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Urteil: Über 100.000 Euro für einen Mietwagen sind definitiv zu hoch

27.02.2014 - 10:00

Wer nach einem unverschuldeten Unfall für einige Zeit auf sein Auto verzichten muss, kann einen Mietwagen nehmen - die Kosten übernimmt die gegnerische Kfz-Versicherung. Dadurch wird gewährleistet, dass Autofahrer mobil bleiben, solange ihr eigenes Fahrzeug repariert wird oder sie - im Fall eines Totalschadens - nach einem neuen Pkw suchen. Doch Geschädigte dürfen es nicht übertreiben. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe in einem Urteil vom 10. Februar 2014 festgelegt.

Im konkreten Fall wurde ein Rettungswagen in einen Unfall verwickelt. Es wurde schnell klar, dass die fachgerechte Reparatur teurer kommen würde als ein neues Fahrzeug. Deshalb entschied sich der Rettungsdienst, gleich ein neues zu bestellen. Der Wagen konnte vom Hersteller jedoch erst drei Monate nach dem Unfall geliefert werden. Als Interimslösung mieteten die Retter deshalb einen entsprechenden Ersatz an.

Leih-Rettungswagen kostet fast 900 Euro Tagesmiete

Ein Rettungswagen im Einsatz.
Das Spezialfahrzeug ließ sich der Verleiher ordentlich entlohnen: 890 Euro Tagesmiete waren fällig. Über die drei Monate kamen so rund 104.000 Euro an Mietwagenkosten zusammen. Diese stellte das Rettungsunternehmen der Kfz-Versicherung des Unfallfahrers in Rechnung. Doch die Versicherungsgesellschaft dachte gar nicht daran, die horrende Summe zu begleichen.

Ein Gutachter wurde eingeschaltet. Dieser besah sich den ramponierten Rettungswagen. Sein Fazit: Das Fahrzeug hätte eine Kfz-Werkstatt ohne großen zeitlichen und finanziellen Aufwand notdürftig instand setzen können. Bis zum Eintreffen des bestellten Rettungsfahrzeugs hätte der alte Wagen noch problemlos weiter genutzt werden können. Der Betreiber des Rettungsdienstes wäre dazu im Rahmen seiner Schadensminderungspflicht verpflichtet gewesen, begründete der Kfz-Haftpflichtversicherer seine Zahlungsverweigerung. Zu Recht, urteilten nun die Karlsruher OLG-Richter.

Rettungsdienst bleibt auf Großteil der Mietwagenkosten sitzen

Sie wiesen die Klage des Rettungsdienstes ab. Dieser bleibt nun auf dem Großteil der Mietwagenkosten sitzen. Die Autoversicherung muss lediglich die Kosten für acht Tage Miet-Rettungswagen übernehmen. So lange hätte es nach Meinung des Gerichts gedauert, um den bei dem Unfall beschädigten Wagen wieder in einen verkehrssicheren Zustand zu bringen. Die Richter ließen keine Revision an die nächsthöhere Instanz zu.

Immer wieder werden Gerichte von geschädigten Autofahrern bemüht, die von gegnerischen Kfz-Versicherern ihre ausgelegten Mietwagenkosten erstattet bekommen wollen. Wie auch in diesem Fall gibt die Frage der Verhältnismäßigkeit in der Regel den Ausschlag, für welche Seite sich die Gerichte entscheiden.

(srh)

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