird so nicht selten zur Interpretationssache. Daher plant die Verbraucherzentrale so bald wie möglich eine Umfrage zum neuen Recht zur Selbstauskunft zu veröffentlichen. Viele Datenanbieter wie die Creditreform, Bürgel oder die Schufa können eine gestiegene Nachfrage vorweisen. Zur Bonitätsermittlung durch Geoscoring werden Daten analysiert wie das Zahlungsverhalten im persönlichen Wohnumfeld, die jeweilige Wohndauer sowie z.B. das Alter der betreffenden Person. Liegt dieses nicht vor, dann erfolgt eine Schätzung aufgrund des Vornamens. Man spricht in diesem Zusammenhang von mikrogeographischen Daten. Bei der Tochter der Bertelsmann Gruppe Arvato Infoscore räumt man zwar ein, diese Informationen zur Errechnung des Scorewertes heranzuziehen, jedoch seien hier auch andere Merkmale ausschlaggebend. Wie genau nun die Ermittlung der Kreditwürdigkeit vorgenommen wird, bleibt jedoch ein Geheimnis.

Ambivalentes Geoscoring

Keine der Auskunfteien verrät, wie sie denn genau zu ihren Ergebnissen kommt. Allerdings gibt es bei der Gewichtung des Geoscorings einen Unterschied zwischen den einzelnen Datenanbietern, je nachdem, welche Firmen angeschlossen sind. So sind an die Schufa vor allem Banken angebunden, weshalb laufende Darlehen, ein Handyvertrag oder auch Versandhandelskosten hier eher ausschlaggebend sind. Geoscoring spielt dabei eigentlich keine Rolle. Bei Bürgel Wirtschaftsinformationen, wo die Daten von mehr als 39 Mio. Privatpersonen erfasst sind, werden Schuldnerverzeichnisse, Insolvenzdaten und Handelsregister zu Rate gezogen. Besonders auf negative Merkmale wir Haftanordnungen oder auch eidesstattliche Versicherungen wird hier geachtet. Wie auch bei der Schufa ist die Bonität des Wohnumfeldes nahezu irrelevant. Geoscoring werde nur dann herangezogen, wenn es keine personenbezogenen Zahlungserfahrungen jüngeren Datums gäbe.

Datenschützer bleiben skeptisch

Datenschützer merken auf, wenn Kreditauskunfteien an Unternehmen wie Microm oder Bertelsmann angebunden sind, wie es bei Creditreform, bzw. Arvato der Fall ist. Zumal eine Abfrage bei einigen Kreditauskunfteien eine durchschnittliche Fehlerquote von 30 Prozent erbrachte. Dabei sprechen die betroffenen Unternehmen selbst von Quoten zwischen 0,1 und drei Prozent. Das Geoscoring ist in den Augen von Verbraucherschützern eine gewaltige Gesetzeslücke, durch die einzelnen Stadtteilen und Gegenden ein Stempel aufgedrückt wird. Eine Ghettoisierung könnte die Folge sein, wenn Verbraucher solche Gegenden meiden, denen eine schlechte allgemeine Bonität nachgesagt wird.

(sr)

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