0800 - 24 24 123 Hilfe und Kontakt
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Finanzexperten raten dringend zum Vergleich von Krediten

22.10.2014 - 18:09

Egal ob für den Kauf eines neuen Autos, die Renovierung der eigenen vier Wände oder die Umschuldung einer bestehenden Altlast - die Finanzierung anstehender Ausgaben über einen Ratenkredit steht bei den Deutschen hoch im Kurs, wenn die eigenen Ersparnisse nicht ausreichen. Obwohl die aktuellen Niedrigzinsen für Kredite die Aufnahme eines Darlehens jetzt besonders attraktiv macht, sollten Verbraucher sich nicht nur von einem günstigen Konditionen blenden lassen, raten Verbraucherschützer.

Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen legt künftigen Kreditnehmern daher nahe, die Preise möglichst vieler Kreditinstitute zu prüfen, bevor man sich für ein Angebot entscheidet. Auch bei diesem Vergleich solle eine niedrige Monatsrate die endgültige Entscheidung nicht vorrangig beeinflussen: Ausschlaggebend für die Entscheidung für ein Kreditangebot müssten die Gesamtkosten sein, die während der gesamten Laufzeit auf den Verbraucher zukommen.

Beim Kreditvergleich auf den effektiven Jahreszins achten

Beim Kreditvergleich sollte Wert auf den Effektivzins gelegt werden.
Diese gesamten Kreditkosten, die ein Darlehensnehmer während der vereinbarten Laufzeit tragen muss, werden bei einem Kredit über den effektiven Jahreszins abgebildet. Anders, als der niedrigere Sollzins, beinhaltet dieser Zinssatz auch mögliche Kosten für eine Kreditversicherung oder anfallende Zusatzgebühren. Ein dienlicher Vergleich verschiedener Kreditangebote ist daher in erster Linie nur über die unterschiedlichen Effektivzinsen der einzelnen Offerten möglich.

Zusätzlich zur Höhe des Effektivzinses sollten Kreditnehmer in spe bei der Auswahl des passenden Angebotes auf zusätzliche Produktdetails achten. Während der Laufzeit kostenlose Sondertilgungen vornehmen zu können, für die keine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt, ist laut der Experten ein weiteres Kennzeichen eines guten und fairen Kredites. Auf diese Weise kann der Darlehensnehmer seine Bankschulden optimal an seinen finanziellen Spielraum anpassen, insbesondere wenn sich dieser während der meist langjährigen Laufzeit verändert.

Eine ausführliche und individuelle Beratung des künftigen Kreditnehmers sei darüber hinaus essenziell, so Michael Knobloch vom Institut für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Sowohl die Bank, als auch der Kunde müssten hierbei besonderen Wert auf die Erstellung einer umfassenden Haushaltsrechnung legen. Über diese Rechnung, in der die regelmäßigen Einnahmen und Ausgaben des Verbrauchers gegenüber gestellt werden, kann ausgelotet werden, ob ein Verbraucher überhaupt den finanziellen Spielraum für die Rückzahlung des Darlehens hat. Ziel eines Beratungsgespräches vor der Kreditaufnahme sollte laut Knobloch daher immer sein, die mögliche Überschuldung eines Kreditnehmers zu verhindern.

Finger weg von Gratis-Krediten und Null-Prozent-Finanzierungen

Ein weiteres Anzeichen auf einen zwielichtigen Anbieter sind laut Knobloch Offerten wie „kostenloser Kredit“ oder „Null-Prozent-Finanzierung“. Derartige Formulierungen seien ein deutlicher Hinweis auf unlautere, also betrügerische, Anbieter. Solche Angebote gebe es schlichtweg nicht, so Knobloch.

Grundsätzlich müsste es jedem Verbraucher klar sein, dass Banken es sich nicht wirklich leisten können, ihren Kunden Geld zu leihen, ohne hierfür eine Gegenleistung in Form von Zinsen zu verlangen. Um auch mit den Gratis-Finanzierungen Geld zu verdienen, werden dabei oft versteckte Kosten, beispielsweise in Form von Bearbeitungsgebühren oder Versicherungen, fällig. So wird aus der scheinbar kostenlosen Händler-Finanzierung schnell ein teures Darlehen, so die Erfahrung der Verbraucherschützer.

Abgesehen von den versteckten Kosten, die oftmals mit dieser Finanzierung einhergehen, haben Verbraucher bei einer Null-Prozent-Finanzierung deutlich weniger Rechte als bei der Nutzung eines normalen Darlehens. Spezielle Verbraucherkredite, die beim Kauf einer Ware über einen üblichen Ratenkredit greifen, gelten laut einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs nicht für Null-Prozent-Finanzierungen. Ein Verbraucher müsste demnach die Raten seiner Gratis-Finanzierung auch dann weiterbezahlen, wenn der zugrundeliegende Kaufvertrag aufgehoben wird. Ganz konkret: Kauft ein Verbraucher einen Fernseher über die Null-Prozent-Finanzierung, muss er die fälligen Raten auch dann weiter bezahlen, wenn der Fernseher an den Händler zurückgegeben wird, weil dieser beispielsweise defekt ist. Bei der Finanzierung über einen Ratenkredit könnte dies nicht passieren: Tritt der Kunde in diesem Fall von seinem Kaufvertrag zurück, könnte er von seinem üblichen Widerrufsrecht Gebrauch machen – die fälligen Raten für den Ratenkredit würden demnach ebenfalls entfallen.

(as)

Weitere Artikel: