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Verkehrsgerichtstag 2014: Fachleute fordern Datenschutz im Auto

11.02.2014 - 08:00

Auf dem diesjährigen Verkehrsgerichtstag in Goslar mit rund 2.000 Juristen und Verkehrsexperten nahm die zunehmende Vernetzung in Fahrzeugen einen großen Diskussionsraum ein. Welche Rechte Autobesitzer hinsichtlich der Datenflut ihres Wagens in Zukunft haben sollten, wurde laut der Automobilwoche heiß diskutiert.

Autofahrer sollten künftig die Kontrolle über den Fluss der erhobenen Informationen rund um ihr Fahrzeug haben, forderten Verkehrsrechtler auf der Fachtagung in Goslar. Die informationelle Selbstbestimmung des Autofahrers sei essentiell, so der Tenor.

Autobesitzer sollen Datenfluss selbst bestimmen dürfen

Kunden müssten frühzeitig - also bereits beim Autokauf - darüber informiert werden, welche Fahrzeugdaten Hersteller und Dienstleister erheben und speichern würden und zu welchem Zweck die Datenspeicherung erfolge, so die Forderung. Zum Thema Unfalldatenspeicher - eCall wird ab 2015 verpflichtend für Neufahrzeuge sein - waren sich die Verkehrsexperten einig, dass hier einheitliche Standards geschaffen werden müssen. Das gelte beispielsweise auch für die Zugriffsrechte von Behörden und Gerichten, um Unfallumstände in Zukunft besser nachvollziehen und aufklären zu können.

Bereits bei aktuellen Automodellen werden permanent Daten erhoben und gespeichert. Mithilfe der Datenflut können Kfz-Werkstätten zum Beispiel Fehler schneller analysieren und beheben. Zudem wird der Fahrer etwa über Motortemperatur, Öl- und Wasserstände informiert. Das Auto zeigt die verbleibenden Kilometer bis zum nächsten notwendigen Tankstopp an. Künftig soll auch der Reifendruck eingespielt werden –  dies soll den Fahrer vor einem gefährlichen Abfall des Luftdrucks warnen.

Fahrzeugdaten wecken bei vielen Begehrlichkeiten

Doch auch andere haben theoretisch Zugriff auf diese Daten. Per Knopfdruck könnte ein Automobilbauer eines seiner Autos lahmlegen, die Polizei gestohlene Fahrzeuge über die Datensammler im Wagen orten und aufspüren. Der Telematik bedient sich hierzulande mit der Sparkassen-Direktversicherung auch der erste Kfz-Versicherer. Gesammelte Fahrzeugdaten ergeben für den Versicherungskonzern ein genaues Kundenprofil. Per Funk übertragen und entsprechend aufbereitet, kann der Versicherungskunde somit für eine defensive und schadensarme Fahrweise mit Rabatten auf die Kfz-Versicherungsprämie belohnt - oder andernfalls auch abgestraft werden.

Nur noch eine Frage der Zeit bis zum autonomen Auto

Zudem tüfteln Automobilbauer, aber auch Konzerne wie Google seit Jahren am autonomen Auto der Zukunft - und machen große Fortschritte. Die ersten Testwagen werden auch in Deutschland bereits im Alltagsverkehr erprobt. Der Mensch wird zusehends zum passiven Passagier im eigenen Auto. Die Befürworter dieser Entwicklung hin zum automatisierten Individualverkehr versprechen sich davon schwindende Unfallzahlen und optimierte Verkehrsprozesse ohne Staus und Stress.

Vor diesem Hintergrund werden das Thema Telematik und die damit einhergehenden Fragestellungen hinsichtlich der Rechte, Übertragung, Speicherung und dem Zugriff auf erhobene Fahrzeugdaten - wie sie jüngst in Goslar auf der Agenda standen - immer brisanter.

(srh)

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