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Wer Chefarzt möchte, muss auch Chefarzt schreiben

23.10.2014 - 10:00

Möchte ein Patient nur durch den Chefarzt behandelt werden, muss er dies in einer schriftlichen Erklärung vor der Operation deutlich machen. Ansonsten kann er auch von einem anderen Mediziner operiert werden. Dies geht aus einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm hervor.

In dem verhandelten Fall litt ein damals 64-jähriger Mann unter häufigen Entzündungen der Nasennebenhöhlen. Er wollte sich in einem Bielefelder Krankenhaus operieren lassen und vereinbarte hierzu mündlich mit dem behandelnden Arzt eine Chefarztbehandlung. Der Kläger wurde ohne größere Komplikationen operiert – allerdings vom Stellvertreter des Chefarztes.

Patient muss eindeutige Erklärung abgeben

Wer vom Chefarzt behandeln werden möchte, muss dies schriftlich vereinbaren.
Der Patient klagte dagegen und verlangte vom Krankenhaus und den beiden Ärzten Schadensersatz. Zudem führte er an, dass die Operation nicht notwendig gewesen und aufgrund einer Nachblutung fehlerhaft durchgeführt worden sei. Das Oberlandesgericht wies die Klage des Mannes zurück. Die Operation sei nach Einschätzung eines Gutachters nötig gewesen und fachgerecht ausgeführt worden. Auch die Beschwerde des Mannes, dass er nur vom Stellvertreter operiert worden sei, ließ das Gericht nicht gelten.

 

Das Gericht urteilte, dass ein Patient grundsätzlich auf einer Behandlung durch den Chefarzt bestehen könne. Wer darauf Wert legt – beispielsweise als Patient mit einer privaten Krankenhauszusatzversicherung oder privaten Krankenversicherung – muss dies nach Auffassung des Gerichts aber vor der Operation eindeutig schriftlich vereinbaren. Das habe der Kläger versäumt.

Der Mann habe zwar einen Vertrag über Wahlleistungen im Krankenhaus abgeschlossen. Die Vereinbarung habe jedoch nicht vorgesehen, dass nur der Chefarzt die Operation durchführen könne. Vielmehr werde der Arzt, der die Operation durchgeführt habe, sogar als ärztlicher Vertreter genannt. Das Gericht wertete dies so, dass der Kläger auch mit dem Stellvertreter als Operationsarzt einverstanden gewesen sei.

Auch den Einverständniserklärungen, die der Mann vor der Operation unterschrieben hatte, ließe sich nicht entnehmen, dass er ausschließlich vom Chefarzt habe behandelt werden wollen. Das Gericht bestätigte damit ein Urteil des Landgerichts Bielefeld.

(mst)

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