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Geoscoring - Diskriminierung bei der Kreditvergabe?

19.09.2013 - 11:37

Sollte die Bank ihren Kreditantrag abgelehnt haben, kann das verschiedene Gründe haben: Zu niedriges Einkommen, befristeter Arbeitsplatz oder zu viele offene Verpflichtungen. Welche Faktoren in die Bonitätsprüfung der Banken einfließen, ist den meisten Verbrauchern inzwischen bekannt. Wussten Sie aber auch, dass ihre Adresse und die Zahlungsmoral ihrer Nachbarn ebenfalls ein Grund für die Ablehnung ihres Kreditvertrages sein können? Wir beleuchten das Thema „Geoscoring“.

Vor der Kreditvergabe versichert sich die Bank durch eine Bonitätsprüfung, dass der potentielle Kreditnehmer über eine ausreichende Kreditwürdigkeit verfügt. Auf diese Weise sichert sich das Geldhaus gegen einen möglichen Kreditausfall ab. Eine wichtige Quelle für die Bemessung der Bonität eines Verbrauchers sind verbraucherrelevante Daten, die bei verschiedenen deutschen Wirtschaftsauskunfteien gespeichert sind. Neben den oben angeführten, bekannten Verbraucherinformationen, können Wirtschaftsauskunfteien laut Bundesdatenschutzgesetzes seit April 2010 oftmals auch wohnortbezogene Daten in die Bonitätsprüfung einfließen lassen, das sogenannte Geoscoring.

Falsche Wohngegend = kein Kredit?

Seit 2010 werden Informationen zum Wohnort oder dem Wohnviertel und zur Bonität der Nachbarn genauso in die Kreditwürdigkeit eines Antragsstellers einbezogen, wie das eigene Einkommen oder die Zuverlässigkeit, mit der in der Vergangenheit Forderungen beglichen wurden. Die saarländische Datenschutzbeauftragte Judith Thieser bestätigt, dass Geoscoring bei deutschen Wirtschaftsauskunfteien, mit Ausnahme der Schufa, ein wesentlicher Bestandteil der Bonitätsprüfung ist. Daher können der Nachbar, der seine Rechnungen nicht fristgerecht bezahlt oder eine Wohngegend, in der viele Hartz-IV-Empfänger gemeldet sind, den Geldhahn der Bank schnell zudrehen.

Besonders hervorzuheben ist jedoch, dass die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, auf die Berücksichtigung dieser Daten in der Bonitätsberechnung eines Verbrauchers verzichtet. Neben der bekannten Schufa existieren in Deutschland mehr als zehn weitere, weniger bekannte Wirtschaftsauskunfteien, die diese Geodaten in die Bonitätsberechnung der Bürger einbeziehen. In das Geoscoring dieser Wirtschaftsauskunfteien fließen unter anderem Informationen zu Lage, Art und Zustand der umliegenden Häuser, Fabrikat und Zustand der Autos in der Umgebung und die Bonität der Nachbarn. Die Wirtschaftsauskunfteien gehen bei dieser Bonitätsberechnung davon aus, dass Menschen mit gleicher wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit meist in den gleichen Gegenden wohnen und daher eine Verallgemeinerung der Allgemeinheit auf einen Einzelnen rechtfertige.

Datenschützer kritisieren Diskriminierung der Antragssteller

Die Kreditwürdigkeit eines einzelnen Verbrauchers anhand der Bonität seines Umfeldes zu bemessen, bewerten Datenschützer als ungeeignet. Peter Schaar, Bundesbeauftragter für Datenschutz, betont, dass eine Bestimmung der Kreditwürdigkeit durch Geoscoring führe notwendigerweise zur Diskriminierung des Verbrauchers. Es dürfe nicht sein, dass Menschen, die in einem Viertel mit vielen ausländischen Nachbarn wohnen, keinen Handyvertrag bekommen oder für ihren Ratenkredit höhere Zinsen bezahlen müssen.

Der Verbraucherschützer appelliert daher an die Verbraucher, sich gegen die Ablehnung des Kreditvertrages aufgrund von Geoscoring zu wehren: Über die Einholung einer Selbstauskuft können Verbraucher ihre Kreditwürdigkeit einmal jährlich kostenlos überprüfen. Sollte dem Verbraucher die berechnete Bonität der Auskunftei seltsam vorkommen, rät Schaar, direkt nachzufragen oder sich an die zuständige Aufsichtsbehörde zu wenden. Im äußersten Fall besteht sogar die Möglichkeit, die Ablehnung des Kreditantrages der Bank gerichtlich nachprüfen zu lassen.

(as)

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