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Welchen Einfluss haben EZB-Entscheidungen auf meine Finanzen?

15.06.2014 - 12:00

EZB, Einlagenzins, Draghi, Kreditklemme - Begriffe, mit denen Durchschnittsbürger oftmals nicht viel anfangen können. In der Zeitung liest man von einer neuen Ära, unkonventionellen Maßnahmen oder historischen Ereignissen. Vielen Verbrauchern stellt sich bei derartigen Schlagzeilen natürlich die Frage, ob das nur fremde Politik und große Worte aus Frankfurt sind oder ob die EZB sie wirklich in ihrem Alltag beeinflusst. Mit welchen Änderungen und Auswirkungen deutsche Kreditnehmer jetzt rechnen sollten, haben wir zusammengefasst.

Mario Draghi und die anderen Finanzexperten der Europäischen Notenbank in Frankfurt besorgt es sehr, dass insbesondere die Banken in südeuropäischen Ländern nicht genug Kredite an Privatpersonen oder Unternehmen vergeben. Die einfache Rechnung: Solange die Banken in Spanien, Italien und Griechenland das günstige EZB-Geld nicht an Firmen und Privatpersonen weitergeben, wird die Wirtschaft in diesen Regionen nicht so angekurbelt, wie die Notenbank es für nötig hält.

Geht mich die EZB-Finanzpolitik wirklich etwas an?

Betrifft die EZB-Politik jeden von uns persönlich?
Ja. Mit den aktuellen Maßnahmen möchte die Notenbank zwar vornehmlich die Kreditvergabe in Südeuropa ankurbeln, doch auch die Filialbank um die Ecke ist von den EZB-Entscheidungen betroffen: Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen für Bankkredite oder den Übernachtzins für Geldeinlagen bei der Notenbank verändert, kommen auch unsere Banken deutlich günstiger an frisches Geld und sind ebenfalls aufgefordert, dieses auch an ihre Kunden weiterzugeben.

Michael Kemmer vom Bundesverband deutscher Banken geht jedoch nicht davon aus, dass eine weitere Absenkung des Leitzinses und ein negativer Einlagenzins die Kreditvergabe wie gewünscht beleben wird: Der Finanzexperte ist sich sicher, dass die schlechte Kreditwürdigkeit der südeuropäischen Unternehmen die Darlehensvergabe hemmt und nicht die Bereitschaft der Geldhäuser. Denn günstige Kredite erhalten die Banken der Euro-Zone schon seit geraumer Zeit von der EZB – bisher haben die Geldhäuser diese zinsgünstigen Darlehen jedoch nicht an ihre Kunden weitergegeben, sondern dafür verwendet, renditereiche Staatsanleihen zu kaufen – die Wirtschaft profitierte daher kaum von den günstigen EZB-Krediten.

Einen weiteren Effekt, den die EZB durch ihre aktuellste Leitzinssenkung erzielen möchte, ist es, der seit langem sinkenden Inflationsrate von 0,5 Prozent in der Euro-Zone entgegenzuwirken. Optimal wäre aus Sicht der EZB daher eine Inflationsrate die knapp unter zwei Prozent liegt – ein derartiger Wert spricht für stabile Preise in der Euro-Zone.

Geringe Inflation in Südeuropa betrifft auch deutsche Verbraucher

Wenn die Inflation sehr gering ist – also die Preise für Güter und Produkte über einen längeren Zeitraum nicht merklich an Wert gewinnen, kaufen und investieren Verbraucher weniger, weil sie erwarten, dass die Preise bald sinken werden. In der Folge verkaufen Unternehmen weniger Waren und fahren ihrerseits die Produktion zurück – es kommt zur einer wirtschaftlichen Stagnation, im schlimmsten Fall sogar zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Leistung. Der Beginn eines Teufelskreises: Verkauft eine Firma ihre Produkte nicht und fährt Verluste ein, hat dies meist harte Sparmaßnahmen zur Folge: Da Personalkosten meist der größte Kostenfaktor einer Firma sind, wird die Spar-Axt hier meist zuerst angesetzt und es kommt zur Umstellung auf Kurzarbeit oder zur Entlassung von Mitarbeitern. An dieser Stelle schließt sich der Kreis, denn arbeitslose oder teilzeitbeschäftigte Verbraucher verdienen weniger Geld als zuvor und haben ihrerseits weniger finanziellen Spielraum für Konsumausgaben.

Eine Firma verkauft ihre Produkte und Dienstleistungen jedoch nicht nur in ihrem Heimatland, sondern auf der ganzen Welt. Eine geringe Inflation in gewissen Absatzländern schadet einer Firma daher auch im Inland – solange Verbraucher aus Griechenland oder Zypern also keine Produkte deutscher Firmen kaufen, leidet auch die heimische Wirtschaft unter der Finanzkrise.

Aus diesem Grund ist es für jeden Deutschen relevant, dass die Inflationsrate in der Euro-Zone in Zukunft wieder einen normalen Wert erreicht und die Wirtschaft insbesondere in den krisengebeutelten Südstaaten der Währungsunion wieder in Gang kommt.

Werden Kredite in Deutschland jetzt günstiger?

Ja und nein. Wer jetzt damit rechnet, dass die Banken die günstigen EZB-Konditionen in Form besonders günstiger Ratenkredite direkt an ihre Kunden weitergeben, irrt sich leider teilweise. Generell geben die Geldhäuser das billige Geld zwar schon an ihre Kunden weiter –Verbraucherschützer haben jedoch die Beobachtung gemacht, dass Banken eine Erhöhung des Leitzinses bei der Kreditvergabe deutlich schneller an ihre Kunden weitergeben als eine Senkung. Daher sollten Verbraucher vorerst nicht damit rechnen, dass viele Banken ihre Zinsen für Kredite zeitnah radikal senken.

Da das Leitzinsniveau aber nicht erst seit letzter Woche extrem niedrig ist, haben viele Banken bereits angefangen, ihre Zinsen für Firmen- und Privatkredite deutlich zu reduzieren. Wer also bereits vor einiger Zeit einen Kredit bei einer Bank aufgenommen hat, zahlt daher aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich deutlich zu hohe Zinsen. In diesem Fall wäre es sinnvoll, den alten Kredit auf ein Darlehen zu aktuellen Konditionen umzuschulden – durch die Zinsdifferenz ergibt sich meist eine sehr hohe Ersparnis.

(as)

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